Förderprogramme für Unternehmen Fördergelder verpuffen in der Bürokratie

Von Dr. Stefan Riedl 4 min Lesedauer

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Von Förderprogrammen können IT-Systemhäuser und IT-Dienstleister direkt oder indirekt profitieren. Allerdings ist die Vergabepraxis so problematisch, dass nicht mal KI wirklich gut dabei helfen kann, monetär davon zu profitieren.

Bürokratische Hürden, beispielsweise bei den Nachweispflichten, sorgen dafür, dass bereitgestellte Fördermittel schlichtweg verpuffen.(Bild:  Midjourney / KI-generiert)
Bürokratische Hürden, beispielsweise bei den Nachweispflichten, sorgen dafür, dass bereitgestellte Fördermittel schlichtweg verpuffen.
(Bild: Midjourney / KI-generiert)

Akteure aus dem IT-Channel können sich direkt aus staatlichen Töpfen fördern lassen, aber auch indirekt profitieren – beispielsweise über branchenübergreifend geförderte Digitalisierungsprojekte. Doch die Fördermittelvergabe ist ein problematisches Terrain. Geht man nach einer Studie von YouGov, die EPSA Deutschland in Auftrag gegeben hat, kennen und nutzen nur 30 Prozent der Firmen die meisten staatlichen Förderprogramme. Mehr als jeder vierte Entscheider (25 %) hat dagegen kaum Überblick über die eigenen Fördermöglichkeiten. Dazwischen liegt ein breites Mittelfeld, das nur einen Teil der Programme kennt und nutzt. Zur Einordnung: EPSA Deutschland hat sich auf Fördermittelberatung, Finanzierungen und Energie spezialisiert.

Hintergrund

Details zur Studie

Die Daten der Befragung basieren auf Online-Interviews mit Mitgliedern des YouGov Panels, die der Teilnahme vorab zugestimmt haben. Für diese Befragung wurden im Zeitraum 11. und 20.08.2025 insgesamt 524 Unternehmensentscheider befragt. Die Erhebung wurde quotiert und die Ergebnisse gewichtet. Die Befragten setzen sich repräsentativ nach Beschäftigtenanteil pro Unternehmensgröße, nach Geschlecht und Altersgruppen von Unternehmensentscheidern, nach sechs NACE-Wirtschaftszweigen sowie nach Nielsen-Regionsverteilung von Unternehmen zusammen. Die Teilnehmer setzten sich aus 44 Prozent Großunternehmen (über 250 Beschäftigte), 21 Prozent mittleren Unternehmen (50–249 Beschäftigte) und 35 Prozent Kleinst- und kleinen Unternehmen (1–49 Beschäftigte) zusammen. Nach Branchen entfielen jeweils 24 Prozent auf Industrie sowie auf öffentliche Dienstleistungen wie Gesundheit, Bildung oder Verwaltung. Gering qualifizierte private Dienstleistungen – etwa Handel, Mobilität, Logistik oder Gastronomie – machten 20 Prozent aus. Hochqualifizierte private Dienstleistungen wie IKT, Finanzen, Versicherungen, Wohnungswirtschaft oder Wissenschaft kamen auf 17 Prozent. Weitere 10 Prozent entfielen auf sonstige Bereiche wie Land- und Forstwirtschaft, Kunst, Unterhaltung oder persönliche Dienstleistungen. Das Baugewerbe stellte 6 Prozent.

Kaum jemand findet Fördermittel „leicht zugänglich“

Verschiedene Hürden hindern Unternehmen an der Nutzung der Förderprogramme.(Bild:  EPSA Deutschland)
Verschiedene Hürden hindern Unternehmen an der Nutzung der Förderprogramme.
(Bild: EPSA Deutschland)

Nur knapp jeder zehnte Entscheider empfindet demnach Fördermittel als gut zugänglich. Die größten Hürden sind Bürokratie (38 %), komplexe Nachweispflichten (27 %) und lange Bearbeitungszeiten (24 %). Weitere Barrieren reichen von fehlendem Überblick (21 %) und mangelnder Beratung (18 %) bis hin zu Sorgen vor Rückforderungen (13 Prozent).

