Studie von HP Software Entscheidungsträger setzen in Projekten auf Termintreue statt Qualität

Redakteur: Katrin Hofmann

Drohen bei IT-Projekten Verspätungen, reagieren zahlreiche Verantwortliche mit der Reduzierung des ursprünglich angepeilten Qualitätslevels. Laut einer Studie von HP Software sehen demnach die Entscheidungsträger auch die Qualitätsverbesserung als ihre wichtigste Aufgabe für die kommenden Monate an. Serviceorientierte Architekturen (SOA) spielen dabei eine wichtige Rolle.

Firmen zum Thema

( Archiv: Vogel Business Media )

Kompromisse bei IT-Projekten, seien es zeitliche, finanzielle oder qualitative, gefährden das Business, ist Peter Prestele, Deutschland-Chef der HP-Softwaresparte, überzeugt. Denn die IT unterstütze heute faktisch alle wesentlichen Geschäftsprozesse.

Einschnitte bei IT-Projekten sind laut den Ergebnissen der Umfrage jedoch keine Seltenheit. So gibt es bei der Geschwindigkeit der Umsetzung große Defizite. Nur rund 20 Prozent der deutschen IT-Entscheider gaben an, dass bei ihnen jedes Projekt termingerecht gelauncht wird. Elf Prozent haben noch nie erlebt, dass irgendein Service pünktlich in Betrieb genommen wurde. Bei knapp 40 Prozent werden bis zu drei Viertel der Vorhaben verspätet fertig.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 8 Bildern

Doch die Termintreue gilt mehr als 70 Prozent der Befragten als zentraler Erfolgsfaktor, um den Profit anzukurbeln. Die Folgen von Verspätungen sind geschäftkritisch: Verzögerte Produkteinführungen verbunden mit Umsatzverringerungen sind die häufigsten Konsequenzen aus der Unpünktlichkeit. Daneben hatten die Studienteilnehmer erlebt, dass Arbeitplätze abgebaut, Firmenfusionen beeinträchtigt wurden oder das Markenimage litt.

Qualität leidet

Um möglichst zeitnah zu starten, werden deshalb bei der angepeilten Qualität häufig Einschnitte gemacht. Knapp 80 Prozent legen bei Zeitnot die Latte für die Zielerreichung tiefer oder reduzieren den Projektumfang. Deutlich weniger stocken Personal auf (44 Prozent) oder erhöhen gar das Budget (17 Prozent) für die noch anstehenden Aufgaben.

Die Schuld für die zeitlichen Diskrepanzen sehen die CIOs, IT-Direktoren und -Entscheidungsträger in erster Linie bei internen Abläufen. Kurzfristige Änderungen der Geschäftsprioritäten bezeichneten fast die Hälfte (48 Prozent) als ursächlich. Auch die mangelnde Koordination zwischen IT- und Business-Managern bremst Projekte demnach signifikant: 45 Prozent haben dies erlebt. Daneben stufen sie eine mögliche Überlastung der IT-Abteilungen oder das Outsourcing der Arbeit als Hindernisse ein.

Hilfsmittel SOA

Um »IT und Business enger zu verzahnen» – so ein Teil der Frage nach eingesetzten Managementmethoden und Techniken – nutzen 52 Prozent serviceorientierte Architekturen (SOA). Solche stärker an den Geschäftsprozessen ausgerichtete Infrastrukturen, bei denen Business-Services modular zur Verfügung gestellt werden, wecken also offenbar die Hoffnung, schneller auf geänderte Anforderungen reagieren zu können. Ebenfalls in diesem Zusammenhang relevant für die Firmen ist Business-Service-Management (BSM), das 49 Prozent einsetzen, um Konvergenz herzustellen. BSM-Lösungen verbinden die business-fokussierten IT-Services mit der Infrastruktur. Qualitätsmanagement ist 44 Prozent wichtig. Anforderungsmanagement betreiben ebenso viele Firmen, um bessere Ergebnisse zu erzielen. Stärker im Fokus als die Lenkung der Infrastrukturen (15 Prozent) steht zudem das Management der zur Verfügung gestellten IT-Services (27 Prozent).

Diese Ergebnisse legen den Schluss nahe legt, dass Ausgaben für IT oder Beratung künftig vermehrt vor einem geschäftlichen Hintergrund statt unter bloßer Kosten- oder Technikbetrachtung getroffen werden, denn durch die stärkere Verzahnung von Business und IT könnten Zeitfenster geöffnet werden.

IT-Prioritäten

Dennoch – trotz oder gerade wegen des Beschleunigungs-Drangs, den die Ergebnisse der Studie verdeutlicht – wiegt bei den Kunden die Qualität der eingesetzten Infrastrukturen und Software schwer. Die Prioritäten der Projektverantwortlichen für die kommenden zwölf Monate spiegeln diesen doppelten Anspruch wider: Für 44 Prozent hat eine qualitative Verbesserung höchste Wichtigkeit. Erst danach folgt mit 33 Prozent die flinkere Abwicklung. Auf ebenso offene Ohren bei den Entscheidern stoßen Argumente für Technik, die explizit Umsatzwachstum ermöglichen kann. 32 Prozent der Befragten zeigen Interesse für solche Soft- und Hardwareprodukte. Zunehmend rückt außerdem der konkrete geschäftliche Wertbeitrag der IT ins Zentrum (24 Prozent der Nennungen). Security-Lösungen für Daten spielen für 21 Prozent eine entscheidende Rolle.

Für Hersteller bedeuteten die Ergebnisse unter anderem, dass sie IT weniger als reinen Kostenfaktor, sondern stärker als Teil des Geschäfts begreifen müssten, resümiert HP-Software-Chef Peter Prestele.

Für die Studie »IT at the Speed of Business«, die Economist Intelligence Unit (EIU) im Auftrag von HP Software durchgeführt hat, wurden weltweit 1125 IT-Verantwortliche aus Firmen mit mehr als 500 Millionen US-Dollar Jahresumsatz branchenübergreifend befragt. 110 davon stammten aus Deutschland.

Artikelfiles und Artikellinks

(ID:2005525)