Manch ein Co-Location-Anbieter scheint darauf zu warten, dass ihnen strengere Regeln für den Umgang mit den Ressourcen Wasser und Strom auferlegt, obwohl klar ist, dass ihre Rechenzentren bis 2030 klimaneutral sein sollen. Bei EMC – Home of Data ticken die Uhren anders.
Seit 7. April dieses Jahres firmiert der Münchner Co-Location-Anbieter EMC HostCo unter einer neuen Bezeichnung: „EMC - Home of Data".
(Bild: EMC - Home of Data)
„Gewinnmaximierung kann nicht das Ziel sein“, sagt Bernhard Huter, CEO des Münchener Rechenzentrumsbetreibers EMC – Home of Data. Das Unternehmen hat seit 2007 im 'Euroindustriepark' im Münchener Norden unter der Bezeichnung EMC Hostco Rechenzentrumsflächen bereitgestellt.
Das Firmengelände wie auch das Gebäude, auf dem sich der Datacenter-Campus heute befindet, sind seit 1993 im Familienbesitz der Münchener Unternehmerfamilie Huter. Ursprünglich beheimatet sie dort jedoch ein Kühlhaus, welches von der kanadischen Teleglobe Inc. in ein Rechenzentrum umfunktioniert werden sollte. Nachdem die Unternehmungen allerdings von Teleglobe gestoppt wurden, hat der heutige Geschäftsführer, Bernhard Huter, den bereits begonnenen Umbau – gemeinsam mit Partnern – selbst fertiggestellt.
Mitübernommen hat er aus der Gründungszeit den Firmennamen, der durch eine Vermarktungspartnerschaft mit EMC Hostco S.A. zustande gekommen war. Bis zum 30. März dieses Jahres blieb er erhalten.
Nach 15 Jahren hat sich der der Münchener Datacenter-Betreiber von EMC Hostco in EMC - Home of Data umbenannt. Die neue Firmenbezeichnung soll widerspiegeln, welche Mission das Unternehmen seit seiner Gründung verfolgt: ein „zukunftssicheres Zuhause“ zu bieten – für Kunden und deren Daten, für Mitarbeiter wie auch Partner und für die Umwelt.
(Bild: EMC - Home of Data)
Mit der neuen Firmenbezeichnung wolle er dokumentieren, dass die hier befindlichen Daten einen geschützten Raum, quasi ein Zuhause bekämen, aber auch dass man sich um die Belange der Kunden tatsächlich kümmere. EMC – Home of Data wolle spezialisiertes und individuell zugeschnittenes Co-Location aus der Hand des Inhabers bieten und darüber hinaus ein Eco-System aus Partnerunternehmen, welches das Angebot für die IT-Outsourcing-Projekte der Kunden um Hosting-, Cloud- und Connectivity-Lösungen erweitere. Huter nutzt die Adjektive „zukunftssicher“, „langfristig“, „zuverlässig“ und „partnerschaftlich“, um zu beschreiben, wie ein „Home of Data“ seiner Ansicht nach gestaltet werden soll.
Bernhard Huter
(Bild: Ulrike Ostler/Vogel IT-Medien GmbH)
Darüber hinaus aber gebe EMC – Home of Data der Nachhaltigkeit einen festen Platz in der Unternehmensstrategie und das bereits seit der Unternehmensgründung. Und hier liegt der Auslöser für einen Bericht über das Unternehmen, seinen Chef und die Initiative „Rack4Roots“, die von dem Co-Location-Betreiber initiiert wurde und bei der es um das Pflanzen von Bäumen geht, um den Stromverbrauch des Rechenzentrums zumindest ein wenig zu kompensieren (siehe: Kasten). EMC – Home of Data gehört zum Beirat von „PeerDC“, einem vom Umweltbundesamt initiierten Projekt, dass zur Festlegung von Nachhaltigkeitskennzahlen führen soll und zu einem Datacenter-Register, dem sich entnehmen lassen soll, wie Energie-effizient beziehungsweise nachhaltig ein Datacenter wirtschaftet.
Die Frage, warum er sich dafür gewinnen hat lassen, beantwortet er anders und zugleich ausholender, als zu vermuten ist: „Tatsächlich hat mich die Pandemie dazu gebracht, über vieles nachzudenken - auch darüber, ob wir mit unserem Rechenzentrum so weiter machen wollen, wie bisher“.
