It's a match! Die passende KI für sich finden

Von Alexander Siegert 11 min Lesedauer

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Von smarten Chatbots, die den Kundendienst revolutionieren, bis hin zu Automatisierungen, die Arbeitsabläufe effizienter gestalten – KI ist zweifellos die neue Liebe der IT-Welt. Der Channel fungiert bei der großen Auswahl an Modellen und Anwendungsfällen als Wingman, um den perfekten KI-Partner zu finden.

KI kann ein wahrer Helfer sein und Arbeitsabläufe effizienter gestalten. Man muss nur das passende Modell finden. (Bild:  mariof - stock.adobe.com / KI-generiert)
KI kann ein wahrer Helfer sein und Arbeitsabläufe effizienter gestalten. Man muss nur das passende Modell finden.
(Bild: mariof - stock.adobe.com / KI-generiert)

Die weltweiten Umsätze mit Künstlicher Intelligenz steigen. Laut den Statista Market Insights wird der Umsatz 2025 rund 227 Milliarden Euro erreichen. Ein Wachstum von knapp 30 Prozent bis 2030 wird prognostiziert. Doch KI ist mehr als nur ein cooles neues Gadget, mit dem sich Produkte besser und schneller vermarkten lassen. Sie kann ein wahrer Helfer sein, mit dem es sich lohnt, eine langfristige Bindung einzugehen, wenn der konkrete Nutzen ersichtlich wird.

Der weltweite Umsatz mit Künstlicher Intelligenz steigt laut den Statista Market Insights stetig. (Bild:  Statista)
Der weltweite Umsatz mit Künstlicher Intelligenz steigt laut den Statista Market Insights stetig.
(Bild: Statista)

In fast jeder Branche zu finden

Einsatzmöglichkeiten von KI im Unternehmenskontext gibt es zahlreiche. Da wäre beispielsweise KI, die Kunden-Feedbacks auswertet und kategorisiert, oder Personen in Video-Streams zählt, um so Besucherströme in der Tourismusbranche intelligent lenken zu können. Weit verbreitet ist der Einsatz von KI bereits in der verarbeitenden Industrie. In diesem Fall übernimmt sie die Organisation der Produktionsprozesse, passt die Maschineneinstellungen optimal an und sorgt für deren korrekte Konfiguration. Mithilfe von Kameras überwacht sie zudem kontinuierlich die Qualität der gefertigten Produkte. Auch in der Laborindustrie wird Künstliche Intelligenz schon lange zur Erforschung neuer Rezepturen genutzt. Weiter gibt es die automatisierte E-Mail-Beantwortung, welche Anfragen priorisiert, kategorisiert oder teilweise sogar direkt beantworten kann. Der Einsatz von KI ist also sinnvoll, „bei Prozessen, die personalintensiv sind und bei denen große Datenmengen verarbeitet werden. Dazu zählt etwa das Sichten von Dokumenten als wiederkehrender Prozess“, erklärt Mathias Bescherer, Geschäftsführer von Arrow Deutschland. All diese KI-Anwendungen können Zeit, Aufwand und folglich Kosten einsparen. „Sie können Prozesse beschleunigen oder auf Basis der Analyse umfangreicher Daten Handlungsempfehlungen aussprechen. Zudem können sie dazu beitragen, die Sicherheit zu erhöhen“. Es ist entscheidend, mit KI dort anzusetzen, wo der Schuh drückt. Auch der Fachkräftemangel spielt daher eine Rolle. „Viele Aufgaben sind kein blinder Prozess, sondern erfordern Intelligenz, die eine KI liefern kann. In Zeiten des Fachkräftemangels ein wichtiger Aspekt“, so Bescherer.

