Nachhaltigkeit Wegwerfartikel Smartphone

Autor: Ann-Marie Struck

Es geht oft schneller als man denkt. Schwupps und schon fällt das Handy auf den Boden. Das Display ist kaputt und die Seiten sind abgesplittert. Zur Reparatur bringen oder gleich eine neues Device kaufen? Einer Studie des Bitkom gibt einen Einblick.

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Haben Sie schon mal Ihr Handy fallen lassen?
Haben Sie schon mal Ihr Handy fallen lassen?
(Bild: karepa - stock.adobe.com)

Corning Glass und IP-Zertifizierungen zum Trotz, viele Smartphones gehen dennoch kaputt. Hauptsächlich ärgern sich Smartphone-Nutzer mit Wasser- und Displayschäden. Doch was tun, wenn das Smartphone einen Schaden hat? Einer Studie des Bitkom unter 1.003 Bundesbürgern hat ergeben, dass mittlerweile 37 Prozent der Befragten, die schon einmal einen Defekt an ihrem Smartphone hatten, es anschließend reparieren lassen. Davon 19 Prozent durch den Hersteller, 16 Prozent beim Händler und 6 Prozent in einer freien Werkstatt.

Handy geht doch mal kaputt

Dass ein Smartphone mal kaputt geht, kennen fast der Studie zufolge fast alle Befragten: 92 Prozent hatten schon einmal einen Defekt an ihrem Gerät. Platz eins der Schäden ist mit 77 Prozent ein kaputtes Display, gefolgt von einem beschädigtem Gehäuse mit 41 Prozent. 32 Prozent der Umfrageteilnehmer berichten von einem kaputten Akku. Weitere 24 Prozent hatten schon einmal einen defekten Lautsprecher und 22 Prozent ein kaputtes Mikrofon. Grund dafür sind oft Staub und Krümmel, die in das Gerät gelangen. Einen Wasserschaden hatten 19 Prozent der Befragten.

An Produktionsfehlern lagen die Schäden vergleichsweise selten: 57 Prozent waren nach eigener Aussage selbst für den Defekt verantwortlich, bei 16 Prozent war es eine andere Person. Außerdem sehen 21 Prozent generellen Verschleiß als eine Ursache für ein defektes Handy. Bei nur 2 Prozent war das Gerät ab Werk defekt.

Weiterhin setzten nur wenige auf Reparatur

Zwar lassen 37 Prozent ihr Smartphone reparieren und 17 Prozent haben selbst Hand angelegt. Jedoch setzt immer noch die Mehrheit nicht auf eine Reparatur des Geräts. Der Studie zufolge haben 52 Prozent sich infolge eines Schadens ein neues Gerät gekauft und 15 Prozent nutzen ihr Smartphone trotz eines Schadens weiter, sofern dies möglich ist.

Als Grund dafür, keine Reparatur vorgenommen zu haben, antworten 80 Prozent, dies sei ihnen zu teuer gewesen. 55 Prozent empfindet die Reparatur als zu kompliziert und 45 Prozent hatten ohnehin vor, sich ein neues Smartphone zuzulegen. Laut Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder sollen die Reparaturangebote für Verbraucher attraktiver gemacht werden. Sein Vorschlage wäre eine Steuervergünstigung.

Diese Ideen befürworten auch die Umfrageteilnehmer. 70 Prozent der Befragten halten eine Mehrwertsteuersenkung auf Reparaturen für sinnvoll. Weitere 60 Prozent würden einen Reparaturbonus begrüßen, bei dem Reparaturen an Smartphones oder Laptops durch den Staat bezuschusst werden.

Recht auf Reparatur

Immerhin hat die Politik schon Schritte eingeleitet, um den Elektromüll zu reduzieren und Reparaturen von Elektrogeräten eher zu ermöglichen. Denn in der EU gilt seit März 2021 ein „Recht auf Reparatur“ bei Haushaltsgeräten. Hersteller müssen dafür bestimmte Ersatzteile mehrere Jahre auf Vorrat halten. Zur Debatte steht, dieses Recht auf Smartphones auszuweiten. Auch in den USA gibt es einen entsprechenden Vorstoß.

„Eine Verpflichtung, eine Vielfalt von Ersatzteilen für lange Jahre auf Vorrat zu produzieren und einzulagern, dürfte mehr Müll erzeugen als vermeiden“, betont Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder. „Neben einer Vergünstigung von Reparaturen wäre auch die Förderung und Erforschung neuer Technologien wichtig, wie die Herstellung von Ersatzteilen aus dem 3D-Drucker. Das ist nicht nur günstiger und umweltschonender, als Ersatzteile etwa aus Asien nach Deutschland zu fliegen – sondern es eröffnet auch die Möglichkeit, Ersatzteile für ältere Geräte herzustellen.“

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Über den Autor

 Ann-Marie Struck

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Redakteurin, Vogel IT-Medien