Das Geschäft mit Unterhaltungselektronik gleicht einer Achterbahn-Fahrt. Nach einem leichten Abschwung 2020 heizt Corona den Verkauf erheblich an. Dann brechen die Umsätze ein. Auf dem Weg zur Normalisierung soll das Thema Nachhaltigkeit helfen.
Nachhaltigkeit ist inzwischen zum Kauf-Kriterium geworden.
(Bild: DenizJosue - stock.adobe.com)
Die Branche für Unterhaltungselektronik und Haushaltstechnik rechnet nach einem Umsatzeinbruch im vergangenen Jahr wieder mit besseren Geschäften. Die Unternehmen, die auf der Elektronikmesse IFA vertreten sind, setzen bei der Wende vermehrt auf umweltfreundliche Lösungen und Geräte, die deutlich länger genutzt werden können als heute.
Der Trend zur Nachhaltigkeit gehe auch auf europäische Vorgaben für austauschbare Batterien und besser reparierbare Geräte zurück, sagte der Chef des Verbraucheraudio-Geschäfts des Elektronik-Konzerns Harman, Carsten Olesen, der Deutschen Presse-Agentur. „Auf lange Sicht werden die Lebenszyklen der Produkte viel länger sein als heute.“ Die Industrie werde einen Weg finden müssen, die Geräte mit Upgrade-Paketen aufzufrischen. Das setze auch ein modulares Design der Technik voraus, bei dem einzelne Teile einfach ausgetauscht werden könnten. Die Software kann bei heutiger vernetzter Elektronik ohnehin per Internet aktualisiert werden.
Die IFA, die am Freitag (1. September) ihre Tore für Besucher öffnet, hat auf dem Messegelände einen zentralen Platz für dieses Mega-Thema eingerichtet. Im „Sustainability Village“ dreht sich alles um grüne Innovationen und neue Nachhaltigkeitslösungen. Auch im vernetzten Zuhause steht das Thema Nachhachhaltigkeit im Vordergrund: Die Branchenverbände VDE, ZVEH und ZVEI zeigen im „House of Smart Living“, wie sich Energie mit Hilfe von Gebäudeautomation einsparen lässt und welchen Beitrag Elektrifizierung, Digitalisierung und moderne Gebäudetechnik zur klimaneutralen Zukunft leisten können.
Nachhaltigkeit ist Kauf-Kriterium
Wie sehr Nachhaltigkeit ein Kauf-Kriterium geworden ist, zeigt eine Studie des Marktforschers GfK: Danach ist Energieeffizienz in einigen Segmenten sogar kaufentscheidend: Das gilt etwa für 64 Prozent der Kühlschrankkäufer. Zugleich seien Lebensdauer, Reparierbarkeit und Garantie wichtige Faktoren, die Konsumenten ansprechen. Diese zu erschwinglichen Preisen anzubieten, könne eine entscheidende Erfolgsstrategie für die Zukunft werden, teilte die GfK mit.
Pünktlich zum Start der IFA führte der niederländische Smartphone-Hersteller Fairphone vor, wie Nachhaltigkeit konkret aussehen kann. Das neue Fairphone 5 ist komplett modular aufgebaut. Damit lässt sich nicht nur der Akku ohne jegliches Werkzeug austauschen, sondern auch zehn weitere Ersatzteile lassen sich wechseln. Dabei sind beispielsweise die Weitwinkel- als auch die Ultraweitwinkelkamera als einzelne Module erhältlich.
Gleichzeitig hat der Hersteller die Alltagstauglichkeit verbessert. Das Gerät ist zwar nicht komplett staub- und wasserdicht wie Smartphones von Apple, Samsung & Co., übersteht aber einen Regenschauer unterwegs oder anderes Spritzwasser (Schutzklasse IP55). Auch bei der Software setzen die Niederländer auf Nachhaltigkeit. Fairphone garantiert mindestens fünf Betriebssystem-Upgrades nach Android 13, so dass das Fairphone 5 bis mindestens 2031 abgesichert ist. Auf die Hardware gewährt Fairphone eine 5-Jahres-Garantie.
Das Beispiel Fairphone 5 zeigt allerdings auch die Kehrseite der Medaille. Das Unternehmen lässt sich die Verbesserungen gegenüber den Vorgängermodellen gut bezahlen. Das neue Modell kostet jetzt knapp 700 Euro, 120 Euro mehr als das Fairphone 4. Damit setzt Fairphone auf den Trend, dass Verbraucherinnen und Verbraucher sich seltener ein neues Smartphone anschaffen, dann aber bereit sind, mehr Geld für das neue Gerät auszugeben. Bei anderen Herstellern von Spitzengeräten mit schnelleren Chips und besseren Kameras wie Apple oder Samsung liegen die Preise sogar häufig über der 1.000-Euro-Schwelle.
Wirtschaftliche Lage bleibt Herausforderung
Dabei kann die Branche nicht darauf setzen, dass Kunden den finanziellen Spielraum haben, sich teure Gadgets anzuschaffen. „Auch 2023 ist ein Jahr voller Herausforderungen wie Inflation, gesättigte Märkte, geringere Nachfrage und leider auch immer noch der Krieg in der Ukraine“, sagte die Geschäftsführerin des IFA-Veranstalters gfu Consumer & Home Electronics, Sara Warnecke. Zum Auftakt der Technik-Show sagte sie, es gebe dennoch Chancen für positive Entwicklungen – trotz der aktuellen Umsatzrückgänge und der negativen Einflüsse. „Wir sind überzeugt, dass die IFA ihrer Rolle als weltweit wichtigste Plattform für Consumer Electronics und Home Appliances wieder gerecht wird und sich mit ihrem überzeugenden Mix erneut als nachhaltiger Wachstums- und Innovationstreiber beweisen wird.“
Stand: 08.12.2025
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Für die Messe selbst geht zumindest in diesem Jahr das Konzept auf. Die IFA Berlin, Europas größte Messe für Unterhaltungselektronik und Haushaltstechnik, geht mit deutlich mehr Ausstellern an den Start als 2022. Die Messe ist nach Angaben der gfu dieses Jahr ausgebucht.