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Das deutsche Bildungssystem, Teil 1: Rahmenbedingungen Föderales Bildungssystem in Deutschland – Chance oder Problem?

Redakteur: Jürgen Paukner

Den IT-Systemhäusern öffnet sich ein neuer Markt im Bildungsbereich. Doch wer entscheidet hier über Investitionen und wie kommt man an Aufträge?

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Im Bildungsbereich eröffnet sich ein bedeutender Markt für IT-Systemhäuser.
Im Bildungsbereich eröffnet sich ein bedeutender Markt für IT-Systemhäuser.
( Bild: Kurhan - Fotolia.com )

„In einer wissensbasierten Gesellschaft tragen Bildungsausgaben zum Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit der Volkswirtschaft, zur Sicherung der Humanressourcen und zur gesellschaftlichen Teilhabe der Individuen bei. Der Stellenwert von Bildung lässt sich auch daran ablesen, wie viel für Bildung in Relation zur Wirtschaftskraft aufgewendet wird. Dies wird mit dem Indikator Anteil der Bildungsausgaben am Bruttoinlandsprodukt (BIP) gemessen.“ So steht es im „Bildungsfinanzbericht 2010“ des Statistischen Bundesamtes – und dem ist eigentlich von inhaltlicher Seite nichts hinzuzufügen. Doch die Zahlen sprechen eine andere Sprache. Die „Bildungsrepublik Deutschland“ hinkt im internationalen Vergleich hinterher. 2006 gaben im EU-weiten Durchschnitt die Mitgliedsländer 5,1 Prozent des BIP für öffentliche Bildungsausgaben aus. Deutschland belegte mit 4,4 Prozent Platz 22 der 27 Mitgliedsländer (Quelle: Eurostat, 2009).

Ähnlich ernüchternde Zahlen findet man, wenn es um die Nutzung neuer Medien und die IT-Ausstattung deutscher Schulen geht. Die im Februar dieses Jahres veröffentlichte „Bildungsstudie: Digitale Medien in der Schule“ der Initiative D21 kommt zu dem Ergebnis: „Zwar verfügen 89,5 Prozent der Schulen bereits über Computer, allerdings steht in nur 7,5 Prozent der Fälle tatsächlich jedem Schüler im Klassenzimmer ein PC, Notebook oder Netbook zur Verfügung.“

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Woran liegt das? Viele Stimmen sagen, dass das hochkomplexe föderale Bildungssystem in Deutschland Verursacher der Misere ist.

Kulturhoheit der Länder

Das Gebiet der Bundesrepublik Deutschland war einst ein Fleckenteppich souveräner Einzelstaaten. Diese historische Besonderheit spiegelt sich auch heute noch im Föderalismus wider: Die Bundesländer beharren in bestimmten Politikbereichen auf ihrer Unabhängigkeit gegenüber dem Bund. So ist im Grundgesetz die „Kulturhoheit der Länder“ festgeschrieben, die die Bildungs- und Schulpolitik betrifft. Beim Bund verbleiben nur bestimmte Rahmenkompetenzen, die vor allem im Hochschulbereich und in der Berufsausbildung liegen.

Die Länder sind für die Durchführung, Aufsicht und Gestaltung des Schulwesens zuständig. Um hier ein bildungspolitisches Chaos zu verhindern, wurde die „Ständige Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland“ (kurz Kultusministerkonferenz bzw. KMK) ins Leben gerufen, die für eine gewisse Einheitlichkeit des Bildungswesens sorgen soll.

Einig ist man sich zum Beispiel bei den Ländern und beim Bund, dass der Unterricht mit digitalen Medien und moderner IT zeitgemäß durchgeführt werden soll. Doch der Weg von politischen Willenserklärungen zu konkreten Finanzmitteln ist bekanntlich lang und steinig.

weiter mit: Aufbau des deutschen Bildungssystems

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