Europa muss schnell auf den KI-Zug aufspringen und seine Investitionen steigern, bevor es zu spät ist, fordert Michael Haas, Regional Vice President Central Europe bei Watchguard im Vorfeld des Service Provider Summit.
Branchengipfel mit Weitblick: Beim Service Provider Summit 2025 wird über die Zukunft der IT-Leistungen diskutiert.
(Bild: Midjourney/ KI-generiert)
Die Uhr tickt: Während Tech-Giganten aus den USA und China Milliarden in Künstliche Intelligenz investieren, zeigt sich Europa zögerlich – dabei ist Handeln jetzt entscheidend. Der Service Provider Summit 2025, der am 15. und 16. Mai 2025 im Steigenberger Grandhotel auf dem Petersberg stattfindet, rückt genau diese Dringlichkeit in den Fokus. Unter dem Motto „Rethink. Reshape. Supercharge.“ kommen führende Köpfe der Branche zusammen, um über die Potenziale von KI, neue Geschäftsmodelle und die Auswirkungen globaler Entwicklungen auf den IT-Sektor zu diskutieren. Michael Haas, Regional Vice President Central Europe bei WatchGuard Technologies führt im Gespräch mit IT-BUSINESS aus, welche Chancen und Risiken KI in der IT-Branche bieten.
IT-BUSINESS: Wie verändert der anhaltende KI-Boom die Geschäftsmodelle von Service Providern, und welche Chancen sowie Risiken ergeben sich daraus für die Branche? Was würde einen sinnvollen KI-Business Case für KMU ihrer Meinung nach auszeichnen?
Haas: KI geht an keinem spurlos vorbei und die Frage lautet eigentlich nur, ob Unternehmen bereits eine KI-Strategie entwickelt und etabliert haben. Für Service Provider – insbesondere im Security-Umfeld – liegen die Vorteile auf der Hand: Richtig eingesetzt, bieten automatisierte und KI-gestützte Prozesse eine enorme Zeit- und somit Kostenersparnis. So nutzt beispielsweise die WatchGuard XDR-Lösung ThreatSync Künstliche Intelligenz, um Bedrohungen zuverlässig zu erkennen und automatisierte Reaktionen zu ermöglichen. Je mehr Informationen dabei zur Verfügung stehen, desto stärker kann die KI ihr Potenzial ausschöpfen: Sie unterstützt nicht nur bei der Kontrolle von Daten, die sich durch die Korrelation von Endpunkt- und Netzwerkereignissen ergeben, sondern bezieht mittlerweile auch eine Vielzahl von Informationen aus anderer Richtung in die Auswertungen ein. Auf diese Weise leistet KI entscheidende Vorarbeit für die Security-Spezialisten aus Fleisch und Blut. Diese müssen weniger Zeilencodes lesen und das Risiko von Fehlern sinkt. Das optimale Zusammenspiel von Mensch und KI sorgt für eine schnellere und fundiertere Einschätzung der Bedrohungslage, was wiederum zur besseren Absicherung von Unternehmensinfrastrukturen beiträgt.
Michael Haas, Regional Vice President Central Europe bei WatchGuard Technologies
(Bild: Watchguard)
Die Automatisierung der Gefahrenabwehr ist sicher ein Paradebeispiel für einen sinnvollen KI-Business Case. Darüber hinaus bietet das Thema Compliance stichhaltige Ansatzpunkte, beispielsweise wenn es darum geht, Reporting-Instrumente für DSGVO, NIS2, DORA und Co. aufzusetzen. Aber auch jenseits konkreter Security-Thematiken ist die Spielfläche von KI bei der Lösung alltäglicher Probleme enorm. Insofern sollte jeder Unternehmensprozess auf den Prüfstand gestellt und hinterfragt werden, wie KI im konkreten Fall Wirkung entfalten kann. Das Ziel ist das Ziel und der Einsatz Künstlicher Intelligenz oftmals ein geeigneter Weg, um Abläufe zu beschleunigen und Personalressourcen zu entlasten. Von KI-gestützten Services, die mit Flexibilität und Skalierbarkeit aufwarten, geht entsprechend viel Attraktivität aus. Ein Cloud-Fundament setzt dabei nicht zuletzt finanzielle Anreize und minimiert die Einstiegshürden, da sich Vorab-Investitionen in Grenzen halten.
IT-BUSINESS: Die europäische IT-Branche steht im Wettbewerb mit investitionsfreudigen Konkurrenten aus den USA und China, insbesondere in den Bereichen Cloud, KI und Cybersecurity. Wie kann es Europa gelingen, nicht den Anschluss zu verlieren?
