Auch nach CEO-Wechsel Netgo hält weiter an der aktuellen Strategie fest

Von Mihriban Dincel 4 min Lesedauer

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Die Netgo Group wächst gut. Zukäufe über Zukäufe gibt der IT-Dienstleister in den letzten Jahren immer wieder bekannt. Und ein Ende scheint vorerst nicht in Sicht, zumindest, wenn es nach Michael Eberhardt geht, dem Interims CEO der Group.

Michael Eberhardt, Interim-CEO der Netgo Group, spricht über das Wachstum und die Strategie des Unternehmens.  (Bild:  Netgo Group)
Michael Eberhardt, Interim-CEO der Netgo Group, spricht über das Wachstum und die Strategie des Unternehmens.
(Bild: Netgo Group)

Bei der Netgo ist so einiges los, unter anderem große personelle Veränderungen an der Unternehmensspitze. Nachdem Oliver Mauss, der ehemalige CEO, das Unternehmen verlassen hat, übernahm vorläufig Michael Eberhardt diesen Posten, bevor im Sommer 2024 Jacques Diaz das Unternehmen leiten wird. In einem Gespräch verrät Eberhardt wie die weitere Strategie des Dienstleisters aussieht und wie es um das Wachstum steht.

Organisches und anorganisches Wachstum als klares Ziel

Netgo verfolge mit dem Investor Waterland eine klare Buy-and-Build-Strategie in Deutschland. Und an dieser halte man weiterhin fest. Anvisiert werden dabei mittelständische Systemhäuser. In der Pipeline der Gruppe befinden sich immer potenzielle Unternehmen. „Der Markt ist die Grenze“, antwortet Michael Eberhart, vorläufiger CEO der Gruppe, daher auf die Frage, ob es ein Limit für das anorganische Wachstum gibt. Gleichzeitig betont er: „Wir wollen keinen wilden Blumenstrauß zusammenkaufen. Es muss strategisch, geografisch und vom Financial Management her passen.“

Wir haben zunächst eine One-Size-fits-All-Strategie gefahren, aber sehr unterschiedliche Unternehmen akquiriert, mit unterschiedlichem Kundenfokus. Da braucht man andere Prozesse.

Trotz des Weggangs von Oliver Mauss strebt die Gruppe also keinen Strategiewechsel an. Es geht unbeirrt weiter. „Das ist die Strategie, die wir eingeschlagen haben und weiter konsequent verfolgen werden“, versichert Eberhardt. Wachstum ist weiterhin das Ziel – konkret plant die Netgo organisch schneller als der Markt zu wachsen, um die 7 Prozent. „Nach oben hin ungebremst. Das werden wir auch schaffen“, sagt Eberhardt standhaft. Und davon ist er trotz aktueller Kaufzurückhaltung seitens der Kunden überzeugt. Denn an einigen Stellen sei die Nachfrage zurückhaltend, an anderen Stellen das Wachstum stetig hoch: Alles rund um Cloud und Cloudifizierung, das Service-Geschäft, Software und Security, nennt der CEO. Das liegt insbesondere am Kundenklientel der Group, die sich auf Mittelständer fokussiert. Hier ist Unterstützung bei Cloud-Migrationen aufgrund der Projektgröße gefragt. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Security. Einige KMUs können diese nicht allein stemmen.

Nicht jede Strategie geht auf

Die 2022 gegründete Netgo Tax, IT-Spezialist für das Kanzleigeschäft mit starken Datev-Kompetenzen, sei ebenfalls ein Positivbeispiel, berichtet Eberhardt stolz. Hier laufe es besonders gut, auch was die Integration der akquirierten Unternehmen betrifft. „Da kommen Einheiten zusammen, die sehr gut zusammenpassen. Die Kultur ist klar und wir bewegen uns hier alle im mittelständischen Feld“, konkretisiert er.

