Bitkom-Studie zum Smartphone-Markt Ein Leben ohne ist keine Option

Von Ann-Marie Struck

Manche IT-Entwicklungen sind heutzutage nicht mehr wegzudenken. Darunter zählt eindeutig das Smartphone und der Markt dafür wächst seit Jahren. Jedoch beeinflussen die Coronakrise, Lieferengpässe, der Chipmangel und der Trend zu mehr Nachhaltigkeit die Branche.

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Als täglicher Begleiter ist das Smartphone für viele Nutzer nicht mehr wegzudenken.
Als täglicher Begleiter ist das Smartphone für viele Nutzer nicht mehr wegzudenken.
(Bild: Farknot Architect - stock.adobe.com)

„Smombie“ oder „Nomophobie" sind nur zwei Wortneuschöpfungen, die es nur wegen der steigenden Relevanz von Smartphones gibt. „Smombie“ bezeichnet Menschen, die durch den ständigen Blick auf ihr Smartphone so stark abgelenkt sind, dass sie ihre Umgebung kaum noch wahrnehmen. Und „Nomophobie“ beschreibt die Angst, nicht über sein Mobiltelefon erreichbar zu sein. Das Smartphone ist aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken. Das spiegelt sich auch im Geschäft wieder.

Berechnungen des Bitkom zufolge wächst der deutsche Markt für Smartphones, Apps, mobile Telekommunikationsdienste und Mobilfunkinfrastruktur 2022 voraussichtlich auf 36,8 Milliarden Euro an. Im Vergleich zum Vorjahr (36,2 Milliarden Euro) ist das eine Steigerung um 1,8 Prozent. Den größten Teil des Gesamtumsatzes werden mit 20,6 Milliarden Daten- und Sprachdienste ausmachen, gefolgt von Endgeräten mit 10,9 Milliarden. Apps und Infrastruktur machen den restlichen Anteil von 5,2 Milliarden Euro aus.

Für den Markt mit Sprach- und Datendienste prognostiziert der Bitkom in diesem Jahr ein Wachstum von 1,6 Prozent. Zudem sollen auch die Investitionen der Netzbetreiber in die mobile Infrastruktur zunehmen. Sie sollen 2022 um 2,5 Prozent auf 2 Milliarden Euro steigen.

Smartphone-Markt knickt etwas ein

Jedoch sehen die Prognosen für den deutschen Smartphone-Markt nicht ganz so rosig aus. Gemäß den Analysen des Bitkom wird für dieses Jahr ein leichter Rückgang von Minus 1,5 Prozent prognostiziert, von 11 Milliarden Euro Umsatz 2021 auf voraussichtlich 10,9 Milliarden. Als Begründung nennt der Bitkom die Chipkrise sowie Lieferengpässe bei Bauteilen. Kompensiert wird der Rückgang jedoch durch die steigenden Preise. 2021 kostete ein Smartphone im Schnitt 539 Euro, 2022 sind es hingegen schon 553 Euro. Das ist ein Plus von 2,6 Prozent.

Und die Konsumenten sind auch bereit mehr Geld für ein neues Gerät auszugeben, wie eine Umfrage des Bitkom unter rund 1.000 Deutschen ab 16 Jahren bestätigt. Demnach sind die Befragten im Durchschnitt gewillt, für ihr nächstes Endgerät 232 Euro auszugeben. Das sind 32 Euro beziehungsweise 16 Prozent mehr als im Vorjahr. Weitere 14 Prozent sind bereit, 300 bis 499 Euro zu investieren. Lediglich 11 Prozent wollen 500 Euro und mehr bezahlen. 28 Prozent möchten dagegen weniger als 100 Euro für ihr nächstes Mobilgerät ausgeben.

Kein Leben ohne Smartphone

Kein Wunder, immerhin ist das Smartphone aus unserem Lebensalltag nicht mehr wegzudenken. