Intels Clearwater Forest ist da. Der große Xeon mit E-Cores und bis zu 288 Skymont-Kernen ist vor allem für Cloud- und Enterprise-Anwendungen gedacht, die viele und effiziente Cores benötigen. Dazu zählen etwa Hosting, Mediastreaming oder Telco-Anwendungen.
Kevork Kechichian, Executive Vice President für die Data Center Group bei Intel, präsentiert auf der Computex den Xeon 6+ mit bis zu 288 E-Cores.
(Bild: Intel Corporation)
Intel unterscheidet beim Datacenter, das auch Teil einer Public Cloud sein kann, zwischen drei Typen: dem Foundational Datacenter, in den herkömmliche Business- oder Cloud-Anwendungen laufen, die das Rückgrat eines Unternehmens bilden, dem Intelligence Center für Inferenz und Agentic AI sowie dem Frontier AI Training Center, in dem auf Massen von GPU-Servern Modelle im großen Maßstab trainiert werden. Ein massives Wachstum findet derzeit bei den beiden KI-Bereichen statt, aber die traditionellen Anwendungen, zu denen auch Cloud-native Workloads gehören, werden auch 2030 noch 50 Prozent aller Workloads ausmachen und mindestens so viel Rechenleistung beanspruchen wie heute, ist Kevork Kechichian, Executive Vice President für die Data Center Group bei Intel, überzeugt. Daher sieht der Chef von Intels Datacenter-Sparte gute Chancen für den auf der Computex vorgestellten Xeon 6+. Der auch als Clearwater Forest bekannte Prozessor soll mit seinen bis zu 288 E-Cores und einer hohen Effizienz vor allem in Anwendungsbereichen glänzen, in denen niedrige Betriebskosten gefragt sind. Als Beispiele nennt Intel Webhosting und Microservices, Media-Streaming und Transcoding, Online Transaction Processing und nichtrelationale Datenbanken sowie Telco-Anwendungen und Distributed Storage.
Der Xeon 6+ ist der Nachzügler in Intels Xeon-6-Familie, die bisher aus Granite Rapids, also Xeon 6 mit P-Cores, und dem kleineren E-Core-Prozessor Sierra Forest mit maximal 144 E-Cores besteht. Wie der neue Codename und das Pluszeichen in der Typenbezeichnung andeuten, ist der der Xeon 6+ nicht einfach nur ein verdoppelter Sierra Forest, sondern eine Weiterentwicklung. So kommen nun schneller E-Cores der Skymont-Generation zum Einsatz, statt der Crestmont-E-Cores in Sierra Forest. Auch der bei Sierra Forest maximal 108 MB große Cache ist nicht einfach verdoppelt, sondern auf bis zu 576 MB gewachsen. Zudem verfügt der für den großen Sockel LGA7529 bestimmte Xeon 6+ über zwölf statt acht Speicherkanäle für bis zu 1,5 TB DDR5-8000. Sierra Forest unterstützt nur DDR5-6400. Vor allem ist Clearwater Forest die erste Server-CPU von Intel, für deren Compute-Tiles der neue 18A-Produktionsprozess genutzt wird. Für die bisherigen Xeon-6-Modelle nutzt der Chiphersteller noch das Intel-3-Verfahren. Daher ist Clearwater Forest effizienter geworden. Er kommt bei 2,2 GHz Base Clock mit 450 Watt aus und bei konfigurierbaren 1,7 GHz mit 330 Watt. Sierra Forest konsumiert mit 144 Cores 250 Watt.
Weiterhin an Bord sind die üblichen integrierten Beschleuniger: Data Streaming Accelerator (DSA), In-Memory Analytics Accelerator (IAA), Dynamic Load Balancer (DLB) sowie QuickAssist Technology (QAT) für Datenkompression und Verschlüsselung.
