Staatliche Fördermittel für die Digitalisierung gibt es viele. Davon profitieren können Systemhäuser und ihre Kunden – vorausgesetzt sie kennen sich aus im Fördermitteldschungel und beantragen die Zuschüsse rechtzeitig.
Trotz einiger Hürden können sich Fördermittel durchaus lohnen. Es gilt daher Ausschau nach den passenden Fördertöpfen zu halten.
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Go-inno, Go-digital, Pflegekräftestärkungsgesetz oder Qualifizierungschancengesetz – so oder so ähnlich lauten die Namen der Geldtöpfe, die der Staat für Digitalisierungsprojekte vorgesehen hat. Daraus bedienen können sich Unternehmen, wenn sie in IT investieren. Gefördert werden heute aber nicht mehr nur neue Server oder Hardware. Vielmehr gibt es Fördermittel für IT-Sicherheit, Managed Services oder Weiterbildung, erklärt Christian Hömer, Partnerberater bei Comteam.
Doch trotz Fördermittel scheitern viele Digitalisierungsprojekte aus den unterschiedlichsten Gründen. So gab die Hälfte der Befragten der Bitkom-Studie „Digitalisierung der Wirtschaft“ an, sich bei der Entwicklung digitaler Produkte und Dienstleistungen schwer oder sogar sehr schwer zu tun. Einen externen Partner ziehen dabei nur 47 Prozent mit in diese Prozesse ein. Und 53 Prozent entschieden sich schließlich gegen weitere Investitionen in die Digitalisierung. Der Grund Nummer eins: Das Geld fehlt. Es scheitert also an der Finanzierung. Dabei können Unternehmen für die Digitalisierung verschiedenste Förderungen in Anspruch nehmen – sei es für die Projekte selbst oder die dazugehörigen Beratungen.
Anna Kilger, Abteilungsleitung Industrie und Innovation bei der IHK Schwaben
(Bild: IHK Schwaben)
Wir empfehlen es, Fördermittel zu beantragen. Auch eine Beratung vorab ist sehr sinnvoll, um Unternehmen vor potenziellen Fehlern zu bewahren.
Anna Kilger, Abteilungsleitung Industrie und Innovation der IHK Schwaben
Da wäre zum Beispiel Go-inno oder Go-digital, die Förderung von Unternehmensberatung für KMU oder der Digitalbonus Bayern. Problematisch ist es allerdings, zur richtigen Zeit den richtigen Fördertopf ausfindig zu machen. Schließlich setzt nicht nur der Bund, sondern auch die Länder Förderprogramme auf. Dabei den Durchblick zu behalten, sei sehr schwer, weiß Hömer aus der Praxis zu berichten. Das liege unter anderem daran, dass sich auch hinter Programmen wie dem Pflegekräftestärkungsgesetz oder dem Qualifizierungschancengesetz interessante Fördergelder verstecken.
Kleinere Töpfe, größere Hürden
Dennoch werden diese Töpfe immer kleiner. „Die Förderlandschaft in Deutschland hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Während es vor einigen Jahren noch eine Vielzahl unterschiedlicher Förderprogramme gab, sind es heute nur noch wenige“, weiß Anna Kilger, Abteilungsleitung Industrie und Innovation der IHK Schwaben. Dabei sind viele Programme auf Landesebene angesiedelt und adressieren vor allem kleine Unternehmen.
Sehr unterschiedlich ist zudem die Höhe der jeweiligen Fördermittel, räumt Christian Hömer ein. Gelegentlich komme es auch vor, dass „ein Fördertopf auf einmal leer ist“, führt der Comteam-Fördermittelexperte aus. Das werde in der Regel nicht kommuniziert. Auch sei es schwierig in Erfahrung zu bringen, ob es dafür Anschlussfördermittel oder möglicherweise neu aufgelegte Programm gebe.
Christian Hömer, Partnermanager Comteam
(Bild: ComTeam)
Größere Systemhäuser bilden Mitarbeiter aus, die dann Fördermittelanträge und Fristen im Blick haben.
Christian Hömer, Partnermanager Comteam
Hinzu kommen Herausforderungen wie das Zusammentragen der erforderlichen Unterlagen oder überhaupt das richtige Fördermittel zu finden. Zwar sei die Auswahl laut Kilger bei Software-Investitionen überschaubar, „aber wenn es um Fördermittel allgemein geht, kann man schon vom ‚Förderdschungel‘ sprechen“. Den Überblick zu behalten, fällt Antragstellenden also zum Teil nicht leicht und trotz Recherche besteht die Möglichkeit, dass bestimmte Vorhaben nicht bezuschusst werden. „Es ist teilweise schwierig abzuschätzen ob das konkrete Vorhaben gefördert werden kann. Dazu gibt es natürlich Vorgaben und Beispiele, aber am Ende handelt es sich um Einzelfallentscheidungen“, betont die IHK-Abteilungsleiterin.
