Nach der Braodcom-Übernahme VMware und das Subscription-Paradigma

Von Dr. Stefan Riedl 4 min Lesedauer

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Die Kritik an VMware war heftig. Nachdem sich die Wogen geglättet haben, zieht das Broadcom-Management Bilanz und skizziert die Marschroute. Sowohl in technischen Belangen, als auch in Channel-Fragen gebe es gute Gründe für den eingeschlagenen Weg.

Das Subscription-Modell bietet Herstellern mehrere Vorteile, im Vergleich zu Perpetual.(Bild:  Midjourney / KI-generiert)
Das Subscription-Modell bietet Herstellern mehrere Vorteile, im Vergleich zu Perpetual.
(Bild: Midjourney / KI-generiert)

Von vielen VMware-Partnern wurde der Wechsel auf ­Subscription und die Abkehr von der Perpetual-Lizenzierung bei gleichzeitigen Umbrüchen in der Partnerstruktur als holprig wahrgenommen. Auch Armin Müller, Vice President DACH bei Broadcom, spricht von einer „bumpy Road“. Grundsätzlich führen, so der Manager, Akquisitionen immer zu Bewegungen und Emotionen und auch der Kopplung der VMware- und Broadcom-Systeme wohnte diese Dynamik inne. Aber insgesamt sei man mit dem Prozess sehr zufrieden. „Manchmal muss man viele Dinge gleichzeitig und schnell entscheiden“, so Müller.

Portfolio von 100 Produkten auf vier

Der Broadcom-Manager erklärt zum Ziel von Broadcom, dass man „schnell und effizient“ sein wolle. Sein Kollege Björn Brundert, Principal ­Technologist bei Broadcom ergänzt, dass in diesem Zusammenhang schnell und effizient bedeute, dass man sich bei den Produktfamilien stark fokussiert habe. „Immerhin wurden aus rund 100 Produkten vier, nämlich: Cloud Foundation, vSphere Foundation, vShpere Standard und vShpere Plus“, erläutert Brundert. Möglich geworden sei das durch das Verfolgen eines neuen Ansatzes. So stünden jetzt nicht mehr Komponenten im Fokus des Geschäftes, sondern Plattformen.

Die Diskussion „Perpetual-Lizenz mit Wartungsvertrag oder Subscription“ braucht man doch gar nicht mehr zu führen.

Armin Müller, Vice President DACH, Broadcom

Unabhängig von den großen Hyperscalern

Damit gehen Vorteile einher, die nicht von der Hand zu weisen sind, ist Brundert überzeugt und will auf das Thema ­Sovereign Cloud hinaus. „Mit dem Ansatz, den kompletten Plattform Stack, also Storage, Compute, Workflows und Microservices via Container- und Kubernetes-Technologie zu managen, bieten wir unseren Kunden eine Private-Cloud­-Plattform an, die sie aus Abhängigkeiten von Hyperscalern wie AWS, Azure oder Google Cloud befreit.“

Neue Weichen in zweierlei Hinsicht

Armin Müller, Vice President DACH, Broadcom Software(Bild:  Broadcom)
Armin Müller, Vice President DACH, Broadcom Software
(Bild: Broadcom)

Im Rahmen der VMware-Übernahme wurden einige Entscheidungen getroffen, die vielleicht schon früher hätten getroffen werden müssen, blickt Müller zurück. „Es gibt keine Abwärtsbewegungen; das Interesse ist sehr groß; das neue Goto-­Market-Modell ist angekommen“, fasst Müller zusammen. „Wir haben produkt­seitig Entscheidungen getroffen und lizenzseitig neue Weichen gestellt, indem wir von Perpetual-Lizenzierung auf Subscription gewechselt sind.“ So etwas ­gehe sicherlich nicht völlig ohne Reibung vonstatten, aber inzwischen sei auch das Feedback aus der User Group sehr positiv.

