Details zu den Betrugsversuchen in der Distribution Vorsicht Betrüger: Diese Namen sollten Sie kennen

Redakteur: Harry Jacob

Die Distributorendatenbank ITdistri.com hat zehn Firmen identifiziert, deren Namen missbraucht wird, um Ware bei Distributoren zu erschleichen. Eine Spur in dem Fall führt nach Deutschland.

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Die Betrüger sind quer durch Europa aktiv.
Die Betrüger sind quer durch Europa aktiv.
( Archiv: Vogel Business Media )

Zu zweifelhaftem Ruhm hat es die so genannte „Nigeria-Connection“ gebracht: Betrüger, die vorgeben, sie wollten Geld in Millionenhöhe von gesperrten Konten ins Ausland transferieren, meist aus Nigeria, daher der Name für die Masche, obwohl die Betrüger auch aus anderen afrikanischen Staaten stammen. Per E-Mail werden Privatleute angesprochen, die dafür ihr Konto zur Verfügung stellen sollen - gegen einen erheblichen Anteil des Geldes. Doch statt ihnen Millionen zu überweisen, wird den Opfern das Konto leer geräumt.

Die Nigeria-Connection ist inzwischen so bekannt, dass kaum noch jemand auf ihre Masche hereinfällt. Relativ neu ist eine Betrugsmethode, die auf Distributoren abzielt, und deren Spuren ebenfalls nach Afrika weisen. Das sind zumindest die Recherche-Ergebnisse des Franzosen Alain Godet, Betreiber der europäischen Distributorendatenbank ITdistri.com.

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Ein Beinahe-Opfer der Betrüger hatte IT-BUSINESS auf die Vorgänge aufmerksam gemacht, damit Distributoren in Deutschland gewarnt sind. Der Trick wurde schon bei mehreren Anbietern versucht - zum Teil mit Erfolg. Die Betrüger bedienen sich der Identität verschiedener französischer Firmen. Sie benutzen ähnliche Mail- und Webadressen und bauen sogar deren Websites nach, um bei oberflächlichen Tests nicht aufzufallen.

Auf diese Weise versuchen sie die per Mail oder Fax angesprochen Distributoren davon zu überzeugen, dass sie mit den existierenden, seriösen Firmen in Kontakt stehen. Ziel ist es, auf Rechnung Ware bestellen zu können. Zuerst an die offizielle Firmenadresse, im letzten Moment wird dann versucht, die Lieferung umzuleiten, beispielsweise an ein angebliches Außenlager, das in Wirklichkeit zu einem Logistiker gehört. Gelingt das, haben die Betrüger gewonnen. Nach Erkenntnissen von Alain Godet verschwindet die Ware dann über Großbritannien in Richtung Mali.

Vorsicht bei diesen Namen

Dank ITdistri.com gibt es nun eine Liste von zehn Namen, mit denen die Betrüger bislang aufgefallen sind. Die echten Firmen sind seriös und haben eine gute Bonität. Mit den Betrugsversuchen haben sie nichts zu tun, im Gegenteil, sie sind ebenfalls Opfer, da ihre Identität missbraucht wird. Bekannt sind:

  • Germond (IT-Distributor im Department Jura) – germond-sas.fr anstatt germondsa.fr
  • Bechtle (Elsass) – realer Domain-Name: bechtle.fr
  • Bestware (VAD inParis) – bestware-france.fr anstatt bestware.fr
  • Conectis (Netzwerk-Spezialist aus Nordfrankreich) – conectis-sas.fr statt conectis.fr
  • Cybertek (Retailer und Distributor im Südwesten Frankreichs) – realer Domain-Name: cybertek.fr
  • Eric Archivage (DMS-Spezialistmit Niederlassungen in Lyon und Paris) – realer Domain-Name: eric-archivage.com
  • Immotique Distribution (Netzwerk- und TK Spezialist aus Nordfrankreich) – immotiquedistribution.fr anstatt of id-alliance.com
  • NetApp France (Niederlassung des Netzwerk-Storage-Herstellers aus den USA) – netappfrance.com instead of netapp.com/fr
  • Newcom Distribution (Retaildistributor aus der Nähe von Paris) – newcomdistribution.fr anstatt newcomdistribution.com
  • Riso (in Lyon ansässige Niederlassung des japanischen Druckerherstellers) – riso-france.fr instead of risofrance.fr.

Die genannten Websites sind größtenteils bereits vom Netz genommen worden, mit Ausnahme des Riso-Fakes. Godet befürchtet, dass dies erst der Anfang ist und weitere Firmen folgen werden. Im Moment stehe zwar Deutschland im Fokus der Betrüger, aber auch in anderen europäischen Ländern sind schon Gaunereien mit der gleichen Masche bekannt geworden, beispielsweise in Großbritannien, Italien, Polen, Tschechien, Ungarn und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Eine Ausbreitung auf weitere Länder sei damit sehr wahrscheinlich.

In dem Betrugsfall gibt es neben den Spuren nach Frankreich und Afrika auch eine Verbindung nach Deutschland: Die Betrüger bedienten sich eines hiesigen Webhosters, dessen Billigmarke insbesondere Reseller ansprechen soll. Dieser stellt Toplevel-Domains von 200 Ländern zur Verfügung - die Betrüger können also jederzeit umsatteln und nicht nur die Identitäten von französischen Firmen nutzen.

Das sollten Sie beachten

Die Schreiben der Betrüger sind in simplen Sätzen gehalten, zum Teil mit Rechtschreibfehlern - wie man sie aus den Mails von anderen Identitäts-Dieben kennt, beispielsweise angebliche Benachrichtigungen von Logistikern, man möge ein Paket abholen, oder vorgeblicher Mitteilungen von Banken und Zahlungsdienstleistern, man solle sich einloggen und das Passwort ändern.

Hier wie da gilt: Nicht auf angegebene Links und Mailadressen vertrauen, sondern diese Daten anhand unabhängiger Quellen überprüfen - zum Beispiel in der Anbieter-Datenbank von IT-BUSINESS. Bei ausländischen Distributoren bietet sich ITdistri.com an.

Sollten sich Abweichungen in den Angaben feststellen lassen, ist Vorsicht geboten. Im Zweifelsfall sollten die Warenlieferungen gestoppt werden. Informieren Sie das Unternehmen, dessen Identität missbraucht wird, und bringen Sie den Fall zur Anzeige.

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