Hohe Bekanntheit, aber ungenutzte Potenziale

Bekanntheit und Nutzung der Förderprogramme lassen zu Wünschen übrig.(Bild:  EPSA Deutschland)
Bekanntheit und Nutzung der Förderprogramme lassen zu Wünschen übrig.
(Bild: EPSA Deutschland)

Zwar kennen und nutzen branchenübergreifend 30 Prozent der Unternehmen viele Förderprogramme, doch rund 40 Prozent schöpfen ihre Möglichkeiten nur teilweise oder gar nicht aus. Jeder zehnte Entscheider kennt zwar zahlreiche Programme, setzt sie aber kaum ein, weitere 12 Prozent haben keinerlei Überblick.

Großunternehmen nutzen Förderungen am effektivsten

Die überbordende Bürokratie bei Förderprogrammen ist ein echtes Problem.(Bild:  EPSA Deutschland)
Die überbordende Bürokratie bei Förderprogrammen ist ein echtes Problem.
(Bild: EPSA Deutschland)

Nur jedes fünfte Kleinst- und kleine Unternehmen (19 Prozent) schöpft viele angebotene Programme aus, während 22 Prozent überhaupt keinen Überblick haben. Im Vergleich dazu schöpfen 37 Prozent der Mittelständler und 35 Prozent der Großunternehmen viele ihrer Fördermöglichkeiten aus. Auffällig: Fördermöglichkeiten bleiben bei kleineren Firmen ungenutzt – 12 Prozent kennen sie, setzen sie aber nicht ein. Bei den Großunternehmen sind es 8 Prozent.

Industrie vorne bei Fördermitteln

In der Industrie (Bergbau, Produktion, Energie, Wasser) kennt und nutzt mehr als jeder Dritte (35 %) viele bis alle Programme – ein Spitzenwert im Branchenvergleich. Zugleich gibt jeder Zehnte an, Fördermittel zwar zu kennen, aber kaum einzusetzen. Knapp ein Viertel nutzt nur wenige Programme gezielt, weitere 15 Prozent schöpfen ihre Möglichkeiten kaum aus. Lediglich 4 Prozent der Entscheider in der Industrie wissen gar nicht, welche Förderungen für sie infrage kommen. Im Baugewerbe schöpfen zwar fast ein Drittel (31 Prozent) die Fördermöglichkeiten gezielt aus, doch mehr als jeder Vierte (26 Prozent) weiß überhaupt nicht, welche Programme infrage kommen – der höchste Wert aller Branchen. In Gesundheit, Bildung und Verwaltung nutzt rund ein Drittel (31 Prozent) die angebotenen Förderungen aktiv. Gleichzeitig fehlt jedem Zehnten jeglicher Überblick über passende Programme. Ob Handel, Gastronomie und Logistik oder hochqualifizierte Dienste wie IKT, Finanzen und Wissenschaft: In beiden Segmenten schöpfen nur 28 Prozent die Förderprogramme umfassend aus. Auffällig hoch ist die Unkenntnis über Förderoptionen (12–18 Prozent). Landwirtschaft, Kultur, Unterhaltung und persönliche Dienstleistungen bleiben beim Thema Fördermittel besonders schwach. Nur 26 Prozent kennen und nutzen ihre Möglichkeiten, während 18 Prozent keinerlei Orientierung haben.

Hilfe durch KI?

Insbesondere das Thema „Nachweispflichten“ bereitet den Unternehmen Kopfzerbrechen.(Bild:  EPSA Deutschland)
Insbesondere das Thema „Nachweispflichten“ bereitet den Unternehmen Kopfzerbrechen.
(Bild: EPSA Deutschland)

Bei EPSA Deutschland verdient man Geld mit Fördermittelberatung. Konkurrenz durch KI hält sich deren Einschätzung nach in Grenzen. So heißt es aus dem Unternehmen: „ChatGPT kann erklären, was ein Förderprogramm leistet. Welche Kosten eines konkreten Vorhabens tatsächlich förderfähig sind und in welcher Höhe, lässt sich so nicht beurteilen.“ Gerade bei komplexen Programmen wie der steuerlichen Forschungszulage seien Erfahrung, Struktur und rechtssichere Abgrenzung entscheidend. Gefragt seien systematische Prüfungen und Praxiserfahrung „von der Förderfähigkeit nach dem Forschungszulagengesetz (FZulG), AGVO oder De-minimis-Verordnung bis hin zur klaren Trennung förderfähiger und nicht förderfähiger Aufwände.“ Ein Antrag sei mehr als ein Formular, denn er muss Anforderungen erfüllen und überzeugen. KI liefert nach Darstellung der Fördermittelberater lediglich Textbausteine, „aber führt keine Gespräche und reagiert nicht auf Rückfragen“.

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