Fördermittelbegleitung als Geschäftsmodell
Dann wäre da noch der zeitliche Aufwand, der nicht zu unterschätzen ist. Denn Fördermittel zur Digitalisierung richten sich in erster Linie an kleine oder mittelständische Unternehmen. Eine externe Abteilung, die sich lediglich um Förderungen kümmert, existiert in den meisten Fällen nicht. Kilgers Erfahrung nach sind dafür oftmals die Geschäftsführer selbst zuständig, manchmal auch Mitarbeitende der Buchhaltung oder IT. Nur größere Systemhäuser könnten es sich leisten, eigene Mitarbeiter für die Fördermittelberatung aufzubauen, glaubt Comteam Partnermanager Hömer. Doch können sich die Investition durchaus lohnen, ist er überzeugt. Schließlich ließe sich die Fördermittelberatung und -begleitung durchaus als Geschäftsmodell nutzen.
Unngewöhnliche Fördermittel
Mit Digitalisierung werden Fördermittelprogramme wie INQA oder das Qualifizierungschancengesetz nicht sofort in Verbindung gebracht. Doch werden darüber etwa Weiterbildungen gefördert. Über INQA gibt es bis zu 70 Prozent der Gesamtausgaben für Wissens- oder Führungs-Schulungen. Während beim Qualifizierungschancengesetz unter Umständen die Kosten komplett übernommen werden.
Fördermittel as a Service lautet die Devise. Häufig beauftragen Unternehmen erst am Ende des Geschäftsjahres Fördermittel bei ihrem Systemhaus. Doch ist Hömer überzeugt: „Wenn der Kunde kommt und nach Fördergeldern fragt, ist es bereits zu spät“. Zum einen müssten die jeweiligen Fristen der Förderprogramme berücksichtigt werden. Zum anderen sollten Förderprojekte strukturiert und längerfristig angegangen werden. Und schließlich könne das Systemhaus nicht nur mit seiner Beratungskompetenz punkten, sondern den Kunden auch nach der Bewilligung der Gelder bei der Umsetzung der Projekte begleiten. Dabei gehe es aber nicht nur um das Einrichten von Hard- und Software. Vielmehr sind IT-Dienstleister auch gefragt, um beispielsweise Beratungsberichte zu schreiben. Letzteres gehörte häufig zu den Anforderungen beim Geld vom Staat.
Stand: 08.12.2025
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Komplex und Zeitaufwändig
Wie lange ein Antrag auf Fördermittel bei den entsprechenden Ansprechpartnern tatsächlich dauert, kann variieren. „Je nachdem, wie gut sich die Unternehmen bereits selbst mit dem Förderprogramm auseinandergesetzt haben, kann die Antragstellung unterschiedlich lange dauern. Sie kann von wenigen Stunden bis zu mehreren Tagen dauern, wenn die Unternehmen noch Informationen oder Nachweise zusammentragen müssen. Das Ausfüllen des Antrags selbst dauert, wenn alle erforderlichen Unterlagen vorliegen, vielleicht zwei Stunden“, erklärt Kilger. Erfahrung beim Ausfüllen solcher Anträge sollte der Bearbeiter allerdings schon haben, führt Hömer aus.
Andre Derlicki, Head of Shared Service bei Pco
(Bild: pco)
Mit dem Projekt oder der Investition darf erst begonnen werden, wenn eine Bewilligung der Förderung vorliegt. Dies kann oft dauern und schränkt die Flexibilität ein.
Andre Derlicki, Head of Shared Service bei Pco
Zwar mag der Aufwand beim Beantragen von Fördergeldern überschaubar klingen. Die Genehmigung könne aber in der Regel zwischen drei und sechs Monate auf sich warten lassen, informiert die IHK-Expertin. Und das verzögere letztlich den gesamten Vorgang eines Projekts. „Mit dem Projekt oder der Investition darf erst begonnen werden, wenn eine Bewilligung der Förderung vorliegt. Dies kann oft dauern und schränkt die Flexibilität ein“, sagt Andre Derlicki, Head of Shared Service bei Pco. Der Managed Security Service Provider (MSSP) aus Osnabrück nutzt selbst die Möglichkeit der Fördermittel, beispielsweise zur finanziellen Unterstützung von klar definierten Assets und Investitionen sowie für die Weiterbildung.
