Günstiges konjunkturelles Umfeld Die drei großen Systemhäuser legen kräftig zu

Redakteur: Michael Hase

Die drei führenden Systemhäuser Bechtle, Cancom und Computacenter sind in den ersten sechs Monaten des Jahres in Deutschland zweistellig gewachsen. Dabei zog das Geschäft im zweiten Quartal spürbar an. Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung und einem günstigen konjunkturellen Umfeld blicken die Unternehmen optimistisch auf das zweite Halbjahr.

Anbieter zum Thema

Die Berliner Geschäftsstelle von Computacenter hat ihren Sitz im Ullsteinhaus in Tempelhof. Der IT-Dienstleister steigerte den Umsatz in Deutschland im ersten Halbjahr um 14,1 Prozent auf 731 Millionen Euro.
Die Berliner Geschäftsstelle von Computacenter hat ihren Sitz im Ullsteinhaus in Tempelhof. Der IT-Dienstleister steigerte den Umsatz in Deutschland im ersten Halbjahr um 14,1 Prozent auf 731 Millionen Euro.
(Bild: Bernd Arnold / VISUM)

Computacenter bestätigt den Wachstumstrend, der sich bereits bei den anderen beiden großen Systemhäusern Bechtle und Cancom abgezeichnet hat: Der britische IT-Dienstleister, der Ende August seine Geschäftszahlen vorlegte, steigerte den Umsatz in Deutschland im ersten Halbjahr um 14,1 Prozent auf 731 Millionen Euro. Von Januar bis Juni 2014 hatte Computacenter hierzulande Erlöse von knapp 641 Millionen Euro erwirtschaftet. Der operative Gewinn erhöhte sich im Vorjahresvergleich um 22,1 Prozent von 9,5 Millionen auf 10,6 Millionen Euro.

Anfang August hatten die beiden größten Wettbewerber von Computacenter ihre Zahlen veröffentlicht. Demnach erhöhte Bechtle den Umsatz in Deutschland in den ersten sechs Monaten gegenüber dem Vorjahreszeitraum von 799 Millionen Euro auf 880 Millionen Euro. Das entspricht einem Zuwachs von 10,2 Prozent. Beim Betriebsergebnis legte die schwäbische Systemhausgruppe, die etwa zwei Drittel des Umsatzes im Inland erzielt, von 44,5 Millionen auf 49,2 Millionen Euro zu – ein Plus von 10,5 Prozent.

Cancom steigerte die Erlöse In Deutschland im ersten Halbjahr um 14,6 Prozent von 336 Millionen auf 385 Millionen Euro. Das Münchner Systemhaus, das knapp 90 Prozent seines Geschäfts in Deutschland macht, steigerte den operativen Gewinn um 27,7 Prozent von 10,1 Millionen auf 12,9 Millionen Euro. Allerdings sank das Nettoergebnis von Cancom wegen einer Abschreibung von 6,0 Millionen auf 5,6 Millionen Euro (siehe „Ergänzendes zum Thema“).

Starkes Produktgeschäft

Das Umsatzplus stammt bei Computacenter zum überwiegenden Teil aus dem Produktgeschäft, das im ersten Halbjahr um 20,1 Prozent von 398 Millionen auf 478 Millionen Euro zulegte. Nach Auskunft des Unternehmens trugen Netzwerk- und Datacenter-Technologien zu dem starken Wachstum bei. Demgegenüber entwickelte sich das Dienstleistungsgeschäft des Systemhauses, das um 4,4 Prozent auf 254 Millionen Euro anstieg, wesentlich schwächer.

Alles in allem zeigt sich Reiner Louis, Sprecher der Geschäftsführung von Computacenter in Deutschland, mit den Halbjahreszahlen zufrieden. „Nachdem sich der Ausbau strategischer Lösungsangebote wie des Next Generation Service Desk (NGSD) zunehmend auszahlt, erwarten wir auch ein erfolgreiches zweites Halbjahr“, gibt sich der Manager optimistisch. Der NGSD, der auf eine stärkere Automatisierung von IT-Support-Prozessen abzielt, zählt derzeit zu den drei großen Schwerpunktthemen des Unternehmens.

Erwartungen erfüllt

Zuversichtlich blickt man auch bei den Mitbewerbern auf die zweite Jahreshälfte, nachdem die ersten sechs Monate vielversprechend verlaufen sind. „Wir liegen im ersten Halbjahr am oberen Ende des Zielkorridors unserer Erwartungen für das Gesamtjahr 2015“, berichtet Thomas Olemotz, Vorstandsvorsitzender von Bechtle. Den größten Anteil zum Wachstum hat demnach das Segment IT-Systemhaus & Managed Services beigetragen, wo die deutschen Gesellschaften im zweiten Quartal ein Wachstum von 17 Prozent verzeichneten.

Auffallend ist sowohl bei Bechtle als auch bei Cancom, dass das Wachstum, das im ersten Quartal bei beiden im einstelligen Bereich lag (Bechtle: 3,8 Prozent, Cancom: 6,4 Prozent) von April bis Juni spürbar anzog. Vor allem der starke Anstieg des Dollarkurses im ersten Quartal habe „teilweise zu Zurückhaltung bei den Unternehmen in Bezug auf IT-Investitionen geführt“, begründet Klaus Weinmann, Vorstandsvorsitzender von Cancom, diese Entwicklung.

Zur Jahresmitte befinde sich die deutsche Wirtschaft allgemein in einer guten Verfassung und auf einem soliden Wachstumspfad, heißt es im Cancom-Geschäftsbericht zum konjunkturellen Umfeld. Das Wachstum des Systemhauses werde getragen durch das Cloud- und Managed-Services-Geschäft sowie durch damit einhergehende Lösungsthemen wie Mobility und Security. Cancom-Chef Weinmann rechnet damit, dass sich der positive Trend über die kommenden Monate fortsetzen wird: „Die Geschäftsentwicklung zur Jahreshälfte, gestützt von anhaltend positiven konjunkturellen Rahmenbedingungen, sehen wir als gute Ausgangsbasis für unser Wachstumsziel fürs Gesamtjahr.“

(ID:43575175)