Nachhaltigen Technologien gehört die Zukunft So gelingt der Wandel zum grünen Unternehmen

Von Christian Till Roga 4 min Lesedauer

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Steigende Energiekosten, Kriege und geopolitische Spannungen, Fachkräftemangel, Inflation – die Liste an Herausforderungen, denen sich Unternehmen 2023 stellen müssen, ist lang. Vor allem gilt es, dem Klimawandel entgegenzuwirken.

Nachhaltige Technologien zählen Gartner zufolge zu den zehn wichtigsten strategischen Trends für 2023. Warum das so ist und wie Unternehmen ihre Prozesse konsequent nachhaltig ausrichten, verrät Christian Till Roga von T-Systems. (Bild:  © Norbert Ittermann - T-Systems)

Nachhaltige Technologien zählen Gartner zufolge zu den zehn wichtigsten strategischen Trends für 2023. Warum das so ist und wie Unternehmen ihre Prozesse konsequent nachhaltig ausrichten, verrät Christian Till Roga von T-Systems. 

(Bild: © Norbert Ittermann - T-Systems)

Im Kampf gegen den Klimawandel liegt die Messlatte hoch: Bis 2030 muss die Weltwirtschaft ihre Emissionen um mehr als 42 Prozent, bis 2040 um mehr als 72 Prozent und bis 2050 um mehr als 91 Prozent reduzieren. Deutschland hat zuletzt sogar noch eine Schippe draufgelegt: Die Bundesregierung will durch die Änderung des Klimaschutzgesetzes die anvisierte Treibhausgasneutralität bereits 2045 erreichen. Bis 2030 sollen die Emissionen hierzulande daher um 65 Prozent gegenüber 1990 sinken.

Um den Umbau zu einem klimaneutralen Land zu meistern, müsste Deutschland seine Emissionen bis 2030 im Vergleich zu den Jahren 2011 bis 2021 halbieren. Das hat der Expertenrat für Klimafragen in seinem Zweijahresgutachten [PDF] ermittelt. Demnach konnten die in Deutschland ausgestoßenen Treibhausgase zwischen 2011 und 2021 zwar um rund ein Viertel (26,6 Prozent) reduziert werden. Dies reiche aber bei Weitem nicht aus: „Mit einem 'Weiter so' werden wir die Klimaziele für das Jahr 2030 definitiv nicht erreichen“, warnt deshalb die stellvertretende Vorsitzende des Expertenrats, Brigitte Knopf.

Sustainabilty by Design lautet künftig die Devise

Nicht zuletzt deshalb stehen Gartner zufolge nachhaltige Technologien – also Lösungen, die die Energie- und Materialeffizienz von IT-Diensten erhöhen und die Umsetzung von ESG-Kriterien ermöglichen – im kommenden Jahr ganz oben auf der Prioritätenliste vieler Unternehmen. Denn mit Technologien von gestern lassen sich die ambitionierten Klimaziele nicht umsetzen.

Ebenso wenig ist es mit punktuellen Ansätzen wie der energetischen Sanierung der Firmenzentrale getan. Vielmehr muss Nachhaltigkeit zu einem zentralen Bestandteil der gesamten Unternehmens-DNA werden. Beispielsweise von Beginn an auf Sustainability by Design zu setzen. Bedeutet: Von der Produktentwicklung über den Vertrieb und die Logistik bis hin zur Rückführung von Materialien in den Wertstoffkreislauf zahlen sämtliche Prozesse auf ein gemeinsames Ziel ein: den unternehmensweiten CO₂-Fußabdruck zu reduzieren.

Mit nachhaltigen Technologien gegen den Klimawandel

Das erfordert allerdings ein rigoroses Umdenken. Es gilt, Geschäftsmodelle und Wertschöpfungsketten konsequent neu und nachhaltig auszurichten. Leistungsstarke digitale Technologien wie Künstliche Intelligenz (KI), das Internet of Things (IoT), Advanced Analytics sowie Cloud Computing schaffen dafür das Fundament. Sie erhöhen nicht nur die Effizienz von IT-Services, sondern ermöglichen es Unternehmen auch, ihre Nachhaltigkeitsziele zu erreichen. Sie helfen, Transparenz als Grundlage für das Handeln zu schaffen, Ressourcen einzusparen, Risiken entlang der Wertschöpfungsketten zu minimieren und schädliche Emissionen auf ein Mindestmaß zu begrenzen.

