„In der Kurve überholen“: Investoren und Unternehmen in China beschleunigen die Kommerzialisierung von Mini- und Micro-LEDs. Diese Mal will man bei einer zukunftsträchtigen Technik ganz vorne mitspielen.
Potenzieller Nachfolger: Micro-LED-Monitore könnten der gerade etablierten OLED-Technik Konkurrenz machen. China will bei der jungen Panel-Technik ganz vorne mitmischen.
Die Technologie kommt gerade erst auf den Markt. Sie gilt noch nicht als vollständig ausgereift, selbst Technologievorreiter Apple experimentiert erst relativ kurzer Zeit damit. Doch chinesische Investoren pumpen bereits Milliarden von chinesischen Yuan in neue Fabriken. Die Rede ist von Mini- und Micro-LEDs für die Bildschirme der Zukunft.
LED-Bildschirme werden gerade erst von OLED-Bildschirmen verdrängt, doch die Display-Industrie bereitet sich jetzt schon auf das „Next big thing“ vor, auf den nächsten Technologie-Sprung also. Und diesmal wollen chinesische Hersteller gleich von Anfang an mit dabei sein. Sie wollen keinesfalls wieder die Dominanz einer gesamten Industrie der Konkurrenz in Taiwan oder Südkorea überlassen.
Neue Kooperationen, neue Fertigungsstätten
Sanan Optoelectronics, der führende chinesische Produzent von LED-Chips, hat Mini- und Micro-LEDs zum Mittelpunkt seiner neuen Entwicklungsstrategie gemacht. Er baut in der „Gedian Economic and Technological Development Zone“ im Ort Ezhou, Provinz Hubei, an einem neuen Standort für Forschung, Entwicklung und Herstellung im Wert von 1,2 Milliarden Yuan (rund 160 Millionen Euro).
Zusätzlich hat sich Sanan mit „TCL China Star Optoelectronics“ zusammen getan. Gemeinsam haben beide Parteien eine Investition von 300 Millionen Yuan (rund 39 Mio. Euro) in ein gemeinsames Labor zur Entwicklung Micro-LED-Materialien, Produktionsprozessen und Ausrüstung angekündigt, berichtet das chinesische Halbleiter-Fachportal Dianzi Gongcheng Zhuanji („EET“). Sanan hat schon damit begonnen, Samsung mit Mini-LEDs zu beliefern.
Ausländische Produzenten „in der Kurve überholen“
Auch der chinesische Hersteller Leyard plant, in den kommenden fünf Jahren in einem Joint-Venture mit der taiwanesischen Firma Epistar am Standort Wuxi, Provinz Jiangsu, rund eine Milliarde Yuan (rund 130 Millionen Euro) in die neue Technologie zu investieren.
Eine ganze Gruppe weiterer Produzenten, darunter MTC, HC Semitec, Focus Lightings, Nationstar, Refond, Jufei, Honglitronic, haben kürzlich nennenswerte Mittel in die Forschung & Entwicklung von Mini- und Micro-LED gesteckt oder entsprechende Investitionen angekündigt, berichten chinesische Fachmedien.
Wieder einmal geht es um den in Chinas Technologie-Industrien derzeit heftig diskutierten Versuch, ausländische Produzenten „in der Kurve zu überholen“. Damit ist gemeint, von Anfang an massiv in Zukunftstechnologien zu investieren. Während eine Industrie die Richtung wechselt, um eine neue Technologie zu adaptieren, will man in China wie bei einem Formel-1-Rennen Gas geben und gewissermaßen in der Innenkurve an der Konkurrenz vorbeiziehen.
Besonders kontrastreiche und helle Bildschirme
Bei Mini- und Micro-LEDs handelt es sich um neue Lösungen zur Herstellung besonders kontrastreicher und heller Monitore. Die Mini-LED gilt dabei als Vorgängertechnik der Micro-LED, obwohl es sich eigentlich um verschiedene Ansätze handelt.