Der MSSP weiß zudem um die Komplexität der Antragsstellung und den personellen Aufwand an dieser Stelle. „Auch für mit der Thematik erfahrene Personen bleibt die Bearbeitung mühsam. Oft können Erfahrungen und Abläufe aus einem Antrag auch nicht auf ein anderen adaptiert werden“, beschreibt Derlicki. Beim Security-Spezialisten wird das Thema Fördermittel deswegen zentral im kaufmännischen Management angegangen.
Beratungen und Informationsquellen
Wer als kleineres Systemhaus weder Zeit noch Ressourcen für Fördermittel erübrigen möchte, kann „Fördermittelbeschaffer des Comteam Netzwerks nutzen, die die Gelder für Projekte holen, ohne eine Comteam Mitgliedschaft abschließen zu müssen“, erläutert Hömer. Die Experten identifizieren die passenden Fördermittel für den jeweiligen Kunden. So gebe es beispielsweise Fördermittel, die nicht sofort mit Digitalisierung in Verbindung gebracht werden. Der Fall ist das laut Hömer etwa bei dem Pflegekräftestärkungsgesetz. Damit ließen sich recht unkompliziert Pflegebetriebe oder Krankenhäuser mit neuer Hardware ausstatten. Und über das Qualifizierungschancengesetz übernimmt die Bundesagentur für Arbeit Weiterbildungskosten. Dabei werden abhängig von der Unternehmensgröße teilweise oder vollständig die Kosten für die Weiterbildung sowie Lohn- und Lohnnebenkosten der Mitarbeiter übernommen. So könnten beispielsweise Mitarbeiter zu Experten für Fördermittel oder Social Media qualifiziert werden. Bei Comteam helfen die Fördermittel-Spezialisten ebenso beim Erstellen und Einreichen der Anträge. Bei der Umsetzung sind dann wiederum die IT-Dienstleister gefragt.
Wichtige Fördermittel zur Digitalisierung im Überblick
Go-digital: für KMU in Deutschland (maximal 100 Beschäftigte und 20 Millionen Euro Jahresumsatz) zur Optimierung der Geschäftsprozesse mit digitalen Lösungen; Infos beim Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK)
Go-inno – Innovationsgutscheine: für KMU in Deutschland (maximal 100 Beschäftigte und 20 Millionen Euro Jahresumsatz), für Management- und Beratungsleistungen zur Vorbereitung und Durchführung von Produkt- und technischen Verfahrensinnovationen; Infos beim BMWK
Förderung von Unternehmensberatung für KMU: Zuschuss für Unternehmensberatungen zu wirtschaftlichen, finanziellen, personellen und organisatorischen Fragen; Infos beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA).
KfW-Kredit für Wachstum: für in- und ausländische Unternehmen sowie Projektgesellschaften, um Investitionen und Betriebsmittel in den Bereichen Innovation und Digitalisierung zu finanzieren; Infos bei der Förderbank KfW
ERP-Digitalisierungs- und Innovationskredit: für Mittelständische, junge Unternehmen oder Freiberufler in Deutschland zur Finanzierung von Innovationsvorhaben; Infos bei der KfW.
Trotz all der Hürden beim Ringen um Fördermittel, lohnt es sich bei Digitalisierungsvorhaben nach Geld vom Staat Ausschau zu halten. Denn wie auch die Studie von Bitkom zeigt, ist der Faktor Geld bei der Digitalisierung entscheidend. Für einen reibungslosen Ablauf eines Fördermittelantrags ist eine entsprechend gute Vorbereitung von Nöten sowie idealerweise eine vorherige Beratung. „Wir empfehlen es, Fördermittel zu beantragen. Auch eine Beratung vorab ist sehr sinnvoll, um Unternehmen vor potenziellen Fehlern zu bewahren. Bei Digitalbonus Bayern sind zum Beispiel nur Digitalisierungsmaßnahmen förderfähig, die noch nicht begonnen wurden. Dieser Hinweis kann jedoch schnell überlesen werden und Unternehmen für Fördermittel ‚disqualifizieren‘“, weiß Anna Kilger.
Die IHK Schwaben berät selbst grundsätzlich neutral und kostenfrei zu zwei Förderungen in Bayern: Go-digital und den Digitalbonus Bayern. „Wir nehmen KMUs beim kompletten Antragsstellungsprozess an die Hand.“ Weitere Informationen und Unterstützung bietet zudem die Förderdatenbank des Bundes, der Länder und der Europäischen Union sowie der Förderfinder des bayerischen Staatsministeriums für Digitales. Auch spezialisierte Beratungsunternehmen oder Systemhausverbunde helfen dabei, passende Fördermittel für sich selbst und für Kunden zu finden sowie die entsprechenden Anträge zu stellen.