SAP TechEd Berlin 2025 SAP TechEd 2025: Mit KI Geld verdienen

Von Dr. Dietmar Müller 5 min Lesedauer

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Geld machen mit KI? Davon träumen viele, sowohl Entwickler als auch Anwender. Um sie aber in großem Maßstab zu trainieren und in Anwendungen zu integrieren, wird ein Großteil der Entwickler gebunden. Rechnet sich KI überhaupt?

Die SAP TechEd 2025 fand dieses Jahr in der Messe Berlin statt.(Bild:  Dietmar Müller)
Die SAP TechEd 2025 fand dieses Jahr in der Messe Berlin statt.
(Bild: Dietmar Müller)

„Erfolg messen wir an Kundenzufriedenheit. Dies ist die oberste und bedeutendste Metrik für unsere Software“, bekundeten auf der SAP TechEd unabhängig voneinander sowohl Bharat Sandhu, Chief Marketing Officer, BTP, als auch Daniel Yu, Chief Marketing Officer, SAP Data and AI, im Gespräch mit IT-BUSINESS. Die Entwicklerkonferenz des größten Softwarekonzerns Deutschlands hat im November 2025 erstmals in Berlin stattgefunden. SAP kehrte nach hybriden und dezentralen Veranstaltungen zu einer großen, zentralen Präsenzveranstaltung für Europa zurück..

SAP treibt Migration auf S/4HANA mit KI voran

Gemeinsam mit zahlreichen Gästen diskutieren Vorstandsmitglied Muhammad Alam (SAP Product & Engineering), Philipp Herzig (CTO, SAP) und Michael Ameling (President, SAP BTP), wie moderne SAP-Technologien, Tools, KI und Agenten Ihnen helfen, sich auf neue Rollen einzustellen.(Bild:  Dietmar Müller)
Gemeinsam mit zahlreichen Gästen diskutieren Vorstandsmitglied Muhammad Alam (SAP Product & Engineering), Philipp Herzig (CTO, SAP) und Michael Ameling (President, SAP BTP), wie moderne SAP-Technologien, Tools, KI und Agenten Ihnen helfen, sich auf neue Rollen einzustellen.
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Die Zufriedenheit der Kunden hängt in erster Linie an funktionierender Software. Das ist im Fall der SAP eine besondere Herausforderung, läuft doch die Mainstream-Wartung für ältere SAP-Systemen allerspätestens Ende 2030 aus. Bis dahin sollen alle Anwender von älteren SAP-ERP-Lösungen auf die neue Generation SAP S/4HANA umgestiegen sein. Dabei soll auch Künstliche Intelligenz (KI) helfen, die selbstverständlich dieses Jahr das Hauptthema der Veranstaltung auf dem Messegelände war. Viele Keynotes, Verlautbarungen und Ankündigungen zielten darauf ab, die KI tief und fest in den Alltag von Entwicklern – das Zielpublikum des Events – und in die gesamte Wertschöpfungskette der Unternehmenssoftware zu integrieren:

  • Die SAP Business Data Cloud kann nun mit mehr Daten- und KI-Plattformen verbunden werden, was die Nutzung von Geschäftsdaten für Entwickler vereinfacht.
  • Eine neue Kooperation mit Snowflake soll Entwicklern mehr Möglichkeiten bieten, aus Geschäftsdaten und KI einen Mehrwert zu schaffen.
  • Eine neue Funktion in der HANA Cloud soll Beziehungen zwischen SAP-Datenbanktabellen und -Datenmodellen abbilden und erkennen können, wie Datensätze systemübergreifend zusammenpassen.
  • Und mit dem neu vorgestellten SAP-RPT-1 als Teil des Generative AI Hub der SAP AI Foundation erhielten Unternehmen schnelle und genaue Prognosen für alltägliche Geschäftsszenarien etwa in Logistik und Lieferketten, Finanz und Vertrieb.

KI soll Entwickler entlasten

Die diesjährige SAP TechEd 2025 fand vom 4. November bis zum 6. November in Berlin statt.(Bild:  Dietmar Müller)
Die diesjährige SAP TechEd 2025 fand vom 4. November bis zum 6. November in Berlin statt.
(Bild: Dietmar Müller)

Die Anwender wurden in Berlin aber nur indirekt adressiert – die TechEd ist ein Event für eingefleischte Nerds und Programmierer. Vorstandsmitglied Muhammad Alam betonte entsprechend gleich zur Eröffnung, dass sein Unternehmen den Entwicklern die Werkzeuge in die Hand geben will, um „Software mit der Geschwindigkeit von KI“ auszuliefern. Dafür plane man u. a. den massiven Ausbau von Schulungen, bis 2030 sollen weltweit zwölf Millionen Menschen KI-Kompetenzen vermittelt bekommen. Auch sei man dabei, praxisorientierter Schulungs- und Zertifizierungsprogramme auszubauen, nicht zuletzt durch eine Partnerschaft mit der Online-Lernplattform Coursera.

