Expertenmeinung Millionenschäden durch Cloud-Telefonie-Ausfälle

Von Heidi Schuster 2 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Ausfälle bei Cloud-Anbietern legen zunehmend auch Telefonie-Systeme lahm. Vodia-CEO Dr. Christian Stredicke warnt vor hohen finanziellen Schäden und rät zu Multi-Cloud-Strategien, Hybridlösungen und Backups, um Ausfallzeiten zu minimieren und Daten zu schützen.

Cloud-Telefonie ist eine internetbasierte Telefonielösung, bei der alle Funktionen einer traditionellen Telefonanlage von einem Drittanbieter in der Cloud gehostet werden. (Bild:  ChatGPT / KI-generiert)
Cloud-Telefonie ist eine internetbasierte Telefonielösung, bei der alle Funktionen einer traditionellen Telefonanlage von einem Drittanbieter in der Cloud gehostet werden.
(Bild: ChatGPT / KI-generiert)

Ausfälle großer Cloud-Anbieter wie Google Cloud oder Cloudflare können für Unternehmen erhebliche wirtschaftliche Folgen haben. Besonders betroffen ist die Cloud-Telefonie, die in vielen Betrieben zentrale Kommunikationsprozesse steuert.

Laut dem Cloud Report 2025 von Zscaler sind knapp zwei Drittel der deutschen Unternehmen auf Cloud-Dienste angewiesen. Eine Berechnung des Beratungsunternehmens Gartner zeigt: Eine Ausfallminute verursacht durchschnittlich Kosten von rund 5.150 Euro. Fällt ein Dienst einen ganzen Tag aus, kann der Schaden über sieben Millionen Euro betragen.

„Zentrale IT-Strukturen sorgen dafür, dass ein Fehler wie ein Dominoeffekt zu mehreren Ausfällen gleichzeitig führen kann“, sagt Dr. Christian Stredicke, CEO des Berliner Kommunikationsanbieters Vodia. Die zunehmende Verlagerung von Telefonie, Videokonferenzen und Meetings in die Cloud verschärfe die Abhängigkeit.

Multi-Cloud und Hybridlösungen als Absicherung

Um Risiken zu minimieren, empfiehlt Stredicke, Dienste auf mehrere Anbieter zu verteilen. So könne beispielsweise die Telefonie über einen europäischen Provider laufen, während Videokonferenzen bei einem anderen Anbieter gehostet werden. Alternativ bieten Hybridlösungen, die Cloud-Services mit lokal betriebener Infrastruktur kombinieren, mehr Kontrolle, erfordern jedoch höheren administrativen Aufwand.

Backups gegen Datenverlust

Regelmäßige, extern gespeicherte Backups sind ein weiterer Schutzmechanismus. Sie ermöglichen im Ernstfall eine schnelle Wiederherstellung, etwa nach Cyberangriffen oder Rechenzentrumsausfällen. Nicht alle Cloud-Dienste erlauben jedoch vollständige Sicherungskopien, die sich unabhängig vom Betreiber einspielen lassen.

Sicherheitsrisiken durch Software-Zugriffe

Ein weiteres Risiko sieht Stredicke in Anwendungen, die direkten Zugriff auf lokale Dateisysteme haben. Das erleichtere zwar Funktionen wie den Datei-Upload, könne aber auch zum Abfluss sensibler Unternehmensdaten führen. Als Alternative empfiehlt er den Einsatz von Progressive Web Apps (PWA), um potenzielle Angriffsflächen zu reduzieren.

Datennutzung für KI-Training im Blick behalten

Neben technischen Störungen warnt Stredicke auch vor der Datennutzung durch Cloud-Anbieter selbst. Manche Dienste könnten Gesprächsinhalte für das Training von KI-Systemen auswerten. Unternehmen sollten darauf achten, Anbieter zu wählen, die keine Inhalte analysieren – besonders bei sehr günstigen Angeboten.

Laut einer Umfrage halten nur 44 Prozent der Unternehmen ihre IT-Infrastruktur für widerstandsfähig. Stredicke betont, dass gezielte Schutzmaßnahmen nicht nur Daten und Prozesse sichern, sondern auch die Wettbewerbsfähigkeit langfristig erhalten können.

(ID:50513208)

Wissen, was läuft

Täglich die wichtigsten Infos aus dem ITK-Markt

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung