Künstliche Intelligenz Wie ChatGPT die Bildschirmarbeit verändern wird

Von Dr. Stefan Riedl 3 min Lesedauer

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Alle reden von ChatGPT, dem KI-Tool von OpenAI. Microsoft investiert Milliarden, um der Google-Suchmaschine den Rang abzulaufen. Bildschirmarbeit ändert sich. Ein KI-Experte ordnet ein, wie stark der Einfluss auf die Arbeitswelt und die Rolle klassischer Suchmaschinen künftig sein wird.

Welche Auswirkungen werden KI-Tools auf das berufliche Tagesgeschäft von Bildschirmarbeitern haben?(Bild:  Atchariya - stock.adobe.com)
Welche Auswirkungen werden KI-Tools auf das berufliche Tagesgeschäft von Bildschirmarbeitern haben?
(Bild: Atchariya - stock.adobe.com)

Den Turing-Test hat ChatGPT bestanden, sagt KI-Experte Prof. Dr. Peter Gentsch, Vorsitzender der AI Foundation und zwar „nachweislich mehrere Male“. Und der geht so: Ein menschlicher Fragesteller soll über eine Tastatur und einen Bildschirm, also ohne direkten Sicht- oder Hörkontakt, eine Unterhaltung mit zwei ihm unbekannten Gesprächspartnern führen.

Alan Turing, theoretischer Informatiker aus Großbritannien, stellte 1950 den Turing-Test vor, der die Denkfähigkeit von KIs bewertet.

Einer davon ist ein Mensch, der andere die zu testende Maschine mit unterstelltem Denkvermögen. Kann eine gewisse Anzahl an Fragestellern nicht klar benennen, welcher von beiden die Maschine ist, hat die KI dahinter den Turing-Test bestanden. Inzwischen wird heiß debattiert, was mit dem Test nun eigentlich bewiesen ist, denn „­Bewusstsein“ wird es nicht sein.

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Das Tagesgeschäft von Bildschirmarbeitern

Prof. Dr. Peter Gentsch, Vorsitzender, AI Foundation(Bild:  Peter Gentsch)
Prof. Dr. Peter Gentsch, Vorsitzender, AI Foundation
(Bild: Peter Gentsch)

Praxisrelevanter ist die Frage, welche Auswirkungen ChatGPT auf das Tagesgeschäft von Bildschirmarbeitern haben wird. Hier schlägt ChatGPT große Wellen: Wer sich mit dem KI-Tool beschäftigt, weiß schnell, warum. Anfragen wie „Schreibe mir eine Einladung zu einer Kundenveranstaltung“, angereichert mit ein paar Eckdaten, führen zu erstaunlich guten Ergebnissen. Und Programmierer können sich Code-Segmente erstellen lassen. „Die Stärke von ChatGPT ist klar die automatische Generierung multimodaler Inhalte wie Text, Bild, Ton oder Video“, sagt Gentsch. Jedoch sei das sogenannte „Prompt Engineering“, also der initiale Input, mit dem man die Sprachmodelle füttert, sehr wichtig. „Hier benötigt man Erfahrung, um den jeweils besten Prompt zu generieren, da das Ergebnis je nach Prompt sehr unterschiedlich sein kann“, so der KI Experte.

ChatGPT wird viele heutiger Routineaufgaben übernehmen: Beantwortung von Kundenanliegen im Customer Service, Erstellung von Dokumenten im Legal Department, SEO-Optimierung im Digital Marketing oder die Erstellung von Produktbeschreibungen im E-Commerce.

Prof. Dr. Peter Gentsch, Vorsitzender, AI Foundation

Rollenverschiebung bei Routinearbeiten

ChatGPT wird nach Ansicht von Gentsch „viele heutiger Routineaufgaben übernehmen“, beispielsweise das Beantworten von Kunden-Anliegen im Customer Service, Dokumenten im Legal Department erstellen, SEO-Optimierung im Digital Marketing oder Produktbeschreibungen im E-Commerce verfassen. „Damit verschieben sich Rollen und Aufgaben zunehmend zu höherwertigen, kreativen und strategischen Tätigkeiten“, ordnet Gentsch ein.

ChatGPT und noch aufkommende Konkurrenzprodukte werden aber auch das Programmierumfeld grundlegend verändern und beispielsweise den Programmierprozess mittels generierter Software-Codes automatisieren und verkürzen. „ChatGPT kann dem Entwickler helfen, schneller und besser zu programmieren und als Werkzeug zur Fehlerbehebung und zum Problemlösungsprozess dienen“, so der KI-Profi.

ChatGPT versus klassische Suchmaschinentechnologie

Bei den Suchmaschinen ist Google vom Marktanteil her, gemessen an den Such­anfragen, praktisch marktbeherrschend. Mit Investitionen in ChatGPT erhofft sich Microsoft praktisch einen „Gamechanger“. Prof. Gentsch grenzt ChatGPT von der Google-Suchmaschine ab: „Die Stärke von Sprachmodellen ist nicht unbedingt, belastbare Quellen zu liefern, sondern im jeweiligen Kontext, Antworten zu generieren. Letztlich muss sich der Anwender auf die gegebene Antwort verlassen, ohne dafür hinreichende Qualitätsindikatoren angezeigt zu bekommen. Wenn Qualität und Belastbarkeit eines Anliegens besonders wichtig sind, werden Sprachmodelle allein nicht ausreichen.“ Das jeweilige Ziel sei entscheidend: Für Transaktionen suchen Konsumenten Produkte und Dienstleistungen, bei Navigationen geht es beispielsweise um Preis- oder Ortsrecherche. Hier ist die klassische Suche klar überlegen. Bei Informationssuchen haben Modelle wie ChatGPT einen Vorteil, indem sie Erklärungen und Antworten geben, ohne dass sich der Anwender mühsam durch Ergebnislisten klic­ken muss.

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