Loyalität untermauern Vertrieb motivieren statt Existenzängste schüren

Autor / Redakteur: Horst Persin, Vertriebscoach / Katrin Hofmann

Anstatt im Vertrieb die Kostenschraube anzusetzen, ist es gerade in Krisenzeiten notwendig, Verkäufer zusätzlich zu motivieren. Unternehmen, die ihren Vertrieb massiver unterstützen, können gestärkt aus dem Konjunkturtief hervorgehen.

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Der richtige Schlüssel öffnet die Tür zum Vertriebserfolg.
Der richtige Schlüssel öffnet die Tür zum Vertriebserfolg.
( Archiv: Vogel Business Media )

Gerade in wirtschaftlich rezessiven Zeiten ist immer wieder eine reflexhafte Reaktion in der Wirtschaft zu beobachten. Unternehmen suchen ihr Heil in der Kosten- und Preisreduzierung. Je drohender sich das Krisenszenario aufbaut – wie zurzeit –, umso vehementer treten sie auf die Kostenbremse und würgen dabei auch den Motor mit ab, der gerade in Krisen zählt: den Vertrieb.

Im Vertrieb die Kostenschraube anzusetzen und vielleicht sogar die Provisionen zu senken oder nicht zu schaffende Umsatzvorgaben aufzustellen, ist der falsche Ansatz. Der Verkäufer hat seine Lebenshaltungskosten und wenn ihm seine Verdienstmöglichkeiten gravierend zusammengestrichen werden, schaut er sich über kurz oder lang nach anderen Verdienstmöglichkeiten um. Damit einher gehen sinkende Motivation und schwindende Loyalität.

Statt Existenzängste zu schüren, motiviert ein gutes Management seinen Vertrieb, um ihn auf Kurs zu halten. In Krisenzeiten wird es sowieso für den Vertrieb wesentlich schwieriger, Geld zu verdienen, muss er wesentlich länger und härter für seinen Umsatz kämpfen, da die Unternehmen präventiv ihre Budgets kürzen oder sogar erst einmal einfrieren.

Höhere Provisionen bieten

Deshalb ist es gerade jetzt notwendig, vertriebliche Anreize zu schaffen. Lieber noch ein paar Prozent Provision mehr anbieten, denn nur ein professioneller und motivierter Vertrieb sorgt auch in Krisenzeiten für Umsatz.

Ein zusätzlicher Anreiz sind Bonussysteme dafür, dass der Verkäufer seine Kunden hält, beziehungsweise das Geschäft mit ihnen ausbaut, dass er neue Geschäftsfelder erschließt oder es schafft, neue Märkte und Branchen zu adressieren. Sollte der Unternehmer überzeugt sein, dass er die Krise und einen momentanen Liquiditätsengpass übersteht, könnte eine Möglichkeit sein, den Leistungsträgern im Vertrieb im Gegenzug zu einem eventuellen Provisionsverzicht eine Unternehmensbeteiligung in Aussicht zu stellen.

Welchen finanziellen Anreiz der Unternehmer auch immer schafft, gefragt ist die richtige Balance. Und wenn schon der Rotstift auch im Vertrieb unbedingt angesetzt werden muss, dann sollte man sich über die so genannten »Nice-to-have«-Incentives Gedanken machen und diese für einen gewissen Zeitraum zurückfahren. Beispielsweise könnte man die Car-Policy überdenken. Je nach Kostenstruktur lässt sich hier Geld sparen, das sich anderweitig wieder investieren lässt, beispielsweise in die Einstellung weiterer guter Verkäufer.

Spreu vom Weizen trennen

Positiver Aspekt der Krise: Jetzt trennt sich die Spreu vom Weizen. Jetzt zeigt sich, wer die Umsatztreiber sind. Ein guter Verkäufer zeichnet sich auch in schlechten Zeiten durch eine Abschlussquote zwischen 70 und 100 Prozent der Umsatzvorgabe aus – sofern diese nicht überzogen ist.

Für den Vertrieb kommt es jetzt darauf an, proaktiv auf den Kunden zuzugehen und sich als Partner in der Krise zu profilieren. Das sollten nicht in erster Linie Preisreduzierungen sein. Es ist entscheidend, dass die Krise als Chance verstanden wird, um das Unternehmen für zukünftige Situation wetterfest zu machen oder die Ausrichtung der Strategie und vor allem die Produktline daraufhin zu überprüfen, ob diese künftig die Firma nach vorne bringt.

Wer in Krisenzeiten in den Vertrieb investiert, kann zu den Gewinnern gehören.

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