„Racks4Roots“ (R4R) heißt das vom EMC - Home of Data aufgelegte Programm, das 2021 in enger Zusammenarbeit mit der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) entstanden ist. Es bedeutet: In jedem Jahr wird pro Rack ein Baum gestiftet, vom Co-Location-Betreiber selbst und von den Kunden. 42 Partnerunternehmen sind bereits dabei.
(Bild: EMC - Home of Data)
Er verneint nicht, dass es dabei auch darum gegangen sei, sich gegen sie großen Co-Location-Provider wie Equinix und NTT Global Data Centers zu positionieren. Die Antwort sei aber recht einfach ausgefallen: nicht 'sharerholder value' in den Vordergrund zu stellen, sondern den 'social value'. Und präzisiert auf den Punkt Nachhaltigkeit: „Es kann doch nicht sein, dass man den Gewinn verdopple, aber zugleich die Klimaneutralität immer weiter nach hinter verschieben wolle, aktuell sei 2040 im Gespräch.
Huter mag das durchaus als Kritik an dem „Climate Neutral Data Centre Pact“, bei dem EMC – Home of Data selbst seit 2021 Mitglied ist, dem Bitkom und der German Datacenter Association verstanden wissen. Sein Vorwurf: „Alle reden, viele tun nichts.“ Letzterer schreibe sich zudem zwar „deutsch“ auf die Fahnen, repräsentiere aber die deutschen, zumeist mittelständischen Datacenter-Betreiber nicht. Er haben den Eindruck, dass manche Mitglieder der diversen Verbände sich eher als Verhinderer klimaschonender Maßnahmen und Reglungen hervortäten, denn als konstruktive Förderer, obwohl sie sich einen 'grünen Anstrich' gäben.
Das aber entspreche nicht dem Selbstverständnis von EMC – Home of Data. Hier gelte: Jetzt und im Heute handeln.
Stand: 08.12.2025
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Bernhard Huter vor einem Gemälde seiner Tochter Isabella, die Illustratorin ist.
(Bild: Ulrike Ostler/Vogel It-Medien GmbH)
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Bernhard Huter
Zugleich verweist Huter darauf, dass sein Unternehmen bereits eine lange Agenda aufweisen könne, was Energie-Effizienz und Nachhaltigkeit anbelange.
Seit 2012 betreibt der Eon-Kunde sein Rechenzentrum ausschließlich mit Strom aus Flusswasserkraft - vom TÜV zertifiziert
2013 führte EMC -Home of Data als erstes Rechenzentrum in Bayern ein adiabatisches Kühlsystem ein - zumindest für Teile des Campus Das Rechenzentrum unterschreitet erstmals den 12-Monats-PUE von 1,6
2013 bis 2014 baut EMC – Home of Data neu; zum Einsatz kommen „Cool Wall“-Kühlgeräte in der High-Rise-Ausführung
2015 unterschreitet der Co-Locator den PUE von 1,5. Das Unternehmen installiert eine 250 Quadratmeter große PV-Anlage zur Eigenstromerzeugung.
2016 wird der 12-Monats PUE von 1,4 unterschritten
2017 startet der Datacenter-Betreiber ein Retrofit-Projekt für die bestehenden Kühlgeräte nach der Devise: Warum sollten wir etwas wegschmeißen, was noch nutzbar ist? Ausgetauscht wurden die Ventilatoren, ein Projekt, das für andere in Frage käme: „In Deutschland sind rund 25.000 Lüfter im Einsatz“, so Huter.
2017 Das Rechenzentrum unterschreitet den 12-Monats-PUE von 1,3
2018: Umstellung der Beleuchtung auf LED-Technik
2018 bis 2019: Neubau eines weiteren Rechenzentrums mit Cool-Wall-Technik
2020: Unterschreitung des kumulierten PUE von 1,2
2021: EMC lässt sich nach CSR 26001 (Corporate Socail Responsibility) und ISO 50001 (Energie-Management) zertifizieren. Rund 10 Prozent des Gewinns fließen in CSR-Projekte. Pilotprojekt zur Abwärmennutzung im ersten Datacenter-Bau: Installation einer Wärmepumpe zur Beheizung von Büros und den Notstromaggregaten Mitgliedschaft im Climate Neutral Data Centre Pact
Start der Kampagne 'Rack4Roots'
kumulierter 12-Monats PUE von 1,196
Geplant: Fassade aus Solar-Panelen und
Ausbau des Projekts Racks4Roots (siehe: Kasten)
Racks for Roots (R4R): Pro Rack, ein Baum - in jedem Jahr
Im Jahr 2021 startete EMC HostCo, wie das Unternehmen zu diesem Zeitpunkt noch hieß, die CSR-Kampagne (CSR = Social Corporate Responsibility) „Rack 4 Roots“. Für jedes Rack pflanzt der Co-Location-Anbieter oder deren Kunden einen Baum - in jedem Jahr. Mittlerweile sind 42 Partner- beziehungsweise Kunden und 11.761 Bäume zusammengekommen.
