Mit dem nahenden Winter beginnt erneut die Diskussion zwischen Verfechtern der Homeoffice-Pflicht und Anhängern der Büro-Anwesenheit. Doch in vielen Fällen sollte aus dem „entweder – oder“ ein „sowohl – als auch“ werden. Denn schließlich lassen sich beide Möglichkeiten zu einem Hybrid-Work-Ansatz verbinden.
Homeoffice ist hier um zu bleiben – doch viele Unternehmen tun sich immer noch schwer mit der neuen Freiheit ihrer Mitarbeiter. Und will man die Belegschaft zumindest teil- oder zeitweise ins Büro zurücklocken, sind originelle Konzepte gefragt!
Unternehmen sollten bei einer Diskussion zum Für und Wider von Hybrid Work berücksichtigen, dass es sich heute dabei nicht mehr um eine primär technische, sondern vor allem eine organisatorische Herausforderung handelt. Denn Hybrid Work erfordert eine neue Führungskultur: Vertrauen statt Kontrolle und die Bereitstellung von flexiblen Arbeitsmodellen.
In Deutschland hapert es noch bei dieser Umstellung. Denn viele Unternehmen fordern ihre Belegschaft auf, wieder zurück ins Büro zu kommen, oder schreiben es sogar vor. Doch Vorsicht: Mit solchen rigorosen Anweisungen gefährden sie ihre Unternehmenskultur und schrecken Talente oder sogar langjährige Mitarbeitende ab. So gibt es derzeit selbst bei namhaften IT-Firmen im Silicon Valley größere Kündigungswellen, weil sie ihre Belegschaft wieder ins Büro ordern.
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Mitarbeitende wünschen sich Homeoffice
Die Meinungslage der Mitarbeitenden in Deutschland ist ebenfalls eindeutig: Mehr als drei Viertel wollen mindestens einen Tag in der Woche im Homeoffice sein, ein Fünftel sogar komplett von zu Hause aus arbeiten. Lediglich 16 Prozent möchten wieder gänzlich ins Büro zurückkehren. Das ergab eine Studie von Civey und Cisco aus dem März 2022, damals noch unter den erschwerten Bedingungen der Pandemie.
Inzwischen sind die geeigneten Technologien, IT-Sicherheit und Arbeitsprozesse für Hybrid Work stabil etabliert. Entsprechend zeigen sich die Vorteile von Hybrid Work in der Praxis. Gemäß einer Umfrage von Cisco und MIT Sloan Management Review erhöht die freie Wahl des Arbeitsorts das Engagement und Wohlbefinden der Mitarbeitenden. Das sagen mehr als zwei Drittel der weltweit befragten Teilnehmer. 59 Prozent glauben daher, dass die Wahl des Arbeitsortes frei und nicht vorgegeben sein sollte.
Zudem erkennen über 90 Prozent durch Hybrid Work eine Verbesserung der Unternehmenskultur. Führungskräfte leben dabei Inklusivität und Fairness vor. Laut 83 Prozent der Befragten stärken sie das allgemeine Zugehörigkeitsgefühl. 80 Prozent sagen, dass ihre Vorgesetzten immer oder häufig ehrliches und offenes Feedback fördern. Und knapp drei Viertel der ManagerInnen verteilen wichtige Aufgaben an alle und nicht nur wenige Mitarbeitende.
Büro muss Innovation fördern – nicht Kontrolle
Für die Mitarbeiterbindung sind damit Führungsqualität und Unternehmenskultur viel wichtiger als der Arbeitsort. So betrachtet die Belegschaft das Büro heute als einen Ort für optimales Teamwork und Innovation – und nicht um gesehen zu werden. Zu den wichtigsten Vorteilen des Office gehören dabei stärkere Kreativität und Zusammenarbeit sowie das Erlernen und Entwickeln neuer Fähigkeiten.
In den letzten beiden Jahren hat sich außerdem herausgestellt, dass sich die allermeisten Aufgaben auch im Homeoffice erledigen lassen. Oft ist hier sogar eine bessere Konzentration und damit eine höhere Effizienz möglich als im Großraumbüro. Aufgrund dieser Erfahrungen ist die Mehrheit der ArbeitnehmerInnen beim Thema „Return to Office“ recht skeptisch. Daher sollten sich Unternehmen gut überlegen, ob sie diese Forderung wirklich stellen möchten. Jedenfalls sollten sie das nicht ohne guten und nachvollziehbaren Grund tun.