Sinan Tankaz, Director Digital Solutions and AI, bei Cancom
„Wir verkaufen unsere KI-Lösungen nicht Out-of-the-Box, sondern beraten unsere Kunden von der ersten Idee bis zur Operationalisierung der KI-Technologie.“

Bildquelle: Cancom

Schneller, besser, intelligenter

Auch UCC-Anbieter wie Enreach oder Starface haben sich Gedanken dazu gemacht, wie sich KI sinnvoll in diesen Bereich einbinden lässt. Mit sogenannten Voicebots können beispielsweise Tischreservierungen in Restaurants oder Terminvereinbarungen für Autoinspektionen automatisch erledigt werden. Die Bots können den 24/7-Kundenservice für Routineaufgaben oder Anfragen übernehmen. KI ermöglicht zudem Voicemail-Transkription und mehrsprachige Echtzeitkommunikation dank Live-Übersetzungsfunktionen, die bei Gesprächen mit Partnern aus dem Ausland, von Vorteil sein können. „Der größte Vorteil ist dabei, dass eigentlich jeder KI nutzen kann. Man muss nicht mehr programmieren, sondern kommuniziert einfach in natürlicher Sprache mit der Künstlichen Intelligenz“, sagt Oliver Gürtler, Leiter des Mittelstandsgeschäfts bei Microsoft Deutschland. Es stelle sich daher nicht die Frage, ob man KI nutzen möchte, sondern wann. Denn Aufgaben können dadurch nicht nur schneller, sondern laut Gürtler auch „schlauer, besser, origineller – und zwar auf allen Ebenen“ erledigt werden. Dass KI besonders dem Mittelstand in Deutschland einen großen Schub geben wird, davon ist Gürtler überzeugt. „Aber anders als bei vorherigen Innovationen sehen wir den Nutzen unmittelbar, bereits in Monaten und nicht erst in Jahren, denn KI ist jetzt schon unglaublich vielseitig“, weiß er. Künstliche Intelligenz werde jede Branche, jeden Bereich auf irgendeine Art und Weise zumindest berühren. „Nur eins wird in allen Fällen gleich sein: Die Menschen müssen immer die Kontrolle haben und selbst entscheiden. Das ist unabdingbar und die KI kann ihnen das nicht abnehmen“, betont Gürtler. Mit seinen Lösungen wolle Microsoft die KI-Nutzung unkompliziert halten, „damit möglichst viele Menschen das volle Potenzial dieser Technologie aktiv nutzen können“.

KI aus dem Labor

Künstliche Intelligenz gräbt sich immer weiter in unsere Prozesse ein. Mittlerweile wurden sogar Labore speziell für KI geschaffen, sogenannte AI-Labs. Solche AI Co-Innovation Labs betreibt unter anderem Microsoft in Redmond, San Francisco, München, Shanghai, Kobe und Montevideo. Kunden und Partner haben dort die Möglichkeit gemeinsam mit dem Hersteller neue Lösungen für Künstliche Intelligenz, Automatisierung oder Robotik zu entwickeln. Ebenso können Prototypen gebaut und die Lösungen getestet werden. Anmeldungen sind unter https://aiotlabs.microsoft.com/en möglich. Auch Arrow hat in Schweden ein AI-Lab für den europäischen Channel eingerichtet. Vor Ort wird KI-Expertise aufgebaut. Im Fokus steht zum einen die zugrundeliegende Infrastruktur, aber auch Use Cases oder Wissensaustausch mit Herstellern und Partnern sowie die Identifikation neuer Möglichkeiten.

Konkrete Lösungsbeispiele aus dem Hause Microsoft: Copilots, Microsoft 365 über Microsoft Teams, Azure, Power Platform und Xbox bis zum Microsoft Defender und dem Github Copilot. Zusätzlich können Unternehmen mit dem Azure-KI-Portfolio eigene KI-Dienste in der Cloud entwickeln und offerieren. Der Azure-Modellkatalog umfasst zudem mehr als 1.600 KI-Modelle, darunter auch von anderen Unternehmen wie OpenAI, Mistral AI, Meta, Cohere, Databricks oder Snowflake. Man hat also die Qual der KI-Wahl.Kunden haben die Möglichkeit, das für sie passende Modell zu finden. Zur weiteren Unterstützung in diesem Segment bieten der Hersteller und seine Partner KI-Trainings, zur Bewertung solcher KI-Modelle und zu optimalen Nutzung sowie weitere kostenlose Kurse.