„Es ist erschreckend, wie lange die Bäume tatsächlich brauchen, um zu wachsen. Umso wichtiger ist es, dass wir uns jetzt darum kümmern – für die nachfolgende Generation.“, meint Susanne Schuman von der Net-D-Sign GmbH mit einem Blick auf die kleine Tochter, die hier bei der Pflanzung einem weiteren Teilnehmer hilft.
(Bild: EMC - Home of Data)
Zu den Unternehmen, die EMC - Home of Data nennen darf, zählen Arelion, Artcodix UG, AVS - Accu Vertrieb Süd GmbH, Bierbaum Factory UG, Bitpoint AG, DE-CIX Management GmbH, DSP Computersysteme Vertriebs GmbH, Elektro Köberle, Eftec IT Solutions, Energie Süd Bayern GmbH, E-Norm Schaltanlagen & Steuerungstechnik GmbH, Freie Netze München e.V., Fujitsu, Genesis Cloud GmbH, Giese Energie- und Regeltechnik GmbH, German Mittelstand e.V., Global Access InternetServices GmbH, Interne tX GmbH, Dr. Kleeberg & Partner GmbH, KTM München Nord, Ledvance GmbH, Malerbetrieb Falterer, Mapp Digital, Net-D-Sign GmbH, Sapotec GmbH, Schmidbauer GmbH & Co. KG, Spacenet AG, Sportscheck GmbH, Steinbach Fernmeldetechnik GmbH, Steuerkanzlei Peter Bernauer, Stiven Saletovic, RED GmbH, RSD - Steuerberatung Ruberto, Trane Klima- und Kältetechnisches Büro GmbH, Trixter GmbH, QSCert, V&S Stempfl GmbH und die Weiss Klimatechnik GmbH.
Bis zu diesem Sommer wurde die Spende jedoch nur durch eine Urkunde bestätigt. Doch am 18. Juli 2022 haben Freiwillige den Spaten in die Hand nehmen können, begleitet von Simon Tangerding, Mitglied des SDW Bayern e.V., zu dessen Arbeit seit mehr als 17 Jahren Baumpflanzungen gehören. Das auserkorene Gebiet von rund 50.000 Quadratmetern liegt am Spitzingsee und gehört der Gemeinde Schliersee.
Die Pflanzaktion
Tangerding erläutert: „Normalerweise würden wir hier in einem Ahorn-, Buchen-, Fichten- und Tannenwald stehen, der sich in der Dimension und Struktur der Bäume sehr stark unterscheidet. Von der Vielfalt dieser Wälder im natürlichen Alpenraum – dem natürlichen Mischbestand – ist hier allerdings wenig bis gar nichts zu sehen.“ Ziel der Planzaktion sei es daher, schrittweise Waldbestände zurückzubringen, die widerstandsfähiger sind und dazu beitragen, dass sich Schädlinge weniger rasant ausbreiten können.
Die jetzt für die Waldverjüngung gepflanzten Tannen, wachsen bereits in der Klimaveränderung heran, was sie, so hoffen Exerten, bereits widerstandsfähiger als die jetzige Bewaldung etwa gegen lange Hitzeperioden werden lässt. In zehn Jahren werden sie ungefähr zwei Meter Höhe erreichen.
Für eine erfolgreiche Pflanzung sind sowohl der richtige Ort also auch die richtige Technik entscheidend. So ist es beispielsweise wichtig, einen geschützten Ort im Hanggefälle auszuwählen, an dem der Setzling sicher vor Witterungseinflüssen wachsen kann. „Freie Flächen sind hierfür ungeeignet, da etwa Schneefall ein Absinken des Setzlings bewirken würde. Dann wäre die Arbeit umsonst“, erklärt Simon Tangerding vom SDW Bayern e.V.