Haas: Der Handlungsbedarf ist auf jeden Fall offensichtlich. Im internationalen Vergleich steht Europa aktuell nicht besonders gut da. Länder wie die USA, China, aber auch beispielsweise Saudi-Arabien schnüren mittlerweile Billionenpakete, um die KI-Entwicklung voranzubringen und einschlägige Unternehmen zu pushen. Die EU hat es bisher leider versäumt, die entsprechenden Weichen zu stellen. Und je mehr Zeit vergeht, je mehr diskutiert statt gehandelt wird, desto weiter werden wir hier abgehängt. Europa muss so schnell wie möglich auf den rasenden Zug aufspringen – bevor es zu spät ist, denn die Welle ist unaufhaltsam. Dabei ist die Ausgangsposition gar nicht so schlecht: Europa ist immer noch führend in der Entwicklung der Grundlagentechnologie. Was uns fehlt, ist die Risikobereitschaft, diesen Vorsprung in moderne, kaufbare Produkte umzuwandeln. Aber auch hier sehe ich Licht. Meines Erachtens nimmt die Risikobereitschaft zu, daher bleibe ich optimistisch.
IT-BUSINESS: Inwiefern haben Regulierungen wie DORA, NIS2 und der Data Act Ihre Compliance- und Sicherheitsstrategien beeinflusst?
Haas: Compliance ist für uns seit jeher ein wichtiges Thema und alle unsere Lösungen sind darauf ausgerichtet. Im Hinblick auf NIS2 war beispielsweise schnell klar, dass die neuen Vorgaben für einen Großteil der Unternehmen – gerade im KRITIS-Sektor – keine große Veränderung bedeuten. Dennoch machte sich auf Seiten vieler kleiner und mittelständischer Unternehmen Unsicherheit breit. Unterliegt man den Regularien oder nicht, wie gilt das Lieferkettengesetz? Die Klärung dieser Fragen gestaltete sich meist aufwendiger als die eigentliche Umsetzung. Mittlerweile gehören NIS2 und DORA zum Alltag in der Security-Landschaft, unsere Partner sind da gut geschult und kennen das Thema aus dem Effeff, da sie täglich damit zu tun haben. Somit hat sich die Aufregung, zumindest bei den Managed Services Providern, weitgehend gelegt – zumal WatchGuard mit entsprechenden Compliance-Reports und Konfigurationen schnell unterstützen konnte.
Reader's Choice Awards der Service Provider des Jahres 2025
Die 14. Service Provider Awards sind die Bühne für die Champions der Service Provider und IT-Systemhäuser! Wer setzt neue Maßstäbe in der Service-Provider-Branche und definiert Exzellenz neu? Die Abstimmung ist jetzt live – und Deine Stimme zählt! Jetzt mitfiebern, mitentscheiden und eure Favoriten tatkräftig unterstützen! Wer wird am 15. Mai beim Server Provider Summit auf dem Petersberg als strahlender Sieger gefeiert? Wir freuen uns schon jetzt auf eine grandiose Award-Verleihung und die legendäre After Party mit Euch!
IT-BUSINESS: Cloud-Strategien sind ein entscheidender Faktor für digitale Souveränität. Welche Entwicklungen sehen Sie in diesem Bereich, und welche Rolle spielen europäische Anbieter im globalen Wettbewerb?
Haas:Im Hinblick auf die Cloud sehen wir zunehmend eine Verschiebung – weg von der Single-Cloud und hin zu einem Multi-Cloud-Ansatz und Hybrid-Modellen. Schließlich geht es darum, Abhängigkeiten zu vermeiden, mehr Datenkontrolle zu gewinnen und flexibel reagieren zu können. Der Flexibilitätsanspruch zeigt sich dabei auch an anderer Stelle: Wurden früher herkömmliche Technologien in die Cloud gebracht, liegt der Schwerpunkt heute auf der Entwicklung Cloud-nativer Technologien, getreu dem Motto „Born in the Cloud“. Der Mehrwert steht außer Frage: höhere Agilität und deutlich bessere Skalierbarkeit.
Stand: 08.12.2025
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Die dritte wichtige Entwicklung zielt auf die Datensouveränität ab. In der EU gelten hohe Datenschutzstandards, die einen klaren und verlässlichen Rechtsraum für die Entwicklung schaffen. Die Voraussetzungen für erfolgreiche Angebote sind also durchaus gegeben, jedoch darf die mangelnde Investitionsbereitschaft nicht zu Hemmschuh werden. Auch wenn die Dominanz der US-Hyperscaler (AWS, Azure, Google Cloud) uneinholbar scheint: Der Platz für Nischenanbieter ist da – genauso wie das Sprungbrett für europäische Unternehmen, die die Argumente Compliance, Vertrauen und Sicherheit im rechtskonformen Raum auszuspielen wissen, um sich gegenüber den Giganten einen Vorteil zu verschaffen.
Wer den Service Provider Summit 2025 live vor Ort erleben möchte, kann sich ganz einfach hier online anmelden