Muhammad Alam ist Vorstandsmitglied bei SAP und zuständig für SAP Product & Engineering.(Bild:  Dietmar Müller)
Muhammad Alam ist Vorstandsmitglied bei SAP und zuständig für SAP Product & Engineering.
(Bild: Dietmar Müller)

„Die besten Entwickler sind die faulen, und wir werden alles tun, damit sie noch fauler werden können“, scherzte Alam in seiner Keynote. Die Faulheit werde natürlich von der KI unterstützt, die den Programmierern viel Arbeit abnehme. Alam geht davon aus, dass wenigstens 30 Prozent der heutigen Tätigkeiten an KI-Agenten delegiert werden kann. Die Arbeit werde ihnen dennoch nicht ausgehen, „einfach weil es so viel zu tun gibt“.

Erweiterter Werkzeugkasten

Die KI werde sich künftig nicht nur in HANA und anderer Anwendungssoftware, sondern nicht zuletzt auch in Entwicklerwerkzeugen, bei der Datenintegration sowie den autonomen KI-Agenten auswirken: SAP erweitere den Werkzeugkasten für Entwickler, die nun ihre bevorzugten agentenbasierten Entwicklungslösungen direkt mit neuen lokalen Model-Context-Protocol-Servern von SAP Build verbinden könnten. Erweitert werde auch Visual Studio Code, was den direkten Zugriff auf SAP Build-Funktionen aus der gewohnten VS Code-Umgebung heraus erlaube.

„Entwickler, die gerne mit agentenbasierten Entwicklungslösungen wie Cursor, Claude Code, Cline oder Windsurf arbeiten, können nun SAP-Entwicklungsumgebungen mit neuen lokalen Model-Context-Protocol-Servern von SAP Build nutzen“, so Uma Rani T M, President und Chief Product Officer Private Cloud ERP, gegenüber IT-BUSINESS. „Nutzer von Visual Studio Code werden durch eine neue Erweiterung für SAP Build direkt in ihrer Entwicklungsumgebung auf Funktionen von SAP Build zugreifen können. Diese Erweiterung wird auch später in der Open VSX Registry für andere Entwicklungsumgebungen zur Verfügung gestellt.“

Darüber hinaus sei ein neuer ABAP MCP Server in der Entwicklung, um ABAP Cloud-Funktionen und ABAP KI-Fähigkeiten für Coding Agents verfügbar zu machen. Das Ziel sind selbstständig handelnde KI-Agenten, die Geschäftsprozesse automatisieren und anpassen können. Sie sollen den SAP-Geschäftskontext verstehen und sich eigenständig an ändernde Geschäftsbedingungen anpassen können. Dafür werde die Automatisierungsplattform nun integriert, um die Zusammenarbeit von SAP Joule Agents mit externen Software-Agenten zu ermöglichen.

KI soll Anwendungen vereinfachen

Nicht nur die Arbeit der Entwickler werde mit den genannten Neuerungen einfacher – auch den Anwendern würden viele Handgriffe abgenommen – was die eingangs angesprochene Key-Metric „Kundenzufriedenheit“ erhöhe. Die KI integriere über eine zentrale Schnittstelle alle Geschäftsdaten und -funktionen und werde so zum „Motor eines Unternehmens“. Dabei helfen sollen aktuell fast 300 KI-gestützte Anwendungsfälle – bis Ende des Jahres werden es laut Alam 400 sein.

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Dreh- und Angelpunkt der SAP-KI in Unternehmen soll aber der generative KI-Assistent Joule werden, der gerade tief in alle SAP-Anwendungen eingebaut werde. Das im August vorgestellte Werkzeug nutzt Natural Language Processing (NLP), um Geschäftsprozesse verständlich und intuitiv zugänglich zu machen. Dafür dirigiert der Assistent mehrere KI-Agenten, um komplexe, funktionsübergreifende Aufgaben zu bewältigen. Nutzer können sich mit ihm in natürlicher Sprache unterhalten und erhalten Echtzeit-Auskünfte.

Joule weicht starre Menüs auf zugunsten einer konversationsbasierten, KI-gestützten Workflow-Steuerung. Navigations- und Transaktionsaufgaben werden beispielsweise bis zu 90 Prozent schneller erledigt.

Muhammad Alam, Vorstandsmitglied bei SAP

Lohnen sich KI-Investitionen?

SAP investiert also analog zu den Wettbewerbern groß in KI. Aber rechnet sich das wirklich – nicht nur für die SAP, sondern gerade auch für die Anwender? Die Walldorfer sind davon überzeugt und stützen sich dabei auf eine neue Studie, die in Berlin präsentiertet wurde. Der „SAP Value of AI Report“ berichtet uns, dass deutsche Unternehmen 2025 im Schnitt knapp 30 Millionen Euro in KI-Projekte investieren. Dafür erwarten sie aber auch handfeste Ergebnisse: Laut Studie gehen sie bis 2027 von einer Verdopplung des Return on Investment (ROI) von heute 17 Prozent auf 31 Prozent aus. 77 Prozent der Unternehmen rechnen damit, dass sich ihre KI-Investitionen in weniger als drei Jahren amortisieren.

„Wenn KI mit hochwertigen Daten direkt in die Prozesse und betriebswirtschaftlichen Anwendungen eingebunden ist, erzielen Unternehmen einen Mehrwert und messbare Renditen – heute und in der Zukunft“, so abschließend Philipp Herzig, CTO und Chief AI Officer bei SAP.

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