(Bild: EMC - Home of Data)
Bernhard Huter, Geschäftsführer von EMC - Home of Data, ist sich bewusst, dass eine solche Pflanzaktion nicht gleich die Welt rettet: „Ohne vollständig auf Grünstrom zu setzen, kann man mit einem Baum, der jährlich rund 10 Kilogramm CO2 speichert, natürlich keinesfalls den Fußabdruck eines Racks ausgleichen.“ Doch jeder Baum hilft dabei. Das sei das Grundprinzip der Kompensationsarbeit.
Das neue Ziel
Doch Huter setzt sich neue Ziele: „Schockierende 1,3 Millionen Bäume müssten wir pflanzen, um unsere 1.760 Server-Racks zu kompensieren, wenn wir nicht auf Grünstrom setzen würden.“ Das neue Ziel: 100.000 Bäume.
2021 waren es: 1.760 Bäume
2022 sind es: 11.761 Bäume
ab 2023 soll es nicht mehr heißen 1 Baum pro Rack, sondern 10 Bäume pro Rack.
Das Schlagwort lautet nun: „Ten4One“ und das erste Unternehmen, das dieses Ziel unterstützt, ist die Bitpoint AG.
Und die Unterstützung von PeerDC? „Wenn wir aktiv gestalten können, unterstützen wir gerne“, sagt Huter. „Außerdem finde ich den Aufbau eines Registers gut. Das bringt Transparenz. Voraussetzung ist die Anwendung derselben Kennzahlen.“ Er gibt aber auch zu bedenken: „Nur, wenn es um das Teilen von Daten geht, die aus Sicht unserer Kunden vertraulich sind, entsteht ein weißer Fleck und die Vergleichbarkeit hat ein Ende.“
Das Nutzen der Abwärme
Eigentlich sei es komplett logisch und richtig, die Abwärme aus den Rechenzentren zu nutzen, sagt der Co-Location-Site-CEO Huter. Nur die Effizienz und auch das Verhältnis von Aufwand und monetärem Nutzen ließe zu wünschen übrig. Es sei schlichtweg kostengünstiger nichts zu tun.
So koste es rund 200,- Euro 1 Kilowatt an Energie einfach zu vernichten, also ungenutzt zu lassen. Aber 1 Kilowatt Energierückgewinnung schlage mit rund 1.000,- Euro zu Buche. „Solange es fünfmal günstiger ist, die produzierte Wärme-Energie verpuffen zu lassen als sie zu nutzen, gibt es keinen Anreiz für Unternehmer, entsprechende Technik zu installieren", sagt Huter. „Eine Verrechnung mit den Steuern würde vielleicht Abhilfe schaffen können.“
Bernhard Huter: „Alle reden, viele tun nichts.“
(Bild: Ulrike Ostler/ Vogel IT-Medien GmbH)
Zudem fehle es an Abnehmern. Die Abwärme im Rechenzentrum von EMC – Home of Data beträgt etwa 50 Grad. Um sie als Stadteilwärme nutzbar zu machen, müsste erstens ein solches Netz existieren - für den Neubau eines weiteren Rechenzentrums mit 1,5 Megawatt laufen Gespräche mit der Stadt München beziehungsweise den Stadtwerken - und zweitens müsste die unter Umständen mit Wärmepumpen aufgeheizt werden und drittens, ist das neue Rechenzentrum vermutlich zunächst nicht komplett ausgelastet, so dass auch die Abwärmemenge noch gering ist, später aber steigt.
Bäume und Grünstrom
Seit 2012 deckt das Datacenter zu 100 Prozent seinen Rechenzentrumsbedarf durch TÜV-zertifizierten Grünstrom aus Flusswasserkraft sowie eine eigene Photovoltaikanlage (2014) ab. Der Strom sei unter Umständen teurer, räumt Huter ein. Das Unternehmen weise jedoch die Kunden von Anfang an darauf hin. „Bis heute hat EMC – Home of Data jedoch noch keinen einzigen Kunden wegen des teureren Grünstroms verloren", beteuert er.
Im Gegenteil ginge das Engagement der Kunden weiter, wie Rack4Roots dokumentiere. Die Beteiligung an diesem Projekt sei freiwillig, „sie können die Option im Vertrag ankreuzen. Doch viele Kunden und Partner sponsern nicht nur einen Baum pro Rack“, sondern gleich mehrere.“ Bislang die größte Spende einer Einzelperson habe es ermöglicht, 3000 Bäume zu pflanzen.