Das sei aber nicht in allen Segmenten so, gesteht der Netgo-Chef. „Wir haben zunächst eine One-Size-fits-All-Strategie gefahren, aber sehr unterschiedliche Unternehmen akquiriert, mit unterschiedlichem Kundenfokus. Da braucht man andere Prozesse“, räumt er ein. Ein SAP-System wurde einführt, auf welches zunächst alle übernommenen Dienstleister gebracht werden sollten. Aber gerade hier im kleinteiligen Geschäft braucht es mehr Zeit und Finanzierungsmittel, um so ein Unterfangen durchzusetzen und entsprechend zu automatisieren. „Eine meiner ersten Entscheidungen, war daher mehr Flexibilität – temporär durchaus auch unterschiedliche Systeme zuzulassen. Die Unternehmen werden aktuell lediglich über eine Schnittstelle in das SAP-System integriert“, erklärt Eberhardt eine seiner Handlungen als CEO.

Diese Flexibilität und Art der Integration sorge für finanzielle Transparenz ohne großen Aufwand und gefährde vor allem die Kundenbeziehungen der einzelnen Unternehmen nicht. Denn starke interne Prozessänderungen betreffen auch die Kunden und könnten den ein oder anderen abschrecken. „Darin liegen nicht die Synergien“, postuliert Eberhart. Diese lägen vielmehr in derselben Unternehmenskultur.

Weitere Zukäufe mit Fokus auf Synergien

Trotz anfänglicher Schwierigkeiten sind weitere Zukäufe geplant. „Dauerhaft werden wir auf eine Systemlandschaft gehen, aber jetzt fokussieren wir uns auf Synergien im Marketing, Einkauf und GTM“, erklärt Eberhardt. Für die Segmente der Netgo Group ist man geografisch im Norden und Osten auf der Suche nach potentiellen Akquisitionen. Bei der Netgo Tax hingegen, geht es um die Unternehmensgröße. „Wir wollen auf dem Markt der sichtbare Player werden. Es gibt keine Region, die wir hier ausschließen“, so Eberhardt.

Der CEO wittert insbesondere starkes Wachstumspotenzial im Service-Geschäft und bei Managed Services. „Wenn man in die Zukunft blickt, wird später vieles as a Service passieren“, ist er überzeugt. Eberhardt würde hier daher gern existierende Player auf dem Markt zukaufen. Allerdings sind deren Preise alle relative hoch, weswegen er die Entscheidung des Investors, hier aktuell nicht zuzukaufen, nachvollziehen kann und für sinnvoll hält. Die Group setzt daher in diesem Bereich vorerst auf organisches Wachstum.

Akquisitionen und Portfolioausbau

Die Buy-and-Build-Strategie der Netgo Group gemeinsam mit dem Investor Waterland wird durch einen Blick auf das vergangene Jahr deutlich. 2023 vergrößerte der IT-Dienstleister unter anderem die Netgo Tax durch den Zukauf des Neu-Ulmer IT-Dienstleisters Glöckler & Lauer sowie der Nitsche Gruppe aus Kaufering. Und in diesem Jahr geht es damit unbeirrt weiter mit der Akquisition von Msystems, einem DATEV Solution- & Corporate-Partner und etablierten IT-Dienstleister für Steuerberatungs-, Anwalts- und Wirtschaftsprüfungskanzleien sowie mittelständische Unternehmen. Aber nicht nur die Netgo Tax wächst anorganisch. Ebenfalls wurde der Managed Cloud Service Provider ITgration Ende 2023 durch die Group übernommen, wodurch das Portfolio um Cloud-Technologien erweitert wurde. Organisch wächst die Netgo mit neuen Angeboten und Kompetenzen. Unter anderem kamen hier in diesem Jahr das Firewall-as-a-Service-Angebot (FWaaS) hinzu. Dieses beinhaltet neben Hardware und Lizenzen einen umfangreichen Support. Im Großen und Ganzen wird insbesondere das Cloud-Portfolio weiter ausgebaut.

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