Geht ihr Ease-of-Use zu Lasten der Sicherheit? Wie sicher ist die eSIM wirklich?

Ein Gastbeitrag von Matthias Hengler 5 min Lesedauer

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Die eSIM-Technologie hat die Art und Weise revolutioniert, wie wir mobile Endgeräte nutzen. Anstelle der physischen SIM-Karten ermöglicht die virtuelle Variante eine nahtlose und flexible Verbindung zu Mobilfunknetzen. Besonders attraktiv ist die einfache Handhabung. Doch geht so viel Komfort zulasten der Sicherheit?

Physischen SIM-Karten haben bei neuen Smartphones immer häufiger ausgedient – aber Achtung: Hacker können auch die eSIM knacken.(Bild:  © Yingyaipumi - stock.adobe.com)
Physischen SIM-Karten haben bei neuen Smartphones immer häufiger ausgedient – aber Achtung: Hacker können auch die eSIM knacken.
(Bild: © Yingyaipumi - stock.adobe.com)

Der Erfolg der neuen Technologie ist unbestreitbar. Mit über 100 Millionen eSIM-Downloads auf privaten Mobilfunkgeräten wurde 2023 ein bedeutender Meilenstein erreicht. Diese beeindruckende Zahl verdeutlicht nicht nur die wachsende Akzeptanz der Technologie, sondern auch die Breite der Anwendungsmöglichkeiten. Alle großen Mobilfunkanbieter weltweit unterstützen mittlerweile die virtuelle Handykarte, was ihren Nutzern ein hohes Maß an Flexibilität bietet. Ein Vorteil der eSIM ist ihre einfache Aktivierung. Statt einer physischen Karte wird ein Profil direkt auf das Gerät heruntergeladen, das sich bei Bedarf leicht ändern lässt, ohne dass eine neue Karte benötigt wird.

Diese Flexibilität macht es besonders einfach, zwischen verschiedenen Netzbetreibern zu wechseln oder mehrere Profile auf einem Gerät zu speichern. Zudem entfällt das Risiko, die SIM-Karte zu verlieren oder zu beschädigen. Für Reisende bietet die eSIM einen besonderen Nutzen: Statt vor Ort eine neue SIM-Karte kaufen zu müssen, lädt man bequem ein lokales Profil herunter und beginnt sofort mit der Kommunikation.

Wie sicher ist die eSIM wirklich?

Während die Technologie viele praktische Vorteile bringt, birgt sie auch potenzielle Sicherheitsrisiken. Eine mögliche Schwachstelle liegt in der Art und Weise, wie eSIM-Profile aktiviert und verwaltet werden. Wenn ein Angreifer in der Lage ist, den Aktivierungscode abzufangen, könnte er theoretisch ein anderes Gerät mit dem Profil aktivieren und auf die Kommunikation des Opfers zugreifen. Auch das Phishing von Aktivierungscodes stellt ein potenzielles Risiko dar, insbesondere wenn der Code per E-Mail oder SMS versendet wird.

Gefahren lauern bei der Profilnutzung

Eine erhebliche Gefahr besteht in der gezielten Manipulation von eSIM-Profilen, dem so genannten SIM-Swapping. Angreifer könnten versuchen, ein Profil zu verändern oder vollständig zu löschen, um den betroffenen Nutzer vom Mobilfunknetz zu trennen. In einer solchen Situation wäre der Nutzer nicht in der Lage, Anrufe zu tätigen oder Nachrichten zu senden.

Sicherheitsmaßnahmen für Nutzer: So bleiben mobile Endgeräte geschützt

Die erste und wichtigste Maßnahme, um die eSIM-Verwendung sicher zu gestalten, ist die regelmäßige Aktualisierung des Betriebssystems und der Sicherheitssoftware des Geräts. Updates schließen bekannte Sicherheitslücken, die von Hackern ausgenutzt werden, um sich Zugang zu den digitalen Profilen der eSIM zu verschaffen. Hersteller veröffentlichen regelmäßig Updates, die Schwachstellen beheben und die Sicherheit erhöhen. Ein automatisches Update-Management hilft dabei, stets auf dem neuesten Stand zu bleiben und keine wichtigen Patches zu verpassen.

