Cybersicherheit im Gesundheitswesen

Menschliche Zombies in der schönen neuen Cyberwelt

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Überlastungsangriffe (DoS) bedrohen bislang die Verfügbarkeit klinischer Internetseiten. Und schon „nach wenigen Stunden“ soll es diesen Seiten wieder besser gehen; nicht alle Patientinnen haben diese Zeit: 2015 wollen Wissenschaftler der Universität Washington einen Roboter per Überlastungsangriff „entführt“ haben – „und machten es einem Chirurgen unmöglich, aus der Ferne zu arbeiten.“ Seither ist es offenbar eher schlimmer geworden – Forscherinnen betonten im Frühjahr 2023, dass die Wahrscheinlichkeit von Cyber-Angriffen im Fall vernetzter medizinischer Dinge zunehme, „da es sich um das Konzept des IoT handelt, in dem Geräte, Protokolle und Betriebssysteme die heterogene Umgebung deutlich machen.“

Ärztliche Verschreibungen, die in den schlauen Uhren von Demenz-Patientinnen elektronisch gespeichert sind, sollen anfällig für Manipulationen zu sein. Und Letztere könnten sich per „SQL-Injection“ auch noch automatisieren lassen: „Die SQL-Injektion ist eine Technik, bei der Angreifer böswilligen Code in eine Website oder App einfügen, um unbefugten Zugriff zu erhalten und Informationen in einer Datenbank zu stehlen oder zu manipulieren.“

Bedroht sind jedoch auch die Dinge selbst: „Ein Hacker möchte Datenbanken mit sensiblen Daten wie Benutzernamen, Kennwörtern und Berechtigungen aufnehmen und sie ändern oder verwenden, um in ihrem virtuellen Umfang Fuß zu fassen. Dies könnte sie wiederum dem Zugriff auf andere verbundene Geräte näher bringen und letztendlich das gesamte Netzwerk übernehmen.“ SQL-Schwachstellen begünstigen Überlastungsangriffe und Infektionen mit Erpressungstrojanern.

Der Sicherheitsspezialist Richard Staynings weist auf die Risiken hin, die sich aus der Vernetzung von Allem mit Allem – einschließlich „Gesundheitsdienstleister […] weitläufige Netzwerke von alten und veralteten IT- und IoT-Systemen, [...] Versicherungen, Apotheken, Gesundheitszentren und Bevölkerungszentren [...] Geräten zur Diagnose, Überwachung, Verwaltung und Behandlung von medizinischen Beschwerden [...] verbundenen Gebäudemanagementsystemen, die Lifte, Überwachungskameras, Flure und Türen und Heizungs-, Klima- und Lüftungssysteme“ – und warnt: „Trotzdem haben Gesundheitsdienstleister tendenziell ein weitgehend ungenaues Inventar und Verständnis der Vermögenswerte, die mit ihren medizinischen Netzwerken verbunden sind, wodurch sie sich der Risiken, die diese Geräte darstellen, nicht bewusst sind. Diese mangelnde Sichtbarkeit ihrer IT-Infrastruktur beeinflusst die Integrität des Netzwerks und bringt die Sicherheit und das Wohlbefinden von Patienten in Gefahr.“

Die ungenaue Inventarisierung hindert die Protagonisten jedoch nicht an der Vergrößerung der Angriffsoberfläche – etwa durch „smarte Implantate“. So will etwa Professor Tim Pohlemann in der Orthopädie „ein maßgeschneidertes, intelligentes Implantat (entwickeln), das die Heilung von Knochenbrüchen ab der Operation permanent überwacht, bei Fehlbelastung warnt und durch eigene, gezielte Bewegungen direkt an der Bruchstelle den Heilungsprozess anregt“.

„Eine kritische Komponente bei der Entwicklung eines intelligenten Implantats ist die Entwicklung einer effizienten und robusten drahtlosen Antenne", sagt Dr. Arun Venkatasubramanian, Senior Vice President, Medical Technology Division bei Cambridge Consultants. Vernetzte Implantate sollen künftig nicht nur Lahme wieder gehen, sondern auch Blinde sehen und Taube hören lassen.

Bereits 2011 wurde gejubelt: „Die medizinische Implantationstechnologie wurde in den letzten 10 Jahren mit der Einführung des weltweiten Kommunikationsdienstes für medizinische Implantate (MICS 402-405 MHz) und in jüngerer Zeit Medradio (401-406) MHz-Band revolutioniert. Dies hat das Wachstum der Fernüberwachung mit einer verbesserten Patientenversorgung ermöglicht.“ Heute geht es um die Miniaturisierung solcher Technik: „So könnten Nanogeräte beispielsweise in Verbindung mit medizinischen Implantaten oder tragbaren Technologien zur Überwachung der Gesundheit einer Person eingesetzt werden“, orakelte die National Library of Medicine der USA vor ein paar Monaten.

Die Pessimisten befürchten allerdings „Angriffe auf menschliche Implantate“ und fragen: „Was ist, wenn sich jemand in Ihr Implantat hacken und Ihre Gedanken und Verhaltensweisen beeinflussen kann?“ Oder etwa das Hören und Sehen? Grade im Straßenverkehr könnte es sich als tödlich erweisen, wenn Ereignisse unterdrückt oder umgekehrt nicht Vorhandenes den Betroffenen vorgetäuscht wird?!

Werden Menschen mit ihren Daten erpresst und verhalten sich anschließend als willfährige Zombies, sind sie sich dessen bewusst. Mit falschen Sinneswahrnehmungen könnten die Menschen ferngesteuert selbst dieses Bewusstsein verlieren.

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Der Autor

Joachim Jakobs ist freier Journalist.

Dieser Beitrag stammt von unserem Partnerportal Healthcare Digital.

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