Die große Modellvielfalt kann durchaus überfordern, bietet aber auch die Möglichkeit, die optimale Lösung für das eigene Unternehmen zu finden. „Wir arbeiten auch direkt mit vielen Kunden zusammen, um sie dabei zu unterstützen, die KI auf ihre individuellen Bedürfnisse zuzuschneiden. Das ist besonders für Mittelständler sehr vorteilhaft“, ergänzt Gürtler. Essenziell sei dabei, die richtige KI-Kultur in Unternehmen zu schaffen, damit Mitarbeitende aus allen Bereichen den Umgang mit KI erlernen und sie täglich nutzen können. Die Chemie soll schließlich stimmen.

Volles Potenzial ausschöpfen

Um wahrlich einen Nutzen aus KI zu ziehen, müssen Partner Anwendungen hinsichtlich der Anforderung des Endkunden simulieren und modellieren können, weiß Bescherer von Arrow. Unterstützung erhalten sie dabei vom Distributor selbst durch Value Added Services kombiniert mit Portfolio-Lösungen. Partner würden individuell betreut und könnten „unter Einbeziehung einer Kosten-/Nutzen-Analyse die richtigen Ansätze finden“. Diese Kosten-/Nutzen-Analyse erachtet Bescherer als essenziell – „vor allem die Betrachtung der zugrunde liegenden Infrastruktur. Hat ein Kunde ein modernes Rechenzentrum auf Basis neuester Technologien, verhält sich der Fall anders als IT-Infrastruktur, die erst noch modernisiert werden muss“.

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KI zählt noch immer als neue Technologie, insbesondere im Mittelstand und es sind noch Lernprozesse erforderlich. Doch Gürtler ist überzeugt, „dass KI schneller einen hohen Nutzen bringt als viele andere Innovationen“. Eine eigene Umfrage für den Work Trend Index bestätigt diese Annahme. Demnach wurden 70 Prozent der Anwender durch Copilot für Microsoft 365 produktiver in ihrem Tun. „Und 68 Prozent berichteten, dass sich ihre Arbeitsqualität verbesserte und kreative Prozesse sich beschleunigten“, führt Gürtler aus. Er rät, mit der Technologie zu experimentieren, um den meisten Nutzen daraus zu ziehen. Microsoft unterstützt hier zum Beispiel mit passenden Prompt-Vorschlägen, sobald eine entsprechende Lösung geöffnet wird. Das fördere den Lerneffekt der Nutzer.

Oliver Gürtler, Leiter des Mittelstandsgeschäfts bei Microsoft Deutschland
„Anders als bei vorherigen Innovationen sehen wir den Nutzen unmittelbar, bereits in Monaten und nicht erst in Jahren.“

Bildquelle: Microsoft

Das richtige Modell finden

Beim Cloud Provider Ionos hat man sich ebenfalls dazu entschlossen eine eigene KI-Plattform bereitzustellen. Der AI Model Hub setzt auf die KI-Modelle Llama, Mistral und Stable Diffusion. „Die Llama-Modelle von Meta sind besonders relevant für Hosting-Dienste, da sie erstklassige Leistung bei optimierter Ressourcennutzung bieten“, erklärt Patrick Schaudel, Head of Product bei Ionos. Mistral-Modelle böten hohe Leistung und Vielseitigkeit, wodurch sie sich gut für Echtzeitanwendungen wie den Kundensupport eignen. Stable Diffusion hingegen ist ein Text-zu-Bild-Modell, das besonders für kreative Aufgaben oder die Erstellung Marketingmaterial nützlich ist. Ionos hostet diese Modelle und gibt Nutzern die Möglichkeit, das für sie passende Modell auszuwählen. Großen Wert wird beim AI Model Hub auf Digitale Souveränität gelegt. Die KI-Modelle und Kundendaten werden in Europa gemäß der DSGVO gehostet, sodass Kunden die volle Kontrolle über ihre Daten behalten. Es bietet Entwicklern granulare Zugriffskontrolle, regelmäßige Sicherheitsupdates, automatisierte Backups und kontinuierliche Überwachung, um Sicherheitsvorfälle frühzeitig zu erkennen und zu beheben. Die Daten werden laut Ionos nicht für weitere Trainingszwecke verwendet, was Transparenz und Vertrauen fördern soll. „Der AI Model Hub bietet zentralen Zugang zu vortrainierten Modellen, was zu schnellerem Prototyping und Testing der Anwendungen führt. Dadurch werden Innovationen gefördert, da Entwickler ohne großen Aufwand verschiedene KI-Funktionalitäten per API in ihre bestehenden Systeme integrieren können“, sagt Schaudel über den Hub. Auch wenn viele Unternehmen von den hohen Investitionskosten der Technologie abgeschreckt sind, sei es der richtige Schritt, denn „KI-Technologien führen langfristig zu erheblichen Kosteneinsparungen dank der gestiegenen Effizienz und Automatisierung“, ist sich Schaudel sicher.

Mathias von Bescherer, Geschäftsführer bei Arrow Enterprise Computing Solutions Deutschland
„Viele Aufgaben sind kein blinder Prozess, sondern erfordern Intelligenz, die eine KI liefern kann.“

Bildquelle: Arrow ECS

Die eigenen Stärken gekonnt nutzen

Um eine KI-Strategie erfolgreich umzusetzen, sind mehrere wichtige Prozessschritte erforderlich. Diese reichen von der Entwicklung der Strategie bis zur kontinuierlichen Überwachung und Verwaltung der KI-Modelle, um deren Leistung zu bewerten und auf mögliche Abweichungen in den Produktionsdaten zu reagieren. Diese vielfältigen Aufgaben erstrecken sich über zahlreiche Abteilungen und involvieren verschiedene Interessensgruppen innerhalb des Unternehmens. Da ist neben Teamwork auch eine Menge Beratung gefragt. Channel-Partner müssen hier ihre Beratungsstärke ausspielen und die nötige Überzeugungsarbeit für die Anwendungsfälle von KI in Unternehmen leisten. Auch IT-Dienstleister wie Cancom wollen dafür sorgen, die fehlenden Puzzleteile zusammenzubringen, damit ein profitabler Use Case entsteht: „Besonders prominent sind derzeit Large-Language-Modelle beziehungsweise Foundation-Modelle, welche auch hinter bekannten Chatbots wie ChatGPT stecken. Diese Modelle integrieren wir in die Enterprise Suite sowie in die bestehenden Prozesse. Besonders wichtig ist dabei natürlich, dass die bestehenden Datenquellen unserer Kunden sicher angebunden werden. Die KI muss bei ihren Einschätzungen und Entscheidungen schließlich auf den internen Wissensbestand aufbauen können und dabei gleichzeitig Datensicherheit und Ergebnisqualität gewährleisten“, erklärt Sinan Tankaz vom IT-Dienstleister Cancom. Sein Team berät und begleitet Kunden von der ersten Idee hin zur Operationalisierung. Ist der Use Case erstmal definiert, wird mithilfe von Partnern wie Nvidia, Microsoft, AWS oder IBM eine maßgeschneiderte Infrastruktur für den KI-Einsatz aufgebaut. Besonders stolz ist man bei Cancom auf die eigenen Data Scientists und AI-Architekten, die dann die tatsächliche KI entwickeln und bauen.

Patrick Schaudel, Head of Product, bei Ionos
„Es ist wichtig, dass die Kontrolle und Verantwortlichkeit über kritische KI-Systeme gewahrt wird und nicht in die falschen Hände gerät.“

Bildquelle: Ionos

Auswirkungen des AI Act

In Zukunft wird bei der KI-Entwicklung die Einhaltung des AI Act wichtig sein. Der Rat der EU hat nach 6 Jahren Arbeit sein Gesetz zur Regulierung der Künstlichen Intelligenz im Mai 2024 verabschiedet. Es gilt für Anbieter von KI-Systemen, die auf dem europäischen Markt angeboten werden, sowie für Importeure, Händler oder Betreiber. Bei der Einstufung von KI-Systemen verfolgt der AI Act einen risikobasierten Ansatz. Betroffene, ob mit hohem oder niedrigem Risikoniveau, sollten gegenüber den Vorgaben und Fristen gewappnet sein.