Starke Passwörter und sichere Verwaltung

Die Wahl eines komplexen und sicheren Passworts für die Verwaltung der eSIM-Profile ist unerlässlich. Ein sicheres Passwort sollte aus einer Kombination von Groß- und Kleinbuchstaben, Zahlen und Sonderzeichen bestehen und eine Länge von mindestens zwölf Zeichen haben. Zudem sollte das Passwort regelmäßig geändert und nicht für andere Online-Konten verwendet werden, um die Sicherheit weiter zu erhöhen. Falls die Verwaltung der eSIM über eine App oder ein Webinterface erfolgt, ist es ratsam, zusätzliche Sicherheitsfunktionen wie biometrische Authentifizierung (Fingerabdruck oder Gesichtserkennung) zu nutzen, um den Zugang weiter abzusichern.

Vertrauenswürdige Netzbetreiber und sichere Kanäle

Nur die Nutzung von vertrauenswürdigen und renommierten Netzbetreibern kann die Sicherheit der eSIM gewährleisten. Große und etablierte Anbieter investieren in starke Sicherheitsinfrastrukturen, die den Schutz der digitalen SIM-Daten erhöhen. Überdies ist es entscheidend, dass der Erhalt und die Aktivierung der digitalen SIM-Karte über sichere Kommunikationskanäle erfolgen. Verschlüsselte Übertragungen und sichere Webseiten (erkennbar am Kürzel „https“ in der URL) bieten zusätzlichen Schutz vor Abfangen oder Manipulation durch Dritte.

Zwei-Faktor-Authentifizierung als zusätzlicher Schutz

Die Aktivierung der Zwei-Faktor-Authentifizierung (2FA) stellt eine weitere Schutzmaßnahme dar, die unbedingt genutzt werden sollte, sofern verfügbar. Bei 2FA wird neben dem Passwort eine zusätzliche Sicherheitsabfrage benötigt, um Zugang zu sensiblen Daten zu erhalten. Diese zweite Sicherheitsstufe erfolgt in Form eines Einmal-Codes per SMS, einer Authentifizierungs-App oder einer Hardware-Token-Lösung. Auch wenn ein Angreifer das Passwort kompromittiert, wird der Zugang zur digitalen SIM-Karte durch die zweite Authentifizierungsebene verhindert.

Verschlüsselung und sichere Speicherung

Ferner sollte sichergestellt werden, dass alle Daten, die die eSIM betreffen, verschlüsselt gespeichert und übertragen werden. Verschlüsselungstechnologien schützen die Daten sowohl auf dem Gerät als auch während der Übertragung, sodass sie für unbefugte Dritte unlesbar bleiben. Dies ist besonders wichtig, um die Integrität und Vertraulichkeit der Profile zu gewährleisten.

Gehackte eSIM: Wie reagieren Nutzer richtig?

Wer bemerkt, dass seine elektronische SIM gehackt wurde, muss schnell und vor allem mit kühlem Kopf reagieren. Der erste und wichtigste Schritt besteht darin, die betroffene virtuelle SIM-Karte unverzüglich zu deaktivieren. Dies kann entweder über die Einstellungen des Geräts oder durch Kontaktaufnahme mit dem Mobilfunkanbieter erfolgen. Die Deaktivierung verhindert, dass der Angreifer weiterhin Zugriff auf Anrufe, Nachrichten und mobile Daten hat.

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Nutzer sollten danach sofort ihren Mobilfunkanbieter kontaktieren und den Vorfall melden. Der Anbieter kann die betroffene digitale SIM sperren und eine neue bereitstellen. Zudem überwacht der Anbieter die Nutzung des betroffenen Profils bei Bedarf weiter, um unbefugte Aktivitäten zu erkennen.

Passwörter ändern

Alle Passwörter, die mit dem Mobilfunkdienst oder dem Gerät verbunden sind, sollten umgehend geändert werden. Dies umfasst nicht nur das Passwort für den Mobilfunkanbieter, sondern auch die Passwörter für Apps und Online-Dienste, die mit der eSIM verknüpft sind. Ein starkes, einzigartiges Passwort ist entscheidend, um zukünftige Angriffe zu verhindern.

Überwachung der Aktivitäten

Nach einem Angriff ist es wichtig, die Aktivitäten auf dem Gerät und den Konten genau zu überwachen. Nutzer sollten auf ungewöhnliche Anrufe, Nachrichten oder Datenverbrauch achten und auch Bankkonten sowie andere sensible Dienste sollten überwacht werden, um sicherzustellen, dass keine unbefugten Transaktionen stattfinden.

Über den Autor

Matthias Hengler ist Cyber Security Freelancer mit umfangreicher Erfahrung im Schutz digitaler Systeme. Durch jahrelange Praxis in Penetrationstests und Netzwerksicherheit hat er sich als Experte etabliert, der Unternehmen und Privatpersonen zuverlässig gegen aktuelle Bedrohungen absichert.

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