Den Marketingversprechen der Hyperscaler stellt Ionos einen vollständig kontrollierbaren Cloud-Stack und ein Bekenntnis zu Open Source entgegen. Emily Raidt und Tim Kartali berichten, wie Digitale Souveränität gelingen könnte.
Digitale Souveränität steht und fällt mit der Kontrolle über den eigenen Cloud-Stack.
(Bild: Midjourney / KI-generiert)
Digitale Souveränität bleibt ein zentrales Thema. Angesichts wachsender globaler Spannungen rückt zunehmend die Frage in den Vordergrund, wer künftig den „Cloud-Maschinenraum“ steuert. Auch auf dem Ionos Summit in Berlin dominierte das Thema. „Nach meinem persönlichen Eindruck ist die Politik derzeit von den Marketingbotschaften aus allen Richtungen verwirrt. Ich wünsche mir daher ein klares Commitment zu Open Source und eine Bevorzugung europäischer Lösungen“, erzählt Frank Karlitschek vom Softwarehersteller Nextcloud. Wie eng technische Unabhängigkeit und europäische Alternativen zusammenhängen, zeigt auch die neue Kooperation mit Ionos: Gemeinsam launchten beide Unternehmen den Ionos Nextcloud Workspace – eine Antwort auf proprietäre Plattformen wie Microsoft 365. „Digitale Souveränität bedeutet für mich Selbstbestimmung. Sie beruht auf vier Hebeln: Open Source, Multi-Vendor-Strategie, dem Datenstandort und dem Rechtsstandort der Muttergesellschaft“, erklärt Emily Raidt, Head of Channel Sales DACH bei Ionos.
Emily Raidt, Head of Channel Sales DACH bei Ionos.
(Bild: Ionos)
Die Selbstbestimmung greift aus Sicht des Unternehmens vor allem dort, wo die grundlegenden Dienste laufen – im eigenen Cloud-Maschinenraum, mit eigener Werkbank und eigenen Werkzeugen.
Technologische Souveränität gewinnt weltweit an Bedeutung
Das unterstreicht auch ihr Kollege Tim Kartali: „Es geht nicht nur um Rechtssicherheit im Land, sondern auch um technologische Souveränität. Bei Ionos zeichnet uns aus, dass wir den gesamten Cloud-Stack selbst betreiben und weitgehend unabhängig von Drittanbietern sind.“ Die Diskussion um Digitale Souveränität ist längst nicht nur europäisch. Auch auf der anderen Seite des Atlantiks wächst das Interesse. „In den letzten Monaten verzeichnen wir starken Zulauf, auch von US-Softwareherstellern“, berichtet Kartali. „Sie verspüren von Kundenseite Druck, eine europäische SaaS-Alternative zu den Angeboten von AWS und Azure bereitzustellen.“
Lokale Rechenzentren und klar getrennte Infrastrukturen
Ionos ist in 18 Märkten in Europa und Nordamerika aktiv. Das Unternehmen betreibt dort eigene Rechenzentren und setzt auf lokale Teams. „Kunden entscheiden selbst, mit welcher Rechtsgesellschaft sie den Vertrag schließen. Ebenso wählen sie das Datacenter, in dem ihre Daten und Workloads gehostet werden“, so Kartali. Damit bleiben die Infrastrukturen wie durch digitale Brandschotts getrennt: „Es gibt keine automatischen Cross-Connects.“ Wenn der Cloud-Stack beispielsweise lokal in Data Centern in den USA steht, wird er auch dort betrieben und ist abgekoppelt. Daten und Dienste kommunizieren nicht überregional miteinander.
Superscaler vs. Hyperscaler
Für die ersten neun Monate 2025 meldet Ionos ein stabiles Wachstum: 6,53 Millionen Kunden und einen Umsatz von 980,2 Millionen Euro (+6,2 %). Trotz breiter Produktpalette und internationaler Präsenz sieht man sich nicht als europäischer Hyperscaler. Vielmehr wird in der Branche vermehrt vom „Superscaler“ gesprochen. Kartali erläutert: „Wir begrüßen, dass es Definitionen wie Superscaler am Markt gibt. Denn die Hyperscaler sind als Weltkonzerne in nahezu allen Bereichen um ein Vielfaches größer – sei es bei den Mitarbeitern, den Services, der Entwicklungskompetenz oder den Rechenzentren. Es wäre vermessen zu behaupten, dass es einen europäischen Anbieter gibt, der auf Augenhöhe mit den Hyperscalern mitspielen kann.“
Tim Kartali, Head of Global Partner Sales bei Ionos
(Bild: Ionos)
Channel-Strategie: Training, Enablement und gemeinsame Lösungen
Auch im Partnerökosystem will Ionos die Kompetenzen im Cloud-Maschinenraum stärken. Das Unternehmen setzt laut Raidt auf „eine ausgewogene Mischung aus großen MSPs und Local Heroes“. Das Aufschlauen bildet ein Kernelement der verschiedenen Partnerprogramme. „Wir setzen einen hohen Fokus auf Enablement und Trainings und schauen, dass unsere Cloud-Architekten die Partner supporten und bei den Projekten begleiten. Wir haben auch Account-Manager, die die Endkunden gemeinsam betreuen – das sind Vorteile, mit denen wir uns von anderen Partnerprogrammen abheben. Ziel ist es, die Partner weiterzuentwickeln und sie auf die nächste Stufe zu heben“, so Raidt.
Partner vernetzen und Migrationen fördern
Auch die Zusammenarbeit innerhalb des Netzwerks soll vertieft werden. „Unser Ziel ist, die Partner untereinander zusammenzubringen, damit sie gemeinsame Lösungen entwickeln und umsetzen. Dafür haben wir beispielsweise in diesem Jahr die Ionos-Partnerroadshow Ionos Connect gestartet.“ Wechselwilligen Kunden sollen auch im nächsten Jahr wieder Anreize geboten werden. „Gemeinsam mit unseren Channel-Partnern bieten wir Kunden, die von On-Premises oder aus Umgebungen wie Hyperscalern oder lokalen Hostern kommen, bei einer Migration in die Ionos Public oder Private Cloud und einem Commitment von mindestens zwölf Monaten eine Migrationskostenübernahme von bis zu 100.000 Euro. Das erleichtert die Umsetzung solcher Projekte enorm; die Kampagne kommt sehr gut an und läuft auch im nächsten Jahr weiter“, kündigt Raidt an.
Stand: 08.12.2025
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