Mini-LED sind im Grunde eine weiterentwickelte Form von Hintergrundbeleuchtung für LCD-Bildschirme, nur dass die einzelnen Bauteile besonders klein sind – eben „Mini“. Beispiel iPad Pro: Im neuen Apple-Tablet sind rund 10.000 dieser Mini-LEDs auf einem Bildschirm mit einer Diagonale von 12,9 Zoll (32,8 cm) integriert.
Micro-LED hingegen stehen für eine ganz neue Display-Technik. Die winzigen Leuchtdioden messen nur rund 50 Mikrometer. Sie wirken in einem Bildschirm wie winzige, selbstleuchtende Pixel. Eine Hintergrund-Beleuchtung wird nicht mehr gebraucht. So gesehen sind sie eher mit der OLED-Technologie verwandt.
Beispiel für erfolgreiche Konvergenz
Die Entstehung gerade der letztgenannten Technik ist ein Paradebeispiel für Konvergenz – also das Verschmelzen von einst getrennten, digitalen Techniken zu neuen Anwendungen. In diesem Fall verschmelzen solche aus den Display- und Halbleiterindustrien.
Hier formieren sich deshalb gerade erst völlig neue Lieferketten, denn die Hersteller von Panels und Chips, zum Teil auch die Hersteller von Performance Materials, müssen stärker kooperieren als bisher, um Lösungen für viele der noch nicht überwundenen technologischen Hürden zu finden. Genau das passiert gerade in der Volksrepublik – und zwar mit der dort üblichen hohen Geschwindigkeit.
Großzügige Subventionen für LED-Industrie
Chinas Regierung fördert den Aufbau seiner neuen LED-Industrie mit großzügigen Subventionen, denn die Halbleiter-Boykotte aus Washington haben bei der Partei- und Staatsführung in Peking den starken Wunsch nach Autarkie in allen modernen Industriebereichen entfacht. „Die Halbleiterindustrie ist eine neue, aufstrebende und strategische Industrie unseres Landes, und Micro-LED sind eine neue Generation von Halbleitern für die Bildschirmtechnik“, schrieb kürzlich die parteinahe Zeitung China Daily.
Stand: 08.12.2025
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Neben den oben erwähnten Chip-Herstellern steigen gerade auch chinesische Display-Produzenten im großen Stil in dieses Feld ein. TCL, dessen Tochterunternehmen TCL China Star Optoelectronics sich wie erwähnt mit Sanan zusammengetan hat, steigt ebenso groß ein wie sein Konkurrent BOE.
Beide Panel-Hersteller sind nicht mehr mit ihrer bisherigen Rolle zufrieden, sondern versuchen, mit großen Investitionen „upstream” zu gehen, kaufen beispielsweise Produzenten von Performance-Materialien auf oder erstehen hochmoderne Fertigungsanlagen von Samsung in China für die Produktion von Halbleiter-Display-Produkten, um sich weiter oben im Markt positionieren zu können.
Neue Industrie mit guten Wachstumschancen
Die Wachstumschancen der neuen Industrie, die sich da gerade in China formiert, sind groß. Schon bis zum Jahr 2024 soll die Herstellung von Mini- und Micro-LEDs weltweit Einnahmen von bis zu 4,2 Milliarden US-Dollar (rund 3,6 Milliarden Euro) generieren, sagt Trendforce voraus.
Das ist der marktwirtschaftliche Grund, warum die neue Technologie momentan bei chinesischen Investoren so beliebt ist – abgesehen von den bereits genannten politischen Gründen.
In den vergangenen zwei Jahren sind in der Volksrepublik schon 39,1 Milliarden Yuan (rund 5 Mrd. Euro) in mindestens 14 große Projekte im Bereich Mini- und Micro-LED investiert worden, schreibt EET Asia unter Berufung auf Daten von Trendforce. Und die Chinesen legen gerade erst los.
Dieser Beitrag stammt von unserem Partnerportal Elektronikpraxis.
* Henrik Bork ist Analyst bei Asia Waypoint, einem auf den chinesischen Markt fokussierten Beratungsunternehmen in Peking.