Arrow-Chef Bescherer rät ebenfalls, sich früh mit dem AI Act auseinanderzusetzen: „Auch wenn der AI Act noch am Anfang steht, so müssen alle Marktteilnehmer, Distributoren, Partner und Endkunden, die Regelungen auf dem Schirm haben und aktuell auch die Übergangsfristen kennen.“ Microsoft begrüßt das KI-Gesetz. Der Hersteller habe selbst schon früh eigene Prinzipien für KI eingeführt, diese auch regelmäßig prüfen lassen: „Der AI Act ermöglicht die Entwicklung von vertrauenswürdiger KI, fördert ihre Akzeptanz und unterstützt dadurch Innovation und Wettbewerbsfähigkeit“, erklärt Gürtler. Auch bei Cancom sieht man den AI Act positiv: „Damit ist gewährleistet, dass kein Qualitätsdumping zulasten der Bürger erfolgt. Als Cancom Gruppe, die seit fast 10 Jahren KI entwickelt, haben wir die meisten Teile der Regulierung schon in früheren Jahren im Rahmen unserer ‚Responsible, Trustworthy, Explainable AI‘ in unsere Lösungen integriert“, blickt Tankaz gelassen auf die neuen Vorgaben.

Unternehmen, die Lösungen mit KI nutzen, müssen mit der Inventarisierung der Anwendungen, die KI nutzen, beginnen und sie anschließend anhand der vier Risikokategorien einordnen. Die Einhaltung der AI-Verordnung sollte intern während der gesamten Entwicklungsprozesse durch ein Gremium mit Experten, die über die entsprechenden KI-Fachkenntnisse verfügen, begleitet werden. Wichtig ist, dass alle verantwortlichen Stakeholder an einen Tisch geholt werden, um auf die beginnende Anwendung des AI Act im Jahr 2026 vorbereitet zu sein.

Ob der AI Act sich zu einem wirksamen Instrument für Rechtssicherheit oder zu einem Papiertiger entwickeln wird, ist noch unklar. Vieles wird von der nationalen Umsetzung des Gesetzes abhängen. Der AI-Act versucht, Innovation zu fördern, ohne Menschenrechte und Sicherheit zu gefährden. Ein Spagat, der nicht leicht zu vollziehen ist. Dafür braucht es Strukturen und Verantwortlichkeiten. Die IHK München und Oberbayern fordert beispielsweise die Benennung einer nationalen KI-Behörde. Das Learning kann man aus dem Chaos der DSGVO mitnehmen, bei der jedes Bundesland seine eigene Aufsichtsbehörde erhalten hat. Zumindest auf EU-Ebene gibt es mit dem Europäischen Amt für Künstliche Intelligenz (AI Office) bereits eine Stelle, an die man sich bei Fragen zur Regulierung wenden kann. Einige fürchten, dass sich der AI Act zu einer Innovationsbremse entwickelt. Stattdessen ist es ratsam, einen kühlen Kopf zu bewahren und gemeinsam mit Partnern gezielt auf neue Vorschriften einzugehen sowie die Chancen der KI zu nutzen. Denn mit der Panik vor Bürokratie ist es wie beim Dating: Wer ständig Angst vor dem nächsten Formular hat, verpasst die besten Matches.

Kommentar

von Alexander Siegert

AI Act: Regulierung mit Fragezeichen

Der AI-Act soll für lang geforderte Rechtssicherheit bei KI-Anwendungen in Europa sorgen. Sein risikobasierter Ansatz und die Einteilung der KI-Anwendungen in die jeweiligen Risikokategorien lassen noch viel Raum für Interpretationen. Was ist mit Inhalten, die das Urheberrecht betreffen? In beiden Fragen gehen die Meinungen der Juristen auseinander. Dann wäre da noch der wachsende bürokratische Aufwand. Dieser muss gering gehalten werden, damit Europa zu den Mitbewerbern aus den USA und China nicht den Anschluss verliert. Viele Unternehmen, die sich auf dem Gebiet der KI versuchen, sind Startups, deren Rechtsabteilungen traditionell eher dünn oder nicht vorhanden sind. Sie benötigen Hilfestellungen beim Umgang mit der neuen Regulierung. Ein zentraler Ansprechpartner auf nationaler Ebene würde die Angst vor Rechtsverstößen und Geldbußen (35 Millionen Euro, 7 % des globalen Umsatzes) deutlich mildern.

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