„Perpetual versus Subscription“ ist längst entschieden

Die VMware-Technologie hat sich stark in der IT etabliert.(Bild:  Midjourney / KI-generiert)
Die VMware-Technologie hat sich stark in der IT etabliert.
(Bild: Midjourney / KI-generiert)

Die Diskussion „Perpetual-Lizenz mit Wartungsvertrag oder Subscription“ brauche man auf einer grundsätzlichen Ebene gar nicht mehr führen, findet Müller. „Subscription ist aus guten Gründen der Industriestandard und Broadcom geht selbstverständlich wie andere aus der Branche auch diesen Weg.“ Müller kann das auch inhaltlich begründen: Das Perpetual-Modell führe ihm zufolge teilweise zu seltsamen Effekten, die durch das Subscription-Modell vermieden werden können. Bei VMware habe man das zwar weitgehend vermieden, aber grundsätzlich liege es bei Perpetual-Lizenzierung teilweise im Interesse der ­Vendoren, die technologischen Unterschiede zwischen den Versionen zu maximieren. So gebe es dann für die Kunden auch Anreize, zu wechseln. „Auch müssen sie im Perpetual-Umfeld mehrere Versionen einer Software pflegen, während bei Subscription laufend die aktuellsten Features einfließen können“, so Müller pragmatisch. Das habe auch Vorteile bei der Sicherheit.

Wir haben nicht mehr Komponenten im Fokus des Geschäftes, sondern Plattformen.

Björn Brundert, Principal Technologist, Broadcom

Hintergrund

Subscription und Lizenzportabilität

VMware hat auf Abo umgestellt und bietet im Subscription-Modell „VMware Cloud Foundation“-Software (VSC) sowie „angrenzende Lösungen“. Es wird keine unterschiedlichen Versionen mehr von VCF für verschiedene Umgebungen geben. VMware Cloud Service Provider (VCSP) bieten die Dienste auf Basis einer einzigen Lizenz an, nämlich einem Abo pro CPU-Kern. Mit der Lizenzportabilität der VMware Cloud Foundation für Partner-Cloud-Umgebungen können Kunden, die bereits VCF-Lösungen gekauft und mit der Bereitstellung begonnen haben, den noch nicht verbrauchten Wert eines bestehenden Abonnements auf Clouds von VCSP-Partnern übertragen. Außerdem können Kunden ihr VCF-Abonnement zwischen On-Prem- und VCSP-Umgebungen (und umgekehrt) verschieben, wenn sich ihre Anforderungen im Laufe der Zeit ändern. Dies soll es den Partnern ermöglichen, Kunden zu helfen, von einem selbstverwalteten zu einem Managed-Services-Modell zu wechseln.

Gründe für die Channel-Umstrukturierung

Auch die Umstrukturierung im Channel sei aus guten Gründen erfolgt: „Vor den neuen Partnerverträgen gab es innerhalb des Channels mitunter Konflikte, weil dieselben Leistungen von einem OEM-Partner oder einem Channel-Partner bezogen werden konnten“, sagt Müller. Jetzt seien die Kompetenzen und Zuständigkeiten klar geregelt.

Unklarheiten und Vertragstreue

Björn Brundert, Principal Technologist, Broadcom(Bild:  Broadcom)
Björn Brundert, Principal Technologist, Broadcom
(Bild: Broadcom)

Angesprochen auf die harsche Kritik, die zum Teil von Partnern und in der Presse geäußert wurde, erläutert Brundert, seine Sicht der Dinge. Viele der Unklarheiten in der Berichterstattung über gekündigte Partnerverträge seien sicherlich dem Umstand geschuldet, dass Broadcom zwar den klar kommunizierten Weg gegangen sei, von Perpetual auf Subscription umzusatteln. Aber: „Das wirkt sich natürlich auf vertragliche Grundlagen aus“, so der Manager. Aufgrund von Vertragslaufzeiten erfolgt der eigentliche Umstieg zeitversetzt und selbstverständlich agiert Broadcom hier völlig vertragstreu, so der Broadcom-Technologist.

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