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Fiducia begeistert Junge für den Mainframe

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Elfenbeintürme und Anarchie

Kein Wunder also, dass weder Hersteller noch Hochschulen oder Anwenderunternehmen Know-how in die aussterbende IT-Spezies investieren wollten. Zugleich galten die alten Herren der Großrechner als Eminenzen in Elfenbeintürmen, die wenig gemein hatten mit der Turnschuhfraktion der Client-Server-Anarchos.

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Noch vor 15 Jahren hat Großrechner-Computing geheißen: 15 Leute in einem Kämmerlein und alles spielt sich auf dem Mainframe ab, selbst das Netz“, berichtet Roland Trauner, IBM Mainframe Platform Brand Manager & IBM System z Academic Initiative Leader Germany (siehe: Bild 5).

Eine Ausbildung war, als Süss und Hauser mit den Mainframes Bekanntschaft machten, allerdings ebenfalls etwas ganz anderes als heute. „Die Kollegen im Rechenzentrum trugen weiße oder blaue Kittel. Ich durfte nicht einmal die Tastatur ohne Erlaubnis berühren“, erinnert sich Hauser.

Krasser Wandel

Generell war Mainframe-Computing Hardware-zentriert: „Wir sind ganz eng mit der Hardware aufgewachsen“, formuliert es Trauner. „Allein um die Tapes im Keller zu putzen und Endlosdrucker zu pflegen, waren in meiner Ausbildung glatt einmal sechs Monate eingeplant“, ergänzt Trauner die Erinnerungen an die damalige Ausbildungskultur. „Noch in den 80ern hat man nachts die Datensicherung gemacht, um die Bänder morgens in einen LKW zu verladen.“

IBM-704-Großrechner (rechts) mit Bandlaufwerk (links) aus den späten 1950ern
IBM-704-Großrechner (rechts) mit Bandlaufwerk (links) aus den späten 1950ern
(Bild: Wikipedia)

Außerdem gibt es einige Berufe im Mainframe-Umfeld schon gar nicht mehr, den „Master Terminal Operator“ (MTO) zum Beispiel. Auch zeigt den tiefen Wandel, der sich seither vollzogen hat.

Doch das Jahr 2000 sollte der Plattform endgültig den Garaus machen, beziehungsweise die in den meisten Großrechnerprogrammen harte, zweistellige Codierung der Jahreszahlen – ein „00“ oder „01“ waren in den Codes zumeist einfach nicht vorgesehen.

Tatsächlich waren hohe Anstrengungen und Investitionen notwendig, um die Systeme über den Jahrtausendwechsel zu bekommen. Als Spaghetti-Code wurden Cobol-Programme bezeichnet, als unförmige Monolithen die Plattformen.

IBM unter Druck

IBM geriet insbesondere wegen der Geschlossenheit der Systeme massiv unter Druck, die die Tools teuer machten und Anpassungen schwierig. Der Besuch einer Benutzerkonferenz war für Uneingeweihte ein Besuch auf einem anderen Stern, auf dem sich ausschließlich alte Herren in einer Geheimsprache unterhielten.

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Hauser und Süss berichten heute, dass sie seit rund zehn Jahren eine Öffnung der Plattform beobachten. „Heute setzt IBM Requests um, die wir schon vor 20 Jahren in der Benutzervereinigung Guide Share Europe (GSE) formuliert hatten. Jetzt wird der Mainframe zum Multiplattform-System.“

Dennoch haben die Mainframer bei Fiducia die gravierenden Änderungen nicht als Bruch wahrgenommen. Zu sehr war das Team mit Änderungen, Anpassungen, Anforderungen beschäftigt. Doch nun, nach dem Überspringen mehrere Ausbildungsgenerationen kommen junge Leute ins Team, denen jeglicher Erfahrung mit Großrechnern und auch die Ehrfurcht vor dem Mainframe fehlt. Geht das gut?

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