Kriminelle Attacken auf Unternehmen erreichen in Deutschland neue Rekordhöhen: Durch Sabotage, Datendiebstahl oder Spionage entsteht der deutschen Wirtschaft jährlich ein Gesamtschaden von 102,9 Milliarden Euro, meldet der Digitalverband Bitkom. Die Spur der Angreifer deutet dabei meist nach Osten, aber häufig auch auf ehemalige Angestellte.
Durch Sabotage, Datendiebstahl oder Spionage entsteht der deutschen Wirtschaft jährlich ein Gesamtschaden von 102,9 Milliarden Euro – analoge und digitale Angriffe zusammengenommen. Dabei waren drei Viertel der deutschen Unternehmen in den vergangen beiden Jahren von Angriffen betroffen.
„Umfang und Qualität der Angriffe auf Unternehmen haben dramatisch zugenommen“, sagt Bitkom-Präsident Achim Berg. „Die Freizeithacker von früher haben sich zu gut ausgerüsteten und technologisch oft sehr versierten Cyberbanden weiterentwickelt – zuweilen mit Staatsressourcen im Rücken.“
Demnach waren in den vergangenen beiden Jahren etwa 70 Prozent der befragten deutschen Unternehmen in irgendeiner Form Opfer eines analogen oder digitalen Angriffs. Im vergangenen Jahr richteten diese Attacken einen wirtschaftlichen Schaden von 102,9 Milliarden Euro an. Dieser Schadenswert wie auch die Zahl der betroffenen Unternehmen ist inzwischen beinahe doppelt so hoch wie noch im entsprechenden Zeitraum bis zum Jahr 2017. Damals lag die Quote bei 53 Prozent, der jährliche Schaden hatte im Zeitraum 2016/2017 etwa 55 Milliarden Euro betragen.
Diebstahl und Social Engineering häufige Delikte
Für ihre Studie hatte die Bitkom mehr als 1.000 Geschäftsführer und Sicherheitsverantwortliche quer durch alle Branchen repräsentativ befragt wurden. Demnach gab etwa jedes fünfte Unternehmen an (21 %), dass sensible digitale Daten abgeflossen sind. Bei 17 Prozent wurden Informations- und Produktionssysteme oder Betriebsabläufe aktiv digital sabotiert, bei jedem achten Unternehmen (13 %) ist die digitale Kommunikation ausgespäht worden.
Aber Attacken auf Unternehmen und wirtschaftliche Schäden finden weiterhin auch im erheblichem Maß auf nicht.digitalem Weg statt. So wurden beispielsweise bei knapp einem Drittel der Unternehmen (32 %) IT- oder Telekommunikationsgeräte entwendet. Sensible physische Dokumente, Maschinen oder Bauteile wurden bei jedem Sechsten gestohlen.
Weiterhin auf dem Vormarsch ist das so genannte Social Engineering. Dabei werden Mitarbeiter getäuscht, um an sensible Informationen zu kommen, mit denen dann in einem weiteren Schritt zum Beispiel Schadsoftware auf die Firmenrechner gebracht werden kann. Mehr als jedes fünfte Unternehmen (22 %) war davon analog betroffen, 15 Prozent digital.
Daten aller Art im Visier
Das Ziel der Attacken ist oft weit gestreut: Bei fast der Hälfte (46 %) der betroffenen Unternehmen wurden Kommunikationsdaten wie Emails gestohlen, die dann häufig als Grundlage für Folgeattacken dienen können. Bei jedem vierten Unternehmen sind durch digitale Angriffe jeweils Finanzdaten (26 %), Mitarbeiterdaten (25 %) und Kundendaten (23 %) abgeflossen. Kritische Geschäftsinformationen wie Marktanalysen oder Preisgestaltung sind bei jedem achten Unternehmen (12 %) in kriminelle Hände gefallen.