Zum Beispiel im Rahmen der kommunalen Mülltrennung: Mit Kameras und Sensoren können intelligente Müllsortierroboter Materialien inzwischen mit einer Genauigkeit von 98 Prozent sauber trennen und so zu besserem Recycling beitragen. Und das ist nur ein Aspekt, wie KI-Lösungen nachhaltiges Wirtschaften erleichtern. Zahlreiche weitere hat das Fraunhofer Institut kürzlich in einer spannenden Studie zusammengetragen. Die Liste der dort beschriebenen Anwendungen reicht von der Entwicklung biologisch abbaubarer Produkte über material- und energiesparende Fertigungsprozesse, Effizienzsteigerungen durch frühzeitiges Aufspüren und Aussortieren defekter Bauteile bis hin zu einer ökologischen Logistik mit maximal ausgelasteten Lieferfahrzeugen.

Die Cloud als Nachhaltigkeitsinstrument

Neben Anwendungen und Prozessen gehört aber auch die IT-Infrastruktur auf den Prüfstand. Denn mit zunehmender Digitalisierung wächst der Bedarf an Rechen- und Speicherleistung – und damit auch der ökologische Fußabdruck von Rechenzentren, Servern und Applikationen. Dementsprechend gehen drei Viertel (76 Prozent) der deutschen Nachhaltigkeitsmanager davon aus, dass Unternehmen ihre Nachhaltigkeitsziele nur erreichen können, wenn sie den Energieverbrauch ihrer Infrastruktur deutlich reduzieren.

Ein Grund mehr, auf die Cloud umzusteigen. Immerhin sind einer Microsoft-Studie zufolge Cloud-Plattformen fast doppelt so energie- und CO₂-effizient wie lokale Lösungen. Unsere eigenen Erfahrungen bestätigen das: Durch die Migration unserer SAP-Landschaft in eine Private Cloud konnten wir 70 Prozent CO₂ einsparen.

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Nachhaltigkeit ist aber nicht nur eine Frage des Bereitstellungskonzeptes. Es geht auch darum, in welchem Rechenzentrum die Cloud-Lösungen betrieben werden. Denn längst ist nicht jedes Rechenzentrum „grün“. Wer Wert auf einen klimaneutralen Betrieb seiner Cloud-Anwendungen legt, sollte deshalb darauf achten, dass der Provider über die internationale LEED-Zertifizierung (Leadership in Energy and Environmental Design) verfügt.

Transparenz ist der Schlüssel zu mehr Nachhaltigkeit

Die wenigsten IT-Abteilungen und Unternehmen wissen, wie der ökologische Fußabdruck ihrer IT wirklich aussieht. Nur sechs Prozent der Unternehmen kennen einer Capgemini-Studie [PDF] zufolge die Klimabilanz ihrer IT und wissen, wie sie diese verbessern können. Um da gegenzusteuern, helfen Web-basierte Lösungen wie das T-Systems Angebot „Syrah Sustainability“. Darüber lassen sich über ein Dashboards unterschiedliche Nachhaltigkeitsindikatoren gezielt definieren, visualisieren, messen und überwachen. Dazu sammelt Syrah Daten aus unterschiedlichen Softwarelösungen sowie öffentlichen Datenbanken wie etwa nationalen Statistiken oder Eurostat, analysiert diese und gleicht sie mit den ESG-Schlüsselindikatoren ab. Damit verfügen Unternehmen über ein gutes Barometer, um im Einzelfall entscheiden zu können, welche Maßnahmen noch nicht zum gewünschten Ergebnis geführt haben.

Verlässliche Datenbasis ermöglicht Erkenntnisgewinne

Auch mangelndes Bewusstsein der technologischen Möglichkeiten sowie unzureichende Transparenz über Prozesse und Daten bremsen zahlreiche Nachhaltigkeitsinitiativen aus. Eine ganzheitliche Datenstrategie ist daher für Nachhaltigkeit by Design unabdingbar. Denn nur Daten können die Grundlage schaffen, um bestehende Prozesse zu analysieren und zu optimieren. Je besser Unternehmen die Funktionsweise von Produkten, Systemen oder Services überblicken, umso einfacher lassen sich diese weiterentwickeln und nachhaltig vorantreiben.

Daten liefern die Grundlage für Innovationen und neue Geschäftsmodelle und somit für Weiterentwicklung. Wer zum Beispiel den Algorithmus einer KI trainieren möchte, braucht nicht nur eine ganze Menge an Daten, sondern auch hochwertige Daten. Eine saubere und verlässliche Datenbasis ist daher das essenzielle Fundament eines klimafreundlichen Unternehmens. Höchste Zeit also, neben nachhaltigen Technologien auch die Entwicklung einer ganzheitlichen Datenstrategie in den Fokus zu rücken.

Über den Autor

Christian Till Roga ist Senior Vice President T-Systems International und Managing Director Integrated Account DTAG.

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