Das IBM-Partner-Ökosystem Wie IT-Infrastruktur, Industrie und der IT-Channel zusammenwachsen

Von Sylvia Lösel

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Die Digitalisierung der Industrie geht nur in einem Partner-Ökosystem. Deshalb hat IBM hier kräftig investiert. Das Zusammenfügen von agilen Hybrid-Cloud-Technologien und Kundenanforderungen sind ein perfektes Betätigungsfeld für den Channel. Und auf diesem liegt der Fokus von Big Blue.

Marco Braun und Vesna Maric, beide Vice President Ecosystem IBM Technology DACH (Bild:  IBM)
Marco Braun und Vesna Maric, beide Vice President Ecosystem IBM Technology DACH
(Bild: IBM)

Vom Mainframe zur Hybrid Cloud. Von proprietären Systemen hin zu agilen Container-Umgebungen. Der Wandel, den IBM durchlaufen hat, steht nicht nur exemplarisch für den der IT-Branche. Er steht ein wenig dafür, wie wir heute Lösungen für die wichtigen Themen dieser Zeit finden, wie Fachkräftemangel, Nachhaltigkeit und Energiewirtschaft. Denn diese lassen sich nicht mit starren Lösungen beantworten und schon gar nicht alleine. Deshalb ist die Zusammenarbeit verschiedener Interessensgruppen heute ein absolutes Muss und etwas, das auch Big Blue erkannt hat. Oder wie Marco Braun, Vice President Ecosystem IBM Technology DACH, es formuliert: „Wir erleben im Markt eine Konvergenz der Geschäftsmodelle. Ob ein Partner nun unsere Technologie bei Kunden einsetzt oder sie in eigene Lösungen integriert, oder ob er eigene Services darum baut. All das wollen wir unterstützen.“

Türe zur Partnerlandschaft steht weit offen

Der Fokus des Unternehmens, das es unter diesem Namen seit 1924 gibt und das mit Produkten wie Lochkarten, Waagen und Uhren groß wurde, liegt heute auf Hybrid Cloud und KI. Mit diesem Fokus habe man die Türe zur Partnerlandschaft weit aufgestoßen, sagt Braun. Und seine Kollegin Vesna Maric, ebenfalls Vice President Ecosystem IBM Technology DACH, ergänzt: „Die Abspaltung von Kyndryl hat dazu geführt, dass die Bereitschaft von Systemintegratoren mit uns zu sprechen, sehr viel größer geworden ist.“ Kyndryl entstand im September 2021 aus der Abspaltung eines großen Teils der bisherigen IBM. Das Unternehmen beschäftigt sich mit dem Betrieb von IT-Infrastruktur wie Netzwerken, Großrechnern, Datenspeichern, PCs oder Rechenzentren.

Gemeinsam Mehrwert für Kunden schaffen

Es gehe darum, gemeinsam zu überlegen, wie man den größten Mehrwert für Kunden schaffe. „Es ist eine heterogene Landschaft. Die Kunst liegt darin, das geschickt zusammenzubringen“, präzisiert Maric. Denn die Herausforderungen, denen Unternehmen bei der Digitalisierung begegnen, sind komplex.

Die Partner sollen einen deutlich höheren Stellenwert einnehmen. Wir wollen unser Partnernetzwerk expandieren.

Marco Braun, IBM

Auf technologischer Seite stellt IBM den Partnern einerseits die Infrastruktur, dann die Cloud-Plattform Red Hat-Open-Shift und die einzelnen Cloud Paks als paketierte Softwarelösungen für hybride Cloud-Umgebungen zur Verfügung. „Wir haben die gesamte Middleware containerisiert“, sagt Braun. Das helfe bei der zügigen und agilen Umsetzung von Digitalisierungsprojekten. Dort sei wegen des Fachkräftemangels vor allem Automatisierung das Gebot der Stunde – sowohl von IT als auch von Geschäftsprozessen. Um schnell agieren zu können, hat Big Blue im vergangenen Jahr kräftig zugekauft. Im Automation-Sektor zum Beispiel Turbonomic (Application Resource Management) und Instana (Observability), denn dort gehe „im Moment die Post ab“.

