Nachdem seit Mitte Juli in Deutschland die WLAN-Nutzung im 6-Gigahertz-Bereich freigegeben ist, lässt sich auch hierzulande der neue Standard Wi-Fi 6E nutzen. Doch für einen bestmöglichen Einsatz müssen bei der Entwicklung oder Aufrüstung eines WLANs mehrere wichtige Aspekte berücksichtigt werden.
Der neue WLAN-Standard Wi-Fi 6E verspricht enorme Leistungszuwächse – die allerdings bereits bei der Upgrade-Planung beachtet werden müssen.
Ein zentraler und wichtiger Schritt bei der Einführung von Wi-Fi 6E und des 6-GHz-Bandes ist das Aufrüsten bzw. der Einsatz neuer Access Points (APs). Gleichzeitig spielen jedoch insbesondere die individuellen Gegebenheiten vor Ort eine gewichtige Rolle – einschließlich der Verkabelung, der vorhandenen Edge-Switches, der Stromversorgung und der präferierten Nutzflächen.
Neue Access Points für Wi-Fi 6E
Um Wi-Fi 6E nutzen zu können, müssen zuerst die älteren APs gegen neue Modelle, die das 6-GHz-Band unterstützen, ausgetauscht werden – denn das neue Frequenzband ist so breit, dass es nicht als Erweiterung des 5-GHz-Bandes oder Wi-Fi 6 behandelt werden kann. Daher sind neue APs mit entsprechendem Funkchip erforderlich, wie z.B. der Aruba 635 AP, der den gleichzeitigen Dreibandbetrieb für 2,4; 5 und 6 GHz unterstützt. Die neuen Wi-Fi 6E APs und der entsprechende Zugang zum 6-GHz-Band ermöglichen eine Verdoppelung der vorhandenen Kapazität mit mehr zusammenhängendem Spektrum und breiteren Kanälen bis hin zu 160 MHz.
Für die Neuentwicklung eines WLANs mit Wi-Fi 6E können Netzwerkadministratoren mit dem bereits erwähnten Aruba 625 AP beginnen, da er Abwärtskompatibilität bietet und gleichzeitig potenzielle Gleichkanalstörungen durch benachbarte WLANs eliminiert, was eine hohe Leistung gewährleistet.
Wenn ein bereits bestehendes WLAN-Netzwerk auf Wi-Fi 6E aufgerüstet werden soll, müssen die Planer auch die vorhandenen netzwerktechnischen Faktoren berücksichtigen, wie die AP-Platzierung, die Backhaul-Bandbreite und die AP-Stromversorgung. Bei einem schrittweisen Upgrade müssen zudem Entscheidungen darüber getroffen werden, welche Teile des Netzwerks für frühzeitige Aktivitäten priorisiert werden sollen.
Bestehende Verkabelung als limitierender Faktor
Die Platzierung von APs wird in der Regel durch die Kabelführung bestimmt, die bei bestehenden Netzwerken oft nur teuer zu ändern ist. Daher wird ein Tri-Band-AP, der einen älteren AP ersetzt, meistens wieder am gleichen Standort montiert. Bei neuen oder renovierten Gebäuden, in denen die Kabel erst noch verlegt werden müssen, haben die Planer dagegen mehr Spielraum. Das ist insbesondere deswegen von Vorteil, weil die durchschnittliche Abdeckungsfläche eines APs in Unternehmensnetzwerken in den letzten Jahren auf aktuell 140 bis 190 Quadratmeter gesunken ist. Um die höchstmöglichen Datenraten zu gewährleisten sind daher kürzere Entfernungen zwischen den APs und Client-Geräten notwendig.
Upgrade der Edge-Switches ratsam
Da die Wi-Fi-6E-Generation von Unternehmens-APs dreibandig sein wird – und gleichzeitig das 6-GHz-Spektrum groß genug ist, um 80- oder 160-MHz-Kanäle bereitzustellen –, wird die Menge des Datenverkehrs, die jeden AP durchläuft, im Vergleich zu früheren Generationen erheblich höher ausfallen. So kann in Zukunft ein Gigabit Ethernet-Backhaul bereits zu einem Engpass führen, wenn die Zahl der Wi-Fi-6E-fähigen Clients, die auf das Netzwerk zugreifen, steigt.
Netzwerkingenieure sollten daher den zu erwartenden Datenverkehr pro AP berechnen und wenn nötig ein Upgrade der Edge-Switches auf Smart Rate (2,5 oder 5 Gbit/s) Ethernet in Betracht ziehen. Allerdings lässt sich ein solches Upgrade auch verschieben, bis Client-Geräte, die mit dem 6-GHz-Band kompatibel sind, in größerem Umfang verfügbar sind und im Unternehmen verwendet werden.
Strombedarf wird weiter steigen
Aufgrund des Dreibandbetriebs der neuen Enterprise-Class APs benötigen diese mehr Strom, als noch die früheren Modelle. So kann der Bedarf der Wi-Fi 6E kompatiblen APs auf bis zu 25,5 W ansteigen. Damit wäre die Leistungsgrenze von PoE plus-Switches bereits erreicht. In einigen Fällen kann daher ein Switch-Upgrade auf PoE++ erforderlich sein.
Gestaffelte Upgrades bei priorisierten Nutzflächen
Eine weitere Frage, die Netzwerkingenieure insbesondere in Campus-Umgebungen oder bei Unternehmen mit mehreren Zweigstellen beantworten müssen, ist, welche Gebäude oder Bereiche zuerst auf Wi-Fi 6E aufgerüstet werden sollen. Bei der Festlegung des Rollouts sollte u.a. berücksichtigt werden, wie die einzelnen Bereiche genutzt werden und welche Art von Geräten dort vorhanden ist.
Fazit
Wie bei früheren Generationen wird der neue Standard Wi-Fi 6E anfangs primär für High-End-Smartphones und Laptops verfügbar sein. Daher sollten Büroumgebungen gegenüber Lager- oder Fabrikräumen bevorzugt werden, da beispielsweise die IoT-Geräte in Lagerhallen jetzt (und wohl auch in Zukunft) in der Regel auf 2,4 GHz angewiesen sind.
Axel Simon.
(Bild: HPE / Aruba)
Auch sollte man sich in den Büroräumlichkeiten zuerst auf die Bereiche konzentrieren, in denen sich die Mitarbeiter und Besucher länger aufhalten und dabei ihre Wi-Fi 6E kompatiblen Geräte nutzen – etwa an den Arbeitsplätzen oder in Meeting-Räumen.
Stand: 08.12.2025
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