Neuanfang nach Erziehungs- oder Pflegezeit IT-Berufe sind die Zukunft für Frauen

Von Heidi Schuster

Zurück in den Beruf heißt nicht zurück zum alten Arbeitgeber. Lassen sich Beruf und Familie nur schwer vereinen, sind die Arbeitnehmer meist weg nach der Pause. Für Frauen wird die IT immer attraktiver.

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Die Gründe für einen Ausstieg aus dem Beruf sind vielfältig. Nicht immer ist die Entscheidung dafür freiwillig.
Die Gründe für einen Ausstieg aus dem Beruf sind vielfältig. Nicht immer ist die Entscheidung dafür freiwillig.
(Bild: matttilda - stock.adobe.com)

Die meisten Befragten der Studie „Zurück in den Beruf – Gleichberechtigt, Gebildet, Gefragt?“ der IU Internationalen Hochschule betrachten den Wiedereinstieg in den Beruf als Chance für eine Neuorientierung. Die Studienteilnehmer sind Personen, die sich in längerer Erziehungs- oder Pflegezeit befinden und nicht an ihren vorherigen Arbeitsplatz zurückkehren können oder wollen.

Konkret streben 46,4 Prozent für ihre Berufsrückkehr eine neue Tätigkeit an. 29,5 Prozent wollen bei gleicher Tätigkeit erweiterte Aufgaben oder mehr Verantwortung. Um dafür bessere Chancen zu haben, möchten sich neun von zehn Befragten (87,6 %) weiterbilden. 58,9 Prozent davon ausschließlich online. Außerdem ist für fast alle Befragten (91 %) eine freie Zeiteinteilung wichtig. Die Weiterbildung soll ihnen unter anderen ermöglichen, flexibler zu arbeiten. Mit 37,1 Prozent ist das der wichtigste Grund, gefolgt von dem Ziel, einen neuen Job zu finden (34,2 %), sich beruflich zu verändern (30,8 %t) oder ein höheres Gehalt (29,9 %) oder eine höhere Position (23,4 %) zu beziehen.

Gesundheit ist die beliebteste Branche für eine Weiterbildung (38,6 %), gefolgt von Marketing und Kommunikation (27,2 %). Der Bereich IT und Technik folgt mit 20 Prozent erst an dritter Stelle.

„Gesundheitsberufe sind in der Regel schlechter bezahlt, sehr anstrengend und weniger flexibel. Der Bereich IT ist dagegen ein klarer Zukunftsmarkt und bietet gerade Frauen, die nach einer Pause in den Beruf zurückkehren, beste Chancen. Viele Frauen haben noch Vorurteile und Vorbehalte gegenüber der Branche. Aber IT ist alles andere als trocken und abstrakt, sondern sehr konkret und sozial. Meine Erfahrung ist, dass ihr Interesse schnell geweckt wird, wenn sie einmal mit der Branche in Berührung gekommen sind“, sagt Prof. Dr. Alexandra Wuttig, Kanzlerin der IU.

Zufriedenheit reicht nicht aus

Obwohl 79,4 Prozent aller Befragten mit dem alten Arbeitgeber zufrieden waren, ist eine Rückkehr für sie nicht möglich oder nicht gewünscht: 28,1 Prozent der Befragten haben gekündigt, 45,1 Prozent eine Kündigung oder nach Auslaufen des Arbeitsvertrags kein neues Angebot erhalten.

Von den Befragten, die selbst gekündigt haben, gaben 40 Prozent an, dass Job und Familie unvereinbar gewesen waren. Bei 21,5 Prozent der Befragten wurde von ihrem Arbeitgeber nicht die Option eingeräumt, die Arbeitsstunden zu reduzieren.

„Beruf und Familie lassen sich schwer vereinen, besonders wenn es um Führungspositionen geht. Solche Positionen sind in der Regel auf Vollzeit ausgelegt. Es ist noch ein weiter Weg, bis alle Jobs teilbar und mit der Familie vereinbar sind“, sagt Prof. Dr. Regina Cordes, Prorektorin sowie Studiengangsleiterin New Work an der IU.

22,3 Prozent der Befragten befürchten, dass sie bei der Arbeitssuche aufgrund ihrer familiären Situation benachteiligt werden könnten. Der Großteil blickt aber optimistisch in die Zukunft: Rund 70 Prozent schätzen ihre Aussicht auf eine neue Tätigkeit sehr gut bis eher gut ein.

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