Urgesteine aus der IT-Branche Frank Roebers vermisst das Spiel „Wing Commander“

Redakteur: Sarah Gandorfer

Vor rund 20 Jahren kam Frank Roebers über eine unseriöse Anzeige wie die Jungfrau zum Kind in die IT-Branche. Er findet, dass Computer früher sexier waren.

Anbieter zum Thema

ITB: Herr Roebers, Sie haben ja Jura studiert, wie sind Sie dabei in die IT-Branche gerutscht?

Roebers: Das war purer Zufall. Als ich mein Studium angefangen habe, musste ich Geld verdienen. In der Zeitung stieß ich auf eine eigentlich recht unseriöse Anzeige, dass eine Handelsagentur Vertreter für PCs sucht. Der Haken: Der Mitarbeiter musste erst einmal der Agentur einen PC abkaufen. Die Arbeitskonditionen waren jedoch sehr verlockend. Da ich bereits einen Atari besaß, habe ich den PC kurzerhand bestellt und vorab einem Rechtsanwalt verkauft. Dumm nur, dass die Handelsagentur vor der Auslieferung Insolvenz anmeldete. Also musste der Computer irgendwo anders herkommen. Bei der Suche nach einer Quelle in meiner Nähe bin ich auf Bemi-Computer gestoßen. Hier war damals Thomas Kruse, der spätere Gründer von PC-Spezialist, involviert.

ITB: So haben Sie sich also dann das Studium finanziert?

Roebers: Nach dem fünften Semester hatte ich alle Scheine, durfte aber erst nach dem siebten das Staatsexamen machen. Die Zeit habe ich genutzt, PCs und Software an Rechtsanwälte zu verkaufen. Damals konnte man noch richtig Marge mit PCs machen. Dabei habe ich Kruse besser kennengelernt und bin 1992 auch zur PC-Spezialist Computervertriebsgesellschaft gestoßen, die den Grundstein für die heutige Synaxon bildet.

25770350

ITB: Was waren Ihre Highlights in diesen 20 Jahren?

Roebers: Die Zeit war wirklich nicht langweilig. Es war interessant, den kometenhaften Aufstieg von Vobis, Escom und den Filialisten zu sehen. Was ich aber erstaunlich finde, ist, dass die Distributionsstruktur um vieles stabiler war als die der Hersteller. Bei den Herstellern sind einige ganz vom Markt verschwunden, während die Distributoren sich eher zusammenschlossen und den Namen gewechselt haben. Wir arbeiten mit vielen der Distributoren bereits seit 15 Jahren zusammen.

ITB: Vermissen Sie heute etwas, was früher möglicherweise besser war?

Roebers: Bis 1999 brauchte man für jedes Release von Wing Commander einen neuen Computer. Damals waren Spiele noch Treiber auf dem PC-Markt. Außerdem war der PC noch ein sexy Produkt, so dass man Bewunderung erntete, wenn man sich als Computer-Händler outete. Heute hat das Gerät seinen Glanz verloren und ist alltäglich. Keiner hat damals geglaubt, dass Microsoft mit der Voraussage recht hat, dass in Zukunft in jedem Haushalt ein PC stehen wird.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, wie nach Roebers Meinung die ITK-Landschaft in 20 Jahren aussieht und ob IT dann überhaupt noch über die Ladentheke geht.

(ID:2049610)