Marktlage Desktop-PCs haben es schwer

Redakteur: Christian Träger

Obwohl der Gesamtmarkt der PCs ein solides Wachstum zeigt, verlieren Desktop-PCs weiter an Boden. Gewinner sind in erster Linie Notebooks, die den Desktops schon seit geraumer Zeit den Rang abgelaufen haben.

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Aus dem Büro sind Desktop-PCs noch lange nicht wegzudenken.
Aus dem Büro sind Desktop-PCs noch lange nicht wegzudenken.
( Archiv: Vogel Business Media )

Windows Vista, das seit Ende Januar allgemein erhältlich ist, sollte dem PC-Markt auf die Sprünge helfen. Den erhofften Einfluss hatte das jüngste Microsoft-Betriebssystem zwar nicht, der PC-Markt wächst aber dennoch. Rechner mit Vista werden derzeit nach Ansicht von Gartner vor allem im privaten Bereich und von kleinen Unternehmen gekauft.

Im vierten Quartal 2006 ist IDC zufolge der Gesamtmarkt der PCs in der EMEA-Region dennoch um rund zehn Prozent gewachsen. Markttreiber waren vor allem Notebooks, die ein Wachstum von rund 28 Prozent verzeichnen konnten. Dagegen ist der Verkauf von Desktop-PCs laut IDC nach wie vor rückläufig. Gartner zeichnet für den Absatz dieser Rechner in Deutschland ebenfalls ein düsteres Bild: Während hier im vierten Quartal 2006 Notebooks einen Zuwachs von mehr als 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr aufwiesen, gingen die Verkaufszahlen bei Desktop-Rechnern um knapp acht Prozent zurück.

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Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt die Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik für das gesamte Jahr 2006. Untersucht wurde das Kaufverhalten der privaten Haushalte, das bei Notebooks einen Zuwachs von 17,2 Prozent gegenüber 2005 verzeichnet. Desktop-PCs dagegen verlieren 12,5 Prozent im gleichen Zeitraum. In Stückzahlen bedeutet dies, dass im vergangenen Jahr 2,28 Millionen Notebooks, aber nur 1,45 Millionen Desktop-PCs an Privatkunden verkauft wurden.

Die sinkende Nachfrage bekam nach den Erhebungen von Gartner auch der deutsche Marktführer Fujitsu Siemens Computers zu spüren. Das Unternehmen musste demnach einen Rückgang von fünf Prozent verkraften, bleibt aber sowohl im vierten Quartal als auch im Gesamtjahr 2006 vor der Konkurrenz. Weltweit hat Hewlett-Packard die Nase vorn.

Die Analysten von Gartner erwarten von Windows Vista dennoch einen Schub für den PC-Markt. Dieser soll jedoch erst in der zweiten Jahreshälfte einsetzen und dann vielleicht auch den Desktop-Rechnern ein wenig Rückenwind geben.

Expertenmeinung von Rainer Staudter, Acer

Der Marktanteil von Desktop-PCs lag zuletzt bei 47 Prozent. Dieser Trend wird sich in unseren Augen aber abschwächen. In den Bereichen SOHO und SMB wird die Nachfrage nach Desktop-PCs jedoch konstant bleiben. Der Business-User legt immer mehr Wert auf qualitativ hochwertige Markenprodukte. Dies eröffnet dem qualitätsorientierten Fachhandel neue Chancen. Durch den Einsatz innovativer Technologien werden sich auch neue Formfaktoren durchsetzen.

Expertenmeinung von Thomas Karg, Fujitsu Siemens Computers

Der Markt für Desktop-PC ist hart umkämpft. Dennoch konnten wir 2006 unsere Marktführerschaft bei den Business-PCs ausbauen. Neben der Einbindung in die Unternehmens-IT und dem niedrigen Stromverbrauch der Geräte spielt für die Kunden auch das Design eine immer wichtigere Rolle. Diese Elemente zu vereinen, wie es uns beim Esprimo Q mit seinem exklusiven Design und den Notebook-Komponenten gelungen ist, bildet eine der großen Herausforderungen.

Expertenmeinung von Ingo Gassmann, Hewlett-Packard

Die Entwicklungsmöglichkeiten bei den klassischen Desktops sind begrenzt: Insgesamt verändert sich der PC-Markt eindeutig zu Gunsten der Notebooks. Desktops werden von Unternehmen aber auch durch Remote-Client-Lösungen ersetzt – ein Wachstumssegment, das für den Fachhandel Herausforderung und Chance zugleich darstellt. Deshalb ist Flexibilität gefragt, sowie ein Partner, der in allen relevanten Hardwarebereichen gleichermaßen stark ist und den Fachhändlern die nötige Unterstützung bietet – wie zum Beispiel HP.

Expertenmeinung von Stefan Pieper, Lenovo

In Deutschland wurden im Jahr 2006 immer noch mehr Desktop-PCs als Notebooks verkauft. Diese Rechner machen – wenn auch knapp – den größten Posten des gesamten PC-Markts aus. Wenn man den Analysten glauben kann, wird sich dieses zwar am Ende des Jahres 2007 geändert haben, aber nichts desto trotz handelt es sich immer noch um eine sehr große Zahl von Desktops, die in den nächsten Monaten verkauft werden. Das Geschäft ist für den Fachhandel lukrativ, wenn er die PCs als Teil von IT-Gesamtlösungen verkauft.

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