Gute Gründe für das Büro
Natürlich spricht auch einiges für das Büro. Zum Beispiel gelingen die Kreation, Planung und Strukturierung eines Projekts häufig nur gemeinsam in einem realen Raum wirklich gut. Neben dem häufig genannten Flurfunk profitieren Mitarbeitende auch von zufällig aufgeschnapptem Input sowie spontanen Brainstormings zu dringend aufkommenden Themen. Das konzentrierte Abarbeiten der besprochenen Punkte oder gezielte Nachfragen bei Experten kann dann oft besser im Homeoffice erfolgen.
Diese Beispiele zeigen, dass in vielen Fällen eine Mischung aus Büro und Homeoffice je nach Situation und Erfordernis ideal ist. In aller Regel können Mitarbeitende dabei selbst am besten entscheiden, wo und wie sie ihre Aufgaben am besten erledigen können. Für bestimmte Tätigkeiten oder Meetings kann sie das Unternehmen aber auch ins Büro holen. Doch hierfür sollte es die Gründe dafür erklären sowie gleichzeitig Arbeits- und Kommunikationsmöglichkeiten bieten, die zu Hause nicht zur Verfügung stehen.
Stand: 08.12.2025
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Aufgrund der neuen Konkurrenzsituation mit dem Homeoffice müssen Unternehmen deutlich bessere Arbeitserlebnisse im Büro ermöglichen. Dies gilt insbesondere für Teamwork und kreativen Austausch. Das bestätigen auch die Erkenntnisse aus der Cisco Webex Experience Tour in diesem Sommer. In bundesweit sechs Städten präsentierte sie innovative Lösungen für verteiltes Arbeiten. Sämtliche Hardware und Software, inklusive autarker Strom- und Internetversorgung, war dabei nur eine Armlänge entfernt in einem speziell umgebauten Wohnwagen installiert.
Neue Lösungen nötig
In den Gesprächen zeigte sich, dass Unternehmen auf Basis intelligenter Netzwerke geeignete Umgebungen für neue Formen der Zusammenarbeit schaffen müssen. Beispielsweise sollten sie ihre Räume und Flächen so umgestalten, dass sich die Menschen zwanglos treffen und Informationen austauschen können. Dabei ermöglichen aktuelle Lösungen einen spontanen Zugriff auf Informationsportale, Umfragen oder digitale Lernangebote. Gerade gezielte Trainings zum Erlernen neuer Skills gelten als wichtiger Grund für die Anwesenheit im Büro.
Eine große Herausforderung in der hybriden Arbeitswelt sind weiterhin Videokonferenzen, die alle Teilnehmenden unabhängig vom Ort gleichwertig einbinden. Häufig kommen je nach Situation die Menschen im Homeoffice, unterwegs oder im Meetingraum kaum zu Wort. Zusätzlich wissen viele Mitarbeitende nicht, wie sie hybride Brainstormings mit virtuellen Whiteboards auf effiziente Weise durchführen können. Auf der Tour standen daher konkrete Anwendungsszenarien zur verbesserten Zusammenarbeit sowie die Optimierung der User Experience im Mittelpunkt. Denn Mitarbeitende können nur mit intuitiv nutzbaren Plattformen für Visual Collaboration und flexiblen Desktop-Lösungen nativ kommunizieren und kreativ arbeiten – unabhängig von ihrem Aufenthaltsort.
Ebenfalls wichtig ist das schnelle Auffinden von KollegInnen und Räumen durch In-Room Navigation. Denn im Zuge von Hot-Desking sitzen die Team-Mitglieder nicht mehr an einem festen Arbeitsplatz. Dabei muss jedoch ein „Zusammenrotten“ auf engstem Raum aufgrund der weiterhin bestehenden Infektionsrisiken vermieden werden. So können aktuelle Technologien auch warnen, wenn sich zu viele Personen in einem kleinen Raum befinden. Zusätzlich überprüfen Sensoren die Luftqualität und öffnen bei Bedarf Fenster oder schalten Luftfilter ein.
Tom Hirschbach-Taddey.
(Bild: Cisco)
Fazit
Hybrid Work gehört die Zukunft. Wer sein Personal wieder häufiger im Office sehen will, muss daher moderne und flexible Lösungen installieren, die Zusammenarbeit, Kreativität und zwanglosen Informationsaustausch wirklich fördern. Nur dann wird das Büro für bestimmte Arbeitsprozesse wieder attraktiver als das Homeoffice und MitarbeiterInnen kehren freiwillig zurück.
Über den Autor
Tom Hirschbach-Taddey ist Leader Collaboration Specialists bei Cisco.