Über 11.000 Cloud-Enthusiasten kamen dieses Jahr zum Cloudfest nach Rust. Unter dem Motto „The human edge: Finding your place in an AI world“ wurde über die Zukunft von Cloud und KI debattiert. Der Datenhunger der KI bereitet Kopfschmerzen und Freude.
Ein Highlight des Coudfest war ein Gespräch mit Albert Einstein, realisiert durch Deep-Fake-Technologie, in dem der Physiker über Ethik, KI und die Zukunft der Menschheit sprach.
(Bild: Midjourney/ KI-generiert)
Die Organisatoren Christian Jäger und Sören von Varchmin eröffneten die diesjährige Ausgabe des Cloudfests mit den Worten des Autors David Brooks: „Wenn du im Zeitalter der KI erfolgreich sein willst, musst du außergewöhnlich gut darin werden, dich mit anderen zu vernetzen.“ Diese Botschaft zog sich wie ein roter Faden durch die Veranstaltungen, die sich um die Megathemen KI, Sicherheit und digitale Souveränität drehten. Für die internationale Cloud-Community und 150 Aussteller bot das Event zahlreiche Networking-Möglichkeiten. In einem Bühnengespräch wurde sogar Albert Einstein mittels Deep-Fake-Technologie zum Leben erweckt und zu seinen Gedanken zur KI-Revolution interviewt. Im Mittelpunkt stand die Frage: Welche Rolle spielt der Mensch in einer von KI geprägten Welt? KI allein reicht nicht – Unternehmen müssen ihre Dienstleistungen anpassen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Die Basis dafür sind KI-taugliche IT-Infrastrukturen, um neben der menschlichen auch für die technologische Vernetzung zu sorgen.
KI-Boost
Mit der steigenden Nachfrage nach diesen Infrastrukturen rücken daher Colocation-Anbieter immer stärker in den Fokus. KI braucht enorme Serverkapazitäten und Energie. „KI ist ein richtiger Boost für die Branche, der uns aber auch viele Probleme und Kopfschmerzen bringt“, sagt Jerome Evans, Gründer und CEO des Colocation-Anbieters Firstcolo. Sein Unternehmen betreibt bereits zwei Rechenzentren in Frankfurt, die vollständig mit Strom aus erneuerbaren Energien versorgt werden. Auf dem Cloudfest stellte Firstcolo die Pläne für ein weiteres Rechenzentrum in Rosbach vor. Das 11.555 Quadratmeter große und 250 Millionen Euro teure Megaprojekt mit einer Gesamtleistung von 27 Megawatt soll bis 2027 fertiggestellt werden. Die Suche nach einem geeigneten Standort gestaltete sich schwierig: „Wir haben uns im gesamten Rhein-Main-Gebiet umgeschaut. 50 Grundstücke habe ich mir angesehen – bei 48 davon reichten die Strommengen nicht aus.“ Die modularen Räume fassen fast 2000 Server-Racks mit Luft- oder Flüssigkühlung. Für die Nutzung der Abwärme wird auf dem Grundstück eine Wärmestation aufgebaut, von der die Abwärme in das Nahwärmenetz eines Neubaugebiets der Stadt Rosbach geleitet wird.
Digitale Souveränität und europäischer Wettbewerb
Die zunehmenden Investitionen der Konkurrenz aus den USA und China machten das Thema digitale Souveränität zu einem zentralen Gesprächspunkt des Cloudfests. Unternehmen wie die Schwarz-Gruppe oder der französische Anbieter OVHcloud versuchen, ein Gegengewicht zur Dominanz der US-Hyperscaler zu schaffen. Ein Vorteil europäischer Anbieter ist der Standort: „Wir haben festgestellt, dass deutsche Kunden auch gerne bei deutschen Providern Kunde sind. Das spielt uns in die Karten“, freut sich Evans.
Jerome Evans, Gründer und Geschäftsführer, firstcolo
(Bild: firstcolo)
Auch er unterstreicht die Bedeutung eines starken europäischen Wettbewerbs: „Wir würden einen echten europäischen Wettbewerb bevorzugen. Es wäre wichtig, dass die Wertschöpfung nicht vollständig von Europa in die USA abfließt, sondern dass auch starke europäische Cloud-Anbieter gefördert werden. Nur so können wir unsere Eigenständigkeit bewahren.“ Dasselbe gilt auch für den Bereich KI: Europa braucht eigene Lösungen, um international nicht ins Hintertreffen zu geraten.
Die Qualität von KI-Modellen hängt stark von der Verfügbarkeit hochwertiger Daten ab. Während der Storage-Bedarf früher linear planbar war, sieht es heute ganz anders aus. „Durch den KI-Hype droht die Notwendigkeit an Storage-Kapazitäten ins Unermessliche zu steigen“, sagt Rainer Kaese, Senior Manager Business Development Storage Products bei Toshiba.
Obwohl SSDs in puncto Geschwindigkeit HDDs längst überholt haben, bleibt die klassische Festplatte im RZ unverzichtbar. „In Hintergrundspeichern kommen Festplatten im großen Stil und in großen Mengen zum Einsatz“, erklärt Kaese. Im Verbund mit vielen HDDs, der richtigen Konfiguration und einer schnellen Netzwerkverbindung können Festplatten vergleichbare Ergebnisse wie SSDs liefern – bei deutlich geringeren Kosten. Daher sind sie nach wie vor essenzieller Bestandteil der IT-Infrastrukturen von Cloud- und Rechenzentrumsanbietern.
Rainer W. Kaese (Toshiba) zeigt auf dem Cloudfest, warum die klassische Festplatte noch lange nicht tot ist. Netzwerkverbindung und Konfiguration sind entscheidend.
(Bild /Video: Vogel IT-Medien)
Damit das gelingt, ist die Wahl der richtigen Partner entscheidend: „In der noch relativ jungen Cloud-Branche arbeiten die Unternehmen mit Lean Operations. Das operative Geschäft des Einkaufs ist an Distributionspartner ausgelagert.“ Bei Toshiba erfolgt es zu großen Teilen über TD Synnex, Exertis und Ingram Micro.
Stand: 08.12.2025
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„Der Channel bleibt der Hauptvertriebsweg für die Festplatten als Komponenten. Selbst die großen Rechenzentren kaufen oft über den Channel, weil der Channel mehr macht als Boxen schieben“, so Kaese. Das Cloudfest 2024 hat erneut bewiesen: Ob in Rechenzentren oder im persönlichen Austausch: In der KI-Ära ist Vernetzung der Schlüssel zum Erfolg.