Hardware-basierte Telemetrie
Eine Neuheit, die Intel mit dem Xeon 6+ einführt, ist die Application Energy Telemetry (AET). Sie ist eine hardware-basierte Telemetrie, die Aktivität des Prozessors und Energieverbrauch mit dem Verhalten von Anwendungen verknüpft und so den Energieverbrauch auf Workload-Ebene erfassen kann. Intel AET kann dabei Aktivität und Energieverbrauch kompletter Applikationen dokumentieren, aber auch die einzelner VMs, Container und sogar Threads. Entwickelt wurde AET für Linux und Cloud-native Betriebsmodelle. Es soll den Betreibern von Rechenzentren in Unternehmen oder bei Providern einen besseren Überblick über Auslastung und Energieverbrauch ihrer Server verschaffen. Das soll die Betreiber bei der Optimierung ihrer Ressourcen, der Kapazitätsplanung und beim Reporting unterstützen.
Intel AET wird auch Diamond Rapids unterstützen, Intels nächster P-Core-Xeon für anspruchsvollere Anwendungen, den Intel bei der Keynote kurz erwähnte. Er wurde für Aufgaben wie Agentic AI oder, im Gespann mit GPUs von Nvidia, für das LLM-Training entwickelt. Diamond Rapids wird neue P-Cores aufweisen, die in Intels 18A-P-Prozess gefertigt werden. Das P steht dabei für die um neun Prozent höhere Performance bei gleicher Leistungsaufnahme im Vergleich zu 18A. Diamond Rapids wird zudem über bis zu 192 Cores verfügen, soll die doppelte Speicherbandbreite von Granite Rapids schaffen und wird PCIe Gen 6 unterstützen. Dennoch wird dem Prozessor wohl kein langes Leben beschieden sein. Denn er wird kein Hyperthreading unterstützen, was ihn gegenüber AMDs kommender Epyc-Venice-Generation mit bis zu 265 Cores und 512 Threads ins Hintertreffen geraten lässt. Intels CEO Lip-Bu Tan hat bereits angekündigt, dass Hyperthreading, Intels SMT-Implementierung, in der darauffolgenden Xeon-Generation zurückkommen soll. Sie wird derzeit unter dem Codenamen Coral Rapids entwickelt und soll auf die Mainboards für Diamond Rapids passen. Das ist für Intel auch notwendig, um den immer noch steigenden Marktanteil von AMD im Server-Sektor zu bremsen und sich dem neuen Konkurrenten Nvidia mit seinen Vera-CPUs zu erwehren.
CPUs und GPUs für KI-Workloads
Am Thema KI kam Intel auch auf der Computex natürlich nicht vorbei. Auf der Messe gab das Unternehmen einen Ausblick auf die Datacenter-GPU Crescent Island. Die GPU basiert auf der Xe3P-Architektur, einem Upgrade von Xe3, und soll primär für Inferenz und Agentic AI eingesetzt werden. Intel nutzt hier als Speicher nicht HBM, sondern preisgünstigere LPDDR5x-Chips, die auf der luftgekühlten 350-Watt-Karte sitzen. Intels eigene Karte wird mit 160 GB RAM bestückt, OEM-Karten können mit bis zu 480 GB kommen. Es gibt Gerüchte, dass Intel für die eigenen Karten die 8-GB-Speicherchips verwendet, die für Lunar Lake bestellt und nicht mehr benötigt werden. Crescent Island wird auch von Nvidia Dynamo unterstützt werden. Dynamo ist ein verteiltes Inferenz-Serving-Framework für die Workload-Verteilung auf GPUs.
Stand: 08.12.2025
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Zudem intensiviert Intel die Zusammenarbeit mit dem Silicon-Valley-Startup Sambanova, der eine so genannte RDU (Reconfigurable Dataflow Unit) entwickelt hat, die bei KI-Inferenz und Agentic AI schneller und effizienter arbeiten soll als GPUs. Intel Capital gehört zu den Investoren von Sambanova, Lip-Bu Tan und Kechichian sitzen im Board of Directors der Firma.
Ein heißes Thema ist Physical AI, also die Nutzung von KI für mehr Flexibilität bei Maschinen und als Grundlage für humanoide Roboter. Hier will Intel dem Marktführer Nvidia mit seinen Panther-Lake- und Wildcat-Lake-Prozessoren sowie mit OpenVINO Physical AI Konkurrenz machen. Intel verspricht, dass Panther Lake bei Real-World-Physical-AI-Anwendungen schneller und effizienter arbeitet als Nvidias Jetson Thor.