Cloud-Duell um Souveränität und Funktionalität Timetoact vergleicht EU-Clouds und US-Hyperscaler

Von Alexander Siegert 3 min Lesedauer

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In einem neuen Assessment-Paper nimmt die Timetoact Group die großen Cloud-Provider unter die Lupe. Angebote europäischer Anbieter müssen sich nicht verstecken, aber auch die Nutzung von US-Clouds sei mit EU-Compliance vereinbar.

Das Assessment-Paper der Timetoact Group vergleicht die großen Cloud-Anbieter – europäische Lösungen müssen sich nicht verstecken.(Bild:  Midjourney / KI-generiert)
Das Assessment-Paper der Timetoact Group vergleicht die großen Cloud-Anbieter – europäische Lösungen müssen sich nicht verstecken.
(Bild: Midjourney / KI-generiert)

Souveränität und Compliance zählen neben funktionalen Aspekten zu den zentralen Kriterien bei der Auswahl von Cloud-Anbietern in Wirtschaft und öffentlicher Verwaltung. Vor diesem Hintergrund hat die Timetoact Group ein Cloud-Assessment vorgestellt, das europäische Anbieter und US-Hyperscaler systematisch vergleicht.

US-Clouds und europäische Anbieter im Vergleich

Das Assessment stellt die Angebote von Amazon Web Services, Microsoft Azure und Google Cloud den europäischen Cloud-Diensten von OVHcloud, StackIT und Ionos gegenüber. Grundlage des Vergleichs sind mehr als 100 technische Kriterien. Ziel ist ein detaillierter Vergleich der Leistungsfähigkeit unter Berücksichtigung der EU-Souveränität.

Heinz-Peter Steiner, Leiter des Sektors Öffentliche Verwaltung bei der Timetoact Group(Bild:  Timetoact)
Heinz-Peter Steiner, Leiter des Sektors Öffentliche Verwaltung bei der Timetoact Group
(Bild: Timetoact)

Heinz-Peter Steiner, Leiter des Sektors Öffentliche Verwaltung bei der Timetoact Group, erklärt hierzu: „Die europäischen Anbieter müssen sich funktional gegenüber ihren US-Pendants keineswegs verstecken. Bei Berücksichtigung der EU-Compliance fällt die Entscheidung oft zugunsten in der Europäischen Union ansässiger Cloud-Anbieter und Hyperscaler aus. Letztlich entscheiden die konkreten Anforderungen der jeweiligen Behörde oder des Unternehmens über die Wahl des Partners.“

Empfehlungen für verschiedene Einsatzszenarien

Das Cloud-Assessment enthält konkrete Empfehlungen für Behörden und Unternehmen. Die Ionos Cloud wird für kostenbewusste Anwender mit Fokus auf die Europäische Union und den Bedarf an einem Mix aus Shared- und Dedicated-Hardware empfohlen. StackIT eignet sich laut Vergleich für Organisationen, bei denen Sicherheit und Vertrauen eine hohe Priorität besitzen. OVHcloud adressiert kostenbewusste Anwender, die weltweite Skalierbarkeit bei gleichzeitiger Einhaltung des EU-Datenschutzes benötigen.

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Auch zu den US-Anbietern trifft Timetoact klare Aussagen. AWS wird für Innovationstreiber mit internationaler Skalierung empfohlen, Azure für Unternehmen mit einer starken Microsoft-Ausrichtung. Google Cloud richtet sich an datengetriebene Organisationen und Entwickler mit einem Fokus auf Innovation. In allen Fällen handelt es sich laut Timetoact „eindeutig um US-Clouds“, auch beim Angebot der viel diskutierten AWS European Sovereign Cloud.

US-Clouds und EU-Compliance kein Widerspruch

Ein weiterer Schwerpunkt des Assessments liegt auf der Nutzung von US-Clouds im Einklang mit EU-Compliance. „Wenn es eine US-Cloud sein soll, gibt es dennoch viele Wege, alle in der EU geforderten Compliance-Regularien einzuhalten“, bringt Timetoact-Behördenchef Heinz-Peter Steiner eine wesentliche Essenz des Cloud-Assessments auf den Punkt.

Essenziell sei die Verschlüsselung sensibler Daten mit Bring Your Own Key. Für AWS empfiehlt der Dienstleister den Einsatz des Nitro-Prozessors mit verschlüsselter Datenübertragung. Bei Azure wird die Nutzung virtueller Maschinen mit zusätzlichen Sicherheitsfunktionen, insbesondere Hardware-Verschlüsselung, angeraten.

Beim Einsatz von Google Cloud sorgen von T-Systems betriebene Souveränitätskontrollen für die Einhaltung der Datenhoheit-Compliance. Der Zugriff des Providers auf den Key Management Service wird dabei technisch unterbunden, sodass kein Zugriff auf verschlüsselte Kundendaten möglich ist.

Zur Methodik

Der Cloud-Vergleich deckt ein breites Spektrum strategischer IT-Themen ab. Die Analyse reicht von Network und Security über Hot und Cold Storage sowie Managed Databases bis hin zu Big Data, Orchestrierung und Virtualisierung. Zudem berücksichtigt das Assessment regulatorische Zertifizierungen sowie Technologien wie Künstliche Intelligenz, Machine Learning und Quantum Computing. Bewertete Kostenindikatoren ergänzen die Analyse.

Kommentar

Digitale Souveränität ist derzeit vieles, vor allem aber ein politisch aufgeladenes Schlagwort. Kaum ein Panel, kaum ein LinkedIn-Post kommt ohne erhobenen Zeigefinger aus. Was dabei oft fehlt, ist Sachlichkeit. Statt sauber zwischen Technik, Recht und Risiko zu unterscheiden, wird der Begriff zum Kampfbegriff umgedeutet. US-Cloud gleich böse, EU-Cloud gleich gut. So einfach ist die Welt dann doch nicht. Gleichzeitig wäre es naiv, geopolitische Risiken, einen möglichen politischen Kurswechsel in den USA oder die Implikationen des Cloud Act auszublenden. Digitale Souveränität entsteht jedoch nicht durch Herkunftsromantik, sondern durch Architektur, Verschlüsselung und Governance. Gefragt ist Differenzierung statt Polarisierung und eine nüchterne Entscheidung darüber, welche Workloads in welche Cloud gehören. Ein One-fits-all gibt es in der Regel nicht. Alles andere ist weniger Strategie als Symbolpolitik mit Serveranschluss.

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