Gebrauchte Softwarelizenzen Geopolitik und Cloud Repatriation

Von Dr. Stefan Riedl 5 min Lesedauer

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Der Kostendruck und Bestrebungen, unabhängiger von US-Hyperscalern zu werden, wirken sich positiv auf die Nachfrage im Gebrauchtsoftware-Handel aus. Dass dennoch die Cloud auf dem Vormarsch ist, erhöht den Druck auf die Akteure, ihr Geschäftsmodell zu erweitern.

Wohin steuert die Zukunft der Cloud und der ewigen Lizenzen?(Bild:  Midjourney / KI-generiert)
Wohin steuert die Zukunft der Cloud und der ewigen Lizenzen?
(Bild: Midjourney / KI-generiert)

Der Markt für Gebrauchtsoftware wird derzeit geprägt von einem Trend in Richtung hybrider Lizenzmodelle. In diesem Zusammenhang gewinnt das Thema Cloud Repatriation, also die Rückführung von Daten und Workloads in das eigene Rechenzentrum, zunehmend an Bedeutung. Gleichzeitig steige der Kostendruck in den IT-Budgets, beobachtet Philipp Mutschler, CEO bei Soft & Cloud, was den Bedarf an günstigen Alternativen weiter ankurbelt. „Zudem rückt Audit-Sicherheit in den Vordergrund und da die Hersteller On-Prem-Produkte immer weiter einschränken, wächst das Bewusstsein für den Sekundärmarkt“, so der CEO.

Hintergrund

Die Abkehr von der ewigen Lizenz

Der britische Universalgelehrte John Ruskin wird mit dem Satz zitiert „Das Gesetz der Wirtschaft verbietet es, für wenig Geld viel Wert zu erhalten“. In der Gebrauchtsoftwarebranche sieht man das naturgemäß anders. Es ist eine Binsenweisheit, dass sich Software nicht abnutzt, vorausgesetzt es werden Updates gefahren und im Rahmen von Erneuerungsprojekten kommen Volumenlizenzpakete auf den Markt, die Lizenzhändler aufsplitten und neu verkaufen. Doch „die Cloud“, Subscription-Modelle und einhergehend eine schleichende Abkehr von der „ewigen Lizenz“ trüben die Aussichten etwas. Die Metapher von den dunklen Clouds, die aufziehen, liegt nahe.

On-Premises bleibt auch im Cloud-Boom fest im Sattel

Dass Cloud Computing dennoch auf dem Vormarsch ist, zeigen die Marktzahlen. Wie ist es vor diesem Hintergrund um die Zukunftsperspektiven für den Gebrauchtsoftware-Markt bestellt? Mutschler übt sich in Realismus: „Obwohl Cloud Computing boomt, bleibt On-Premises ein fester Bestandteil, besonders in regulierten Branchen.“ Gebrauchte Software werde zunehmend als strategisches Mittel zur Kostenoptimierung genutzt. Dass nicht jeder Anwendungsfall perfekt in die Cloud passt – etwa aus Datenschutzgründen oder weil er auf Legacy-Systemen stattfindet, spielt der so genannten ewigen Lizenz auch in die Hände. „Wir bei Soft & Cloud ziehen eine perspektivische Verlagerung in Richtung Lizenzberatung und gemischte Szenarien, sprich Cloud und Remarketing, in Betracht.“

Aufstellen für die Zukunft

Bei Soft&Cloud baut man das Angebot konsequent aus – „sowohl bei On-Premise-Lizenzen aus dem Remarketing als auch mit Cloudlösungen und License Advisory Services“. Das Partnernetzwerk wächst und parallel dazu entwickelt man laut dem Soft&Cloud-Chef eigene Beratungsprodukte für Lizenzoptimierung, inklusive Cloud Repatriation. Das erklärte Ziel ist es „ganzheitlicher Lösungsanbieter für kosteneffizientes Lizenzmanagement“ zu sein – auch auf internationaler Ebene. Gerade in unsicheren Zeiten bietet das Gebrauchtsoftware-Modell laut dem Manager Planungssicherheit, volle Funktionalität und Unabhängigkeit von teuren Abomodellen. Jedes Unternehmen sollte sich zudem fragen: Wie abhängig will ich mich von einem einzigen US-Konzern machen?

Philipp Mutschler, CEO, Soft & Cloud(Bild:  Soft & Cloud)
Philipp Mutschler, CEO, Soft & Cloud
(Bild: Soft & Cloud)

Das Geschäft mit der Dokumentation

Konflikte gibt es in der Gebrauchtsoftware-Branche immer wieder. Insbesondere große Softwarehersteller wie Microsoft hätten versucht, den Markt für gebrauchte Software einzuschränken, indem sie suggerieren wollten, dass der Handel und Weiterverkauf von Softwarelizenzen nicht zulässig sei – trotz klarer europäischer Gesetzeslage. „Seriöse Anbieter wie wir und weitere Wettbewerber haben dem Druck standgehalten und das mit Erfolg: Unsere Prozesse sind TÜVIT-zertifiziert und wir liefern alle benötigten Dokumente für eine auditsichere Lizenzierung“, sagt der Manager.