Durch Akquisitionen gut positioniert

Aber auch bei Security und Nachhaltigkeit hat sich das Unternehmen durch Zukäufe positioniert. „Was die Pandemie für die Digitalisierung war, sind die geopolitische Situation und die Klimakrise für Security und Nachhaltigkeit. Hier steigt die Nachfrage durch „exogene Faktoren“. Nachhaltigkeit stehe bei vier von fünf CEOs ganz oben auf der Agenda, befinde sich aber bei der Umsetzung noch am Beginn. „Da sehen wir einen großen Markt, und den wollen wir mit unserem Portfolio auch adressieren.“ Zudem habe man im vergangenen Jahr stark in die Partner investiert. Sowohl hinsichtlich technischer Expertise, als auch in eine Wissensplattform und ins Client Engineering. Bei letzterem geht es darum, gemeinsam mit Partnern und Kunden Technologien zu erproben, um zügig ein Proof of Concept zu erstellen und in die Umsetzung zu gehen. Braun: „Die Partner sollen einen deutlich größeren Stellenwert einnehmen. Wir wollen unser Partnernetzwerk expandieren.“

Es geht nur gemeinsam

Dabei sei es meist der Anwendungsfall, der das Thema treibt und die einzelnen Experten zusammenbringt. Greifbar wird das am Beispiel des autonomen Fahrens. Hier benötige man einen Partner mit dem Automotive-Fokus. Ein IT-Partner müsse dann die Sensorik einbinden und die Daten auswertbar machen. Dafür brauche man KI. Zudem ist Storage-Expertise vonnöten, weil Daten gesichert werden müssen und manche auch schnell abrufbar sein müssen. „Nur ein Ökosystem an Experten kann diese vielfältigen Aufgaben lösen“, ist Braun überzeugt. Einer davon ist Cancom. Werner Schwarz, dort Vice President Corporate Strategy & Innovation: „Wir verstehen die Automobil-Branche genauso wie die Maschinenbauer an der Produktionslinie und übersetzen deren Anforderungen dann in IT-Technologie.“

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„Im klassischen Maschinenbau ist trotz erster Anwendungsszenarien noch Überzeugungsarbeit nötig, welchen Vorteil diese neuen Technologien bringen“, gibt Bernd Kremer, COO Industrial Solutions bei der German Edge Cloud, zu bedenken. „IBM ist dem Markt immer ein paar Jahre voraus, wie beispielsweise beim Energiesparen. Da hatten sie schon vor 10 Jahren Use Cases. Heute sind wir froh, dass es diese gibt“, argumentiert Michael Görner, Vice President Advanced Solutions DACH bei TD Synnex, einem der drei Distributoren mit denen IBM in Deutschland zusammenarbeitet (die weiteren sind Also und Ingram Micro). TD Synnex hat ein Team von über 100 IBM-Experten und könne sowohl sämtliche Verticals als auch die unterschiedlichsten Partner in Bezug auf Größe und Betriebsmodell bedienen.

OT und IT: ein riesiger Markt

„In der Fertigung kommt gerade ein unglaublicher Beschleunigungsfaktor dazu. Dort wird man getrieben von Sicherheit und Energieverbrauch. Diese Themen kommen jetzt“, ist auch Oliver Parpat, Director IBM & Red Hat bei Cancom, überzeugt.

Woran es fehle, ergänzt Schwarz, sei die Kommunikation zwischen der OT- und der IT-Abteilung. In Zeiten von Ressourcenmangel und Business Needs sei es aber dringend nötig, diese beiden Dinge zusammenzubringen. „Der Bedarf wäre absolut da.“

Dem stimmt Braun zu. Denn vielen Unternehmern sei inzwischen klar, dass Technologien „Enabler“ sind. Energieeinsparungen können durch Technologien ermöglicht, Lieferketten transparenter gemacht werden, nennt er zwei Beispiele. „Solche Druckpunkte sorgen dafür, dass Innovation sprunghaft steigt.“ Und Schwarz ergänzt: „Wir schätzen es, wenn Hersteller komplexe Technologie-Anforderungen einfach machen. Etwa indem es schlüsselfertige Hyperconverged-Lösungen gebe, die es Kunden ermöglichen, agil und schnell zu sein, ohne zwingend in die Public Cloud zu müssen.“ Denn Technologie zu kaufen und zu installieren sei das Eine. „Sie effizient, sicher und nachhaltig zu betreiben, das andere.“ Mit XaaS decke Cancom das alles ab. Denn Unternehmen hätten oft gar nicht mehr das Personal dafür.

Technologische Vorteile nutzen

Einen weiteren wichtigen Punkt aus Sicht der Unternehmen nennt Kremer: „Ein Produktions-Spezialist wird nie sein Kernwissen mit anderen Unternehmen teilen, die es in eigene Produkte integrieren wollen. Aber er braucht eine Möglichkeit, dass er in einer gekapselten Umgebung eigene Lösungen agil entwickeln kann. Da müssen wir hin. Ein Maschinenbauer wird die Vorteile von Technologien wie Red Hat OpenShift nutzen, weil er damit in der Lage ist, solche eigenen Lösungen für sich zu entwickeln.“ Die Intellectual Property bleibe damit beim Unternehmen, „und wir unterstützen durch Containerisation, Cloud-Technologien und Cloud Paks“, fasst Braun zusammen.

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