Business Scout: Digital Engineering Von der Idee über ein virtuelles Objekt zum realen Produkt

Redakteur: Dr. Stefan Riedl

»Schau Dir mal das Flanschstück an.« Wenn das ein Ingenieur sagt, sind inzwischen meist nur ein paar Pixel gemeint. IT-BUSINESS beleuchtet, wie Product Lifecycle Management und Digital Engineering das Ingenieurswesen verändern.

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Wenn man die Augen schließt und sich ein bestimmtes Objekt vorstellt – beispielsweise einen Kaffeebecher, werden dieselben Regionen im Gehirn aktiv, wie beim Anblick eines realen Bechers. So gesehen macht das Gehirn keinen Unterschied zwischen einem fiktiven Becher und einem realen. Das gleiche passiert beim Betrachten von Bildern am TFT, denn auch virtuelle Kaffeetassen in CAD-Programmen erzeugen dieselben Muster in den Synapsen wie reale Koffein-Spender. Warum auch nicht: Gesehene Realität entsteht erst im Bewusstsein des Menschen, nachdem auf der Netzhaut des Auges aufschlagende Photonen interpretiert wurden.

Virtuelle Realitäten

So gesehen ist der Kaffeebecher in einem CAD-Programm oder auch nur die Idee davon, die sich im Gehirn formt, mindestens genauso real wie der, den man bei Ikea gekauft hat. Dieser Meinung werden sich auch viele der inzwischen über elf Millionen World-of-Warcraft-Spieler (WoW) anschließen, die Abend für Abend ihrer realen Zeit im virtuellen Arathihochland oder im Rotkammgebirge verbringen. Nur Kaffee kann man nicht aus virtuellen Tassen trinken. Mindestens mit einem Bein sollten WoW-Spieler und CAD-Konstrukteure daher dann doch noch in der Realität bleiben, denn Kaffee ist für virtuelle Spieler und Konstruktions-Bildschirmarbeiter traditionell ein wichtiges Gebräu.

Digital Engineering im Wandel

Die Schöpfer virtueller Objekte, Bildschirmarbeiter im Digital Engineering, bewegen sich in einem Umfeld, das sich immer mehr einem ganzheitlichen Ansatz widmet. Hier spielt PLM (Product Lifecycle Management) eine immer wichtigere Rolle. Bei diesem »Produktlebenszyklusmanagement« werden alle Daten aus der Entwicklung, Produktion, Lagerhaltung und dem Vertrieb eines Produkts einheitlich gespeichert, verwaltet und abgerufen.

Die gemeinsame Datenbasis beeinflusst wiederum jeden einzelnen Wertschöpfungsprozess rund um das Produkt. In der Planung beeinflusst das PLM die Bereiche PPS (Produktionsplanungs- und Steuerungssystem) sowie ERP (Enterprise Resource Management). In Sachen Konstruktion wird CAD (Computer Aided Design) eingebunden. Bei der Berechnung spielt die Software für CAE (Computer Aided Engineering) mit hinein. Und in der Fertigung greift das CAM-System (Computer Aided Manufacturing) auf die gemeinsame Datenbank im PLM zu. Außerdem werden noch die Daten aus dem Controlling, dem Vertrieb und dem Service eingebunden, für die ganzheitliche Gesamtschau vom Entstehen bis zum Recycling eines Produktes. So wissen Konstrukteure beispielsweise aufgrund gehäufter Service-Fälle, dass es immer wieder Probleme bei einem bestimmten Bauteil gibt. Grund genug, sich diesen Abschnitt bei der Folgeversion noch einmal genau anzuschauen. »Vorhandene Informationen auch nutzen« lautet also die Devise.

Auf der nächsten Seite entwirren wir die »Babylonische Sprachverwirrung« um die Begrifflichkeiten.

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