Hintergrund

Geschäftsmodelle ändern sich

Vor rund 100 Jahren war „radioaktive Zahnpasta“ ein Verkaufsschlager. 50 Jahre zuvor waren Hochräder „the next big thing“ und weitere 50 Jahre vorher, im Jahr 1820 verkaufte Johnnie Walker erstmals seinen schottischen Whisky. Zwei der drei genannten Produkte haben sich nicht durchgesetzt. Aktuell stellt sich die Frage, ob es für gebrauchte Software eine Zukunft gibt, denn Cloud Computing, das Subscription-­Modell und „Software as a Service“ könnten den Markt für Kauflizenzen (aus dem sich Gebrauchtlizenzen speisen) obsolet machen. Fragt man Gebrauchtsoftwarehändler, wie sie sich vor diesem Hintergrund für die Zukunft rüsten, wird einerseits bezweifelt, dass der Markt für Gebrauchtlizenzen wegbrechen könnte, andererseits stellen sie bereits ihr Geschäftsmodell um, hin zu mehr allgemeiner Lizenzberatung und Softwaredistribution.

Die Nachfrageseite

Die Nachfrage ist laut Mutschler stabil – besonders Standardprodukte wie Microsoft Office und Windows Server seien gefragt. Im öffentlichen Sektor und im Mittelstand steigt ihm zufolge das Interesse spürbar. Auch große Systemhäuser und Reseller würden mehr und mehr den Wert von gebrauchten Lizenzen erkennen und ihr Portfolio entsprechend erweitern. „Unsere Kunden sind vor allem mittelständische Unternehmen, öffentliche Auftraggeber, große Systemhäuser und internationale Unternehmen mit Fokus auf kosteneffiziente Softwarebereitstellung“, so der Manager. Am meisten verkaufen sich ganz klar Microsoft Office und Windows Server. Die Preisvorteile seien enorm, nämlich bis zu 60 Prozent günstiger als Neulizenzen.

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Partnergeschäft

Soft&Cloud arbeitet eigenen Angaben nach mit mehr als 1.500 Fachhandelspartnern zusammen. Diese können nicht mehr benötigte Altlizenzen an den Gebrauchtsoftwarehändler verkaufen, individuelle Schulungen und Vertriebsunterstützung erhalten und auf Partnertools und Zertifikate zugreifen. Auch gemeinsame Messeauftritte und Marketingaktionen gehören zur Zusammenarbeit.

Hintergrund

Ein Gedankenspiel über schwarze Schafe und Dokumentationen

Angenommen, ein Händler von gebrauchter Software kauft 1.000 Nutzungsrechte einer Software und hat dies gut dokumentiert. Doch woher weiß der Endkunde, dass dieser Händler auch nur maximal 1.000 Stück weiterverkauft? Nehmen wir an, er verkauft jeweils 200 an Kunde A, B, C, D und E. Jedem gibt er jeweils eine Kopie seiner Dokumentation über den Erwerb der 1.000 Nutzungsrechte. Damit ist er eigentlich fertig. Alles ist verkauft. Aber wer hindert ihn daran, nochmal 200 Lizenzen an Kunde F mitsamt einer weiteren Kopie seiner Dokumentation zu verkaufen? Ab dem Zeitpunkt wäre der Gebrauchtsoftwareverkauf nicht mehr legal und für den Käufer wäre das nicht transparent. Daher sind beim Vertrieb gebrauchter Volumenlizenzen Absicherungsprozesse und Dokumentationen sinnvoll, die seriöse Anbieter zu leisten imstande sind. Dazu können unter anderem zählen: Vernichtungserklärung des verkaufenden Unternehmens; Offizielles License-Statement vom Lizenzgeber; Auszug aus dem Volume Licensing Service Center, Lizenzvertragskopien sowie Rechnung vom Lizenzgeber.

Technologie und Gesetzgebung

Es gibt neue Technologien und gesetzliche Änderungen, die den Markt beeinflussen. Der CEO führt an: „Microsoft schränkt beispielsweise immer weiter On-Premise-Produkte ein.“ AI und Cloud-Technologien erfordern ihm zufolge hybride Lizenzstrategien. Und gleichzeitig setze die EU-Digitalstrategie auf mehr Wettbewerb und Transparenz im Lizenzmarkt. Hinzu gesellen sich geopolitische Entwicklungen, insbesondere in den USA, die viele Unternehmen zum Nachdenken über ihre Abhängigkeit von US-Konzernen bringen.

Hintergrund

Gebrauchtsoftware-Dokumentation

Damit im Auditfall möglichst keine Fragen offen bleiben, erhält der Käufer von seriösen Gebrauchtsoftware-Händlern eine umfangreiche Dokumentation, deren Bestandteile teilweise rechtlich geboten sind, aber teilweise darüber hinaus gehen können. Die juristisch gebotenen Bestandteile sind:

  • Kopien des relevanten Microsoft-Vertrags,
  • Kopien der Product Use Rights (PURs),
  • Löschbestätigung des Vorbesitzers,
  • Dokumentation der Lizenzhistorie,
  • Lieferschein und Rechnung.

Freiwillige Zusatzkomponenten (nicht abschließend):

  • Bestätigung der Info über den Lizenztransfer an den Hersteller,
  • Rücktrittsrecht vom Vertrag für den Käufer,
  • und Haftungsfreistellungsklausel.

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