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Florian Buzin: New Kid on the Block

| Autor / Redakteur: Folker Lück / Lisa Jasmin Nieberle

Spaß gehört für den Informatiker von Anfang an mit dazu.
Spaß gehört für den Informatiker von Anfang an mit dazu. (Bild: Starface)

Er ist Gründer und Mitinhaber des Kommunikationsanbieters Starface und mag es, wenn es schnell vorwärts geht. Doch zuerst musste Florian Buzin lernen, dass es manchmal nichts nützt, wenn man viel flinker ist als andere.

Am Anfang steht ein Pleitefall: Als Informatik-Student hat Florian Buzin einen spannenden Job bei einer Karlsruher Web-Agentur gefunden. Hier angestellt, kann er hervorragend erste Erfahrungen sammeln und ist maßgeblich an der Entwicklung eines Web-Content-Management-Systems beteiligt. Doch 2003 muss der Betrieb Insolvenz anmelden. „Diese Erfahrung hat mich geprägt“, betont er. „Innovativ sein ist wichtig, aber man muss immer die Geschäftszahlen im Blick behalten und schnell reagieren, wenn es darauf ankommt.“ Seine Geschäftszahlen nicht zu kennen, diesen Fehler will Buzin bei seinem Unternehmen Vertico Software nicht machen. Das gelingt ihm bis heute. Wenngleich aus Vertico – zur Gründung gedacht als „Multi-Product-Company“ – recht zügig eine One-Product-Company namens Starface wurde.

„Wir waren die ‚New Kids on the Block‘“

Buzin musste außerdem lernen, dass der Markt nicht immer so reagiert, wie man es sich vorstellt: Der Informatiker entwickelt eine Unternehmens-Software, mit der man telefonieren kann. Besser gesagt: Eine Hosted-PBX, konzipiert als reines Cloud-Produkt. Doch was heute gefragt ist, droht im Jahr 2005 zum Flop zu werden: „Die Kunden wollten das einfach nicht.“ Deshalb kauft er Server von Dell und IBM und bietet die Lösung als Bundle aus Hard- und Software an. Doch auch damit kommt das Geschäft nicht richtig in Schwung. „Die Kunden haben uns letztendlich gezwungen, Hardware selbst zu bauen“, sagt der Entwickler. Um mit eigener Hard- und Software aus einem Guss aufwarten zu können, benötigt Starface Investorengelder. Ein ehemaliger SAP-Manager unterstützt das Jungunternehmen, und so steigen bei Starface Venture-Kapitalgeber ein. Doch selbst mit gesicherter 10-Millionen-Finanzierung muss Buzin zurückstecken: „Wir waren im Telekommunikationsmarkt die ‚New Kids on the Block‘“. Man könnte auch sagen: Greenhorns! Klare Erkenntnis: Die Branche hat mit rasanten Software-Entwicklungszyklen nichts am Hut. So verzeichnet Starface Erfolge mit ISDN-Telefonanlagen, die man an die Wand schrauben kann – obwohl die IP-Zukunft längst fertig in den Startlöchern steht. „Bis heute machen On-Premises-Systeme den Löwenanteil unseres Absatzes aus“, räumt Buzin ein. „Zum Glück“, sagt er, „löste die Deutsche Telekom mit ihrer All-IP-Ankündigung den Innovationsstau in der Branche auf.“

Heute läuft das Geschäft

Von 2016 auf 2017 steigerte Starface den Umsatz um satte 31 Prozent. Auch 2018 wird der Zuwachs eine vergleichbare Größenordnung erreichen. Der Vertrieb erfolgt über die rund 1.200 Partner in der DACH-Region. Zum jährlichen Starface-Kongress reisen gerne rund 600 Partner an. Worin liegt der große Zuspruch begründet? Buzin sieht das so: „Man muss immer nah dran sein“. Damit meint er, dass man trotz Erfolg niemals auf den Erfolgsthron klettern sollte. Man muss sich ständig mit Mitarbeitern und Partnern austauschen – niemals die Bodenständigkeit aufgeben. Und: „Spaß gehört selbstverständlich dazu“. Deshalb ist er mehrmals im Jahr auf Partner-Incentives mit dabei, macht eine Rock’n’Stroll-Tour durch Dublin oder rast im Speedboat von Malta zur Nachbarinsel Gozo.

Überhaupt: Geschwindigkeit!

Mit 28 machte er den Pilotenschein – seitdem genießt er die Fliegerei, um vom Berufsalltag abzuschalten. Der Job seines Vaters führte dazu, dass die Familie elf Mal umzieht. Für zwei Jahre ging es einmal ans andere Ende der Welt, nach Neuseeland. Abitur machte Buzin in München, den Zivildienst in Bochum. Jetzt ist er schon seit 20 Jahren in Karlsruhe ansässig, ist verheiratet und hat zwei Kinder. Bald wird er 40, und seit 2017 ist er gemeinsam mit Geschäftspartnerin Barbara Mauve wieder Allein-Inhaber des Traditionsunternehmens Starface. „Inhaber eines Traditionsunternehmens? Meine Güte, das hört sich jetzt aber echt alt an“, sagt Buzin und lacht.

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