„Im globalen Wettbewerb kann jede Information über die Konkurrenz zum Vorteil werden“, sagt Berg. „Dafür greifen immer mehr Unternehmen zu kriminellen Mitteln.“
Vor allem ehemalige Mitarbeiter verursachen Schäden
Aber wer sind in der Regel die Täter? Häufig liegt die Gefahrenquelle in ehemaligen Mitarbeitern: Wer sind die Täter? Vor allem ehemalige Mitarbeiter verursachen Schäden. Ein Drittel der Betroffenen (33 %) sagt, dass sie von früheren Mitarbeitern vorsätzlich geschädigt wurden. Ein knappes Viertel (23 %) sieht vormals Beschäftigte in der Verantwortung, ohne ihnen ein absichtliches Fehlverhalten zu unterstellen.
Vier von zehn Betroffenen (38 %) führen Angriffe auf Einzeltäter bzw. so genannte Hobby-Hacker zurück. Bei einem Fünftel geht die Spur jeweils zur organisierten Kriminalität (21 %) oder zu konkurrierenden Unternehmen (20 %). Bei 12 Prozent stammen Attacken von ausländischen Nachrichtendiensten.
Angriffe kommen häufig aus Osteuropa – aber auch aus dem Inland
Auch wenn die regionale Herkunft nicht immer eindeutig ist, verorten fast drei von zehn Betroffenen (28 %) den Ursprung der Angriffe in Osteuropa (ohne Russland). Bei ähnlich vielen (27 %) stammen die Attacken aus China, 19 Prozent sehen Russland als Ursprung, dicht gefolgt von den USA (17 %).
Aber auch aus dem Inland ist die Bedrohungslage nicht zu vernachlässigen. Für vier von zehn Betroffenen (39 %) gingen kriminelle Handlungen aus Deutschland aus. Bei knapp einem Viertel der befragten Unternehmen (24 %) war dagegen keine eindeutige Herkunft des Angriffes auszumachen.
Interne Sicherheitsmaßnahmen sind entscheidend
Mitarbeiter sind aber nicht nur ein Angriffsherd. Häufig sind es gerade die eigenen Angestellten, die dafür sorgen, dass kriminelle Handlungen entdeckt und aufgeklärt werden. Sechs von zehn betroffenen Unternehmen (62 %) sind so erstmals auf Angriffe aufmerksam geworden. Mehr als die Hälfte (54 %) erhielt Hinweise auf Angriffe durch eigene Sicherheitssysteme, bei fast drei von zehn (28 %) war es hingegen reiner Zufall. Nur bei 13 Prozent der Unternehmen gingen erste Hinweise auf Delikte durch externe Strafverfolgungs- oder Aufsichtsbehörden ein.
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel IT-Medien GmbH, Max-Josef-Metzger-Straße 21, 86157 Augsburg, einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von Newslettern und Werbung nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung.
Auch deshalb fordern praktisch alle Unternehmen eine engere Zusammenarbeit mit Staat und Behörden. So sind 96 Prozent der Meinung, dass der Informationsaustausch zu IT-Sicherheitsthemen zwischen Staat und Wirtschaft verbessert werden sollte. Ebenso viele fordern, dass die zuständigen Behörden die Wirtschaft bei Fragen zur IT-Sicherheit besser unterstützen sollten. Nahezu alle (91 %) befragten Unternehmer finden, dass der Informationsaustausch zwischen staatlichen Stellen unzulänglich ist und verbessert werden sollte.
Bitkom: Staat und Behörden müssen aktiver werden
Für die Zukunft prognostiziert eine breite Mehrheit der Unternehmen eine weitere Verschärfung der Sicherheitslage. 82 Prozent gehen davon aus, dass die Zahl der Cyberattacken auf ihr Unternehmen in den nächsten zwei Jahren zunehmen wird.
