Deloitte-Studie

Der digitale Zwilling – Willkommen im Alltag

| Autor: Sarah Nollau

Ein Beispiel des digitalen Zwillings ist die virtuelle Probefahrt mit dem neuen Auto, um auch gefährliche Fahrmanöver zu testen.
Ein Beispiel des digitalen Zwillings ist die virtuelle Probefahrt mit dem neuen Auto, um auch gefährliche Fahrmanöver zu testen. (Bild: Pixabay / CC0)

Reale und virtuelle Welt wachsen weiter zusammen. Dank dem Internet of Things können geschäftliche und industrielle Prozesse optimiert werden. Digitale Zwillinge werden in Zukunft auch öfter den Zugang zum Konsumentenalltag haben.

Einen erheblichen Anteil am Digitalisierungs-Prozess hat das Internet der Dinge (IoT). Besonders in der Industrie helfen Virtualisierungen, Vorgänge zu beobachten und zu optimieren. Der digitale Zwilling ist dort längst vorstellig geworden. Eine Studie von Deloitte zeigt, dass sich der Digital Twin in naher Zukunft auch mit dem Endverbraucher genauer bekannt machen wird.

„Ein anschauliches Beispiel für den ganz konkreten Nutzen eines digitalen Zwillings im Alltagsleben der Verbraucher wäre etwa eine virtuelle Probefahrt, wie sie vermutlich schon im kommenden Jahr zum Angebot von Automobilherstellern gehören wird. Hierbei können zukünftig mithilfe eines Digital Twin realistische Fahrmanöver im Grenzbereich simuliert und beispielsweise über Virtual Reality visualisiert werden“, so Milan Sallaba, Partner und Leiter Technology Sector bei Deloitte.

Digitale Mehrwerte

Auch in den Bereichen Smart Home, Connected Car oder im Gesundheitswesen könnten digitale Zwillinge erheblichen Mehrwert schaffen. Sie können Risiken mindern sowie Qualität sichern und sorgen für Effizienz, Transparenz sowie Flexibilität. Im aktuellen Deloitte-Report „Grenzenlos vernetzt – Smarte Digitalisierung durch IoT, Digital Twins und die Supra-Plattform“ kommt man zu dem Schluss, dass es noch einer übergreifenden Plattform sowie einer Standardisierung von Datenformaten bedarf. Nur so könnte das volle Potenzial des Digital Twins ausgeschöpft werden.

Mindestens 20 Milliarden IoT-Endpunkte werden bis 2020 prognostiziert. 4,5 Milliarden davon sollen in Europa positioniert sein. Die Endpunkte könnten die digitalen Zwillinge mit den erforderlichen Daten füttern und sie somit zu Bausteinen der intelligenten Digitalisierung heranziehen. So werden die Digital Twins ebenfalls auf das Gaspedal der Digitalen Transformation treten und den Prozess beschleunigen.

Der Zwilling für Verbraucher

Lebenserhaltende Funktionen für den Zwilling sind Sensoren, Konnektivität, definierte Datenstrukturen und ein User Interface zur Visualisierung relevanter Daten. Damit sind sie bereit für den Einsatz in der vernetzten Welt des IoT. Bereits etabliert sind sie beispielsweise Windkraftanlagen sowie Flugzeugtriebwerken in Zusammenarbeit mit Produktionsrobotern.

Auch Verbraucher-Anwendungen werden im Zuge der Digitalisierung virtuell übersetzt werden, so Deloitte. So zum Beispiel im Falle der Messgeräte für Diabetespatienten, die untereinander vernetzt werden: Betroffene können ihre Blutzuckerwerte im Blick behalten, speichern und virtualisieren, aber auch in Echtzeit an ihren zuständigen Arzt weiterleiten. So kann im Ernstfall schnell gehandelt werden.

Zusammen mit dem digitalen Zwilling soll es zudem es möglich sein, von seinem Heimtrainer aus Wettrennen mit Sportlern in der virtuellen Welt zu fahren. Leistungen werden in Echtzeit ausgewertet. In sogenannten Smart Cities könnte der Verkehr intelligent gesteuert werden. Alles in allem werden so neue Geschäftsmodelle ermöglicht und Nutzungsszenarien grundlegend verändert.

Die Puzzleteile des IoT-Ökosystems

Grundvoraussetzung für den digitalen Mehrwert, den die digitalen Zwillinge mit sich bringen, ist eine allumfassende Vernetzung. Der verlangsamende Faktor ist derzeit das stark fragmentierte IoT-Ökosystem. Einzelanwendungen, geschlossene Plattformen und nicht zugängliche Datenmengen verhindern die Interoperabilität. Auf der Agenda sollte deswegen unbedingt der Aufbau einer übergreifenden, offenen Plattform stehen.

Zwei Kernelemente für die grenzenlose Vernetzung sind entscheidend: zum einen ein Datencontainer zur Speicherung von Informationen in vorgegebenen Formaten. Dieser dient als Schnittstelle zwischen realer und virtueller Welt. Eine Supra-Plattform ist das zweite Kernelement. Die übergreifende Datenmanagement-Ebene sorgt für den End-to-End-Datenaustausch. Sie verwaltet und organisiert sämtliche Schnittstellen.

Große Verantwortung – große Player

Als Verantwortliche für die Schaffung einer solchen Plattform sieht Deloitte vor allem große Player in der Aufgabe wie internationale Telekommunikations-Unternehmen und Technologie-Konzerne – staatliche Organisationen sind ebenfalls gefragt. Auch datenzentrierte Internet-Player spielen eine Schlüsselrolle. Eine derartige „Mammutaufgabe“ erfordere einen breiten industriellen, technischen und politischen Konsens sowie ein hohes Maß an Kompromissbereitschaft. Ein Zusammenschluss Vieler könnte der Schlüssel zum Erfolg sein.

„Ob Smart City, Industrie 4.0 oder Connected Car: Die Aufzählung der möglichen Einsatzgebiete und der komplementären Nutznießer umfasst praktisch Aspekte aller großen Wachstumsfelder der TMT-Industrie. Allein dies unterstreicht die Bedeutung und das Potenzial von IoT im Allgemeinen und von Digital Twins im Besonderen. Von der intelligenten Vernetzung profitieren gleichermaßen Unternehmen, Gesellschaft und der einzelne Konsument“, sagt Sallaba.

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