Investieren trotz Abschwung

Software-Branche profitiert von der Angst in Krisenzeiten

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Gutes Ablösegeschäft

Rainer Witzgall, Executive Vice President von Avira sieht sogar Vorteile im Abschwung, »da häufig Investitionen und bestehende Systeme überdacht werden«. Das seien gute Ansatzpunkte für einen Markt, der vom Ablösegeschäft dominiert wird, so der Manager. Beim Security-Spezialisten, der insbesondere im Privatkunden-Segment durch seine, für diese Zielgruppe kostenfrei erhältliche, Antiviren-Software bekannt ist, hat man erkannt: »Grundsätzlich geraten Bereiche, die mit niedrigen Margen und hoher Kapitalbindung operieren, sehr viel leichter in eine finanzielle Schieflage als Unternehmen in der Software-Branche«. Allerdings sorgt man sich bei Avira um so manchen Kunden: »Auch wenn wir nicht direkt von der Bankenkrise betroffen sind, beobachten wir natürlich die Entwicklung am Finanzmarkt, die für einige unserer Firmenkunden und Partner sicher eine Bedrohung darstellt.«

Mehr Effizienz gefordert

Neben dem erhöhten Streben nach Sicherheit, ist eine weitere emotionale Auswirkung der omnipräsenten Finanz- und Wirtschaftskrise, dass mehr Effizienz in die Arbeitsabläufe gebracht werden soll. Was das Geschäftskundenumfeld angeht, genießen IT-Reseller und Systemhäuser einen daher entscheidenden Vorteil: Wenn die Weichen auf mehr IT-Effizienz in den Unternehmen stehen, bleiben die Budgets meist unangetastet. Da es hierbei meist um Software-Projekte geht, steht der Gesamtmarkt auf Wachstum und die Marktauguren verkünden alles andere als Hiobs-Botschaften: 2009 wird der Software-Markt laut Gartner voraussichtlich 244,3 Milliarden US-Dollar erreichen. Das wäre ein Zuwachs in Höhe von 6,6 Prozent gegenüber dem Umsatz im Jahr 2008. Kein Wunder, dass Software-Macher ihr Lächeln nicht verlieren. Auch das eine oder andere breite Grinsen ist angesichts der Zahlen geblieben.

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Glaubwürdigkeit der Presse leidet

Im Software-Marktumfeld können daher viele das Krisengerede nicht nachvollziehen. Zu ihnen zählt Step-Ahead-Vorstand Guido Grotz: »Wir sind der Überzeugung, dass die permanente Penetrierung durch das Krisengerede zweierlei bewirken wird: Man stumpft ab, und die Glaubwürdigkeit von Meinungsbildern und Presse leidet. Zum anderen wird mehr nachgedacht und sehr bewusst gehandelt.« Gerade bei den kleinen und mittelständische Unternehmen sei zu bemerken, dass sie im Business zu den Zweiteren gehören, also zu denen, die sehr bewusst handeln. »Aus vielen Gesprächen mit Unternehmern, Partner und Lieferanten lesen wir heraus, dass die Unternehmer die Zeit für gezielte Investitionen in ihr Unternehmen nutzen: ihre Strukturen und Prozesse zu hinterfragen, ihr Leistungs- und Produktportfolio auf den Markt auszurichten.« Der Branche für Unternehmenssoftware komme das sehr zugute, bestätigt Step-Ahead-Vorstand Grotz.

Prozess-Effizienz gefragt

Mehr Effizienz in den betrieblichen Abläufen – das hat sich auch iGrafx auf die Fahnen geschrieben. Armin Trautner, Managing Director EMEA bei dem Hersteller von Prozessanalyselösungen, findet: »In dieser Situation entdecken Unternehmen ihre Prozesse. Das ist gut so, denn ein gutes Ressourcen-Management ist immer besser, als vermeintlich ›redundanten‹ Mitarbeitern zu kündigen.« Nach wirtschaftlich fruchtlosen Entlassungen würden derzeit viele Unternehmen nämlich erkennen, dass Business Process Management noch echtes Einsparpotenzial bietet. »Der Weg dorthin ist für viele Unternehmen steinig«, so Trautner. Meist fehle es am Rückhalt innerhalb der Belegschaft. Unbeliebt seien BPM-Initiativen vor allem, weil sie oft vom Top-Management ausgehen, in der mittleren Führungsebene nur noch widerwillig umgesetzt werden und beim »einfachen Angestellten« erst gar nicht ankommen würden. »Aus Sicht der unteren Hierarchie-Ebenen lassen sich derart gescheiterte Projekte leicht erklären: Prozesse, die nicht rund laufen, werden meist nur aus der Vogelperspektive betrachtet. Eine solche Sichtweise blendet die wichtigen Details aus, die sich bei der Arbeit als Ursache schlechter Prozesse entpuppen.« Das resignierte Mitarbeiter-Feedback laute dann: »Uns fragt ja niemand.«

Zwei Dinge würden deshalb über Erfolg oder Misserfolg einer BPM-Initiative entscheiden. Zum einen gilt es von der Werkbank bis zum Chefsessel alle Ebenen einzuspannen. Zum anderen ist es wichtig, für jede Betrachtungsebene das geeignete Tool einzusetzen. So braucht der Qualitätsmanager, der beispielsweise die Fehlerquote in der Fertigung reduzieren will, andere Instrumente als der Vorstand, der Wachstumspotenziale und Risikoquellen auf einen Blick erkennen möchte. Wer dabei auf eine visuelle Darstellung setzt, verschafft dabei den Entscheidern den problemlosen Überblick auf allen Ebenen. Während ersteres eine Frage der Organisation und Mitarbeitermotivation ist, spielt Punkt zwei gerade in Krisenzeiten, in denen tendenziell mehr gespart wird, in die Hände entsprechend aufgestellter Systemhäuser, die derlei Prozess-Analysesoftware integrieren können.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, wie auch andere Sparten profitieren.

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