„Staat und Behörden können Unternehmen noch besser bei der Gefahrenabwehr unterstützen, etwa durch ein umfassendes Lagebild und einen besseren Informationsaustausch“, sagt Berg. „Das von der Bundesregierung geplante Cyber-Abwehrzentrum plus sollte möglichst schnell aufgebaut werden, um das vorhandene Wissen bestmöglich zu teilen und anzuwenden.“
Ergänzend zum Thema: Goldene Regeln für den Wirtschaftsschutz
Gerade kleinere Unternehmen haben oft das Gefühl sicher zu sein, da man ja kein interessantes Ziel für Angreifer abgeben würde. Das ist aber ein Trugschluss: Die tatsächliche Größe Ihres Unternehmens ist Spionen und Cyberkriminellen grundsätzlich egal. Daher sollte in jedem Fall für einen Grundsätzlichen Schutz gesorgt werden. Der Branchenverband Bitkom hat fünf goldene Regeln für den Wirtschaftsschutz zusammengestellt, an denen sich Firmen orientieren können:
Prioritäten setzen
Es ist schwierig wenn nicht gar unmöglich, alle Informationen und Werte Ihres Unternehmens in gleichem Maße schützen. Darum ist es essentiell, richtig zu priorisieren und sich auf die „Kronjuwelen“ des Unternehmens zu konzentrieren:
Kerngeschäftsprozesse und notwendige Unterstützungsprozesse sollten identifiziert werden
Kritische Infrastrukturen für Ihr Unternehmen sollten bekannt sein
Sensible und unternehmenskritische Daten und Informationen sollten festgelegt sein
Entsprechende Sicherheitsmaßnahmen sind dann festzulegen, zu priorisieren und umzusetzen
Sicherheit ist Chefsache
Sicherheitsbewusste Mitarbeiter sind die beste Sicherheitsmaßnahme. Aber gerade darum ist es für Chefs essentiell, auch mit gutem Vorbild voran zu gehen. Führungskräfte und Mitarbeiter sollten gleichermaßen aktuelle Sicherheitsbedrohungen kennen und verstehen wie auch einen bewussten Umgang mit Informationen und Daten pflegen. Zudem sollten Mitarbeiter zu aktuellen Bedrohungen regelmäßig sensibilisiert werden.
Lassen Sie sich helfen
Der Markt an Sicherheitsdienstleistern ist groß und bietet für jedes Unternehmen, in jeder Größe, passende Services und Produkte. Identifizieren Sie Bereiche, in denen Sie Unterstützung benötigen, und sorgen Sie dafür, dass entsprechende, anforderungsgerechte Dienstleistungen beschafft werden.
Schweigen ist nicht immer Gold
Tritt ein Schadensfall ein, neigen manche Betroffene dazu, aus Scham oder Verärgerung lieber zu schweigen statt den Vorfall zu melden. Das ist aber eine schlechte Alternative, da Behörden dann auch nicht bei der Aufklärung des Vorfalls helfen können. Daher sollte in jedem Fall, auch schon im Vorfeld, eine enge und präventive Zusammenarbeit mit Sicherheitsbehörden sollte etabliert werden. Ebenso sollten stets intern wie extern relevante Ansprechpartner existieren. Wenn dann ein Angriff oder Schadensfall eintreten sollte, können auf diese Weise Ermittlungs- und Sicherheitsbehörden frühzeitig einbezogen werden. Das hilft, die Schadenshöhe so gering wie möglich zu halten und den möglichen Urheber ausfindig zu machen.
Sicherheit als Routine
Sicherheit ist ein kontinuierlicher Prozess. Bewerten Sie Ihre Gefährdungen und Maßnahmen regelmäßig. Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten sind festzulegen und Prozesse sowie Methoden zum Umgang mit Sicherheitsvorfällen zu definieren. Tritt dann ein Angriff ein, läuft die Schadensabwehr wie von selbst an.
Dieser Beitrag stammt von unserem Partnerportal Elektronikpraxis.