Studie von Avantgarde Experts Home oder Office?

Redakteur: Heidemarie Schuster

Ist das Homeoffice der heimliche Star oder der stille Verlierer nach der Pandemie? Eine Studie von Avantgarde Experts zeigt, wie es den Menschen bisher im Homeoffice ergangen ist und wie das Lockdown-Auf-und-Ab am Gemüt und damit am privaten wie beruflichen Alltag zerrt.

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Nicht alles im Homeoffice ist eitel Sonnenschein.
Nicht alles im Homeoffice ist eitel Sonnenschein.
(Bild: Alla – stock.adobe.com)

Seit gut 14 Monaten nimmt die Corona-Pandemie in Deutschland ihren Lauf und damit sind auch viele Angestellte seit über einem Jahr im Homeoffice. Eine Studie des Personaldienstleisters Avantgarde Experts und Splendid Research zeigt, wie es den Menschen seit April 2020 bis heute im Homeoffice ergangen ist. Durch die steigenden Impfzahlen kehren auch wieder mehr Menschen zurück ins Büro. Es macht den Anschein, dass Arbeitnehmer innerlich zerrissen sind: Einerseits sind sie sehr zufrieden wieder Office-Luft zu schnuppern, um der sozialen Isolation zu entkommen. Andererseits bieten die eigenen vier Wände weiterhin mehr Produktivität und Entspannung sowie weniger Stress. Trotz dieses Dilemmas ist die Bereitschaft zur Veränderung – beruflich oder privat – im Gegensatz zum Oktober 2020 drastisch gesunken. Die Loyalität zum Arbeitgeber bleibt trotz Homeoffice und Remote Work hoch.

Unternehmerisch wünschen sich die Studienteilnehmer im Vergleich zum April 2020 vor allem eines: dass ihr Unternehmen die Krise überlebt. Die Sehnsucht nach Innovation im Vergleich zum Oktober 2020 ist abgeklungen und einem loyalen Überlebenskampf gewichen. Etabliert hat sich Homeoffice bereits in der Arbeitskultur der Unternehmen und die Menschen haben sich mal besser, mal schlechter arrangiert – über die Hälfte der Befragten würde am liebsten für immer von zu Hause arbeiten. Wäre da nicht dieses sich immer deutlicher herauskristallisierende Gefühl von Einsamkeit. Und auch die Stimmung wandert immer weiter in den Keller.

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Die Psyche leidet

Die Umfragewerte lassen erkennen, dass die Befragten die Auswirkungen der Pandemie wieder ähnlich stark spüren wie im April 2020. Sie sind niedergeschlagen und leiden unter Einsamkeit sowie psychischen Beschwerden. Überraschenderweise haben vor allem Paare mit einem verstärkten Gefühl von Einsamkeit (65 %) und negativer Stimmung (71 %) zu kämpfen.

Männer leiden mehr

In Bezug auf die Arbeitsstätte scheint sich nach einem Jahr Corona eine innere Zerrissenheit breit zu machen. Erstaunlicherweise sind diejenigen am zufriedensten, die wieder jeden Tag im Büro verweilen, an letzter Stelle die, die ausnahmslos im Homeoffice sitzen. Trotz geringerer Zufriedenheit will jedoch über die Mehrheit am liebsten für immer im Homeoffice bleiben. Was immer mehr bröckelt ist die Work-Life-Balance. Vor allem Männern (52 %) macht die mentale Entgrenzung zwischen Arbeit und Privatleben mittlerweile zu schaffen.

Dem Arbeitgeber soll es gut gehen

Für Unternehmen zeichnet die Krise eine überwiegend gute bis sehr gute Bilanz. Die Umstrukturierung auf digitale Kanäle bekommt aktuell sogar von über 80 Prozent der Befragten Lob. Vor allem die Konzerne sind es, die hier von ihren Angestellten positiv bewertet werden. Im Vergleich zur zweiten Welle ist die Sehnsucht nach Innovation und Macher-Typen dem Wunsch nach wirtschaftlichem Fortbestehen und dem Erhalt von Arbeitsplätzen gewichen. So wollte im Oktober 2020 der Großteil der Befragten sowohl das berufliche als auch das private Leben umkrempeln. Aktuell streben nur noch knapp 15 Prozent private und ein Drittel berufliche Veränderungen an.

Über die Studie

Die repräsentative Studie des Personaldienstleisters Avantgarde Experts über die Arbeitswelt in Deutschland während der Corona-Pandemie 2020/2021 wurde unter in Deutschland lebenden ArbeitnehmerInnen zwischen 18 und 69 Jahren durchgeführt (N = 505, 1.015, 1.008), die während der Pandemie die Möglichkeit zu Homeoffice haben. Befragt wurden diese über ein aktiv und passiv rekrutierendes Online Access Panel durch Splendid Research im April und Oktober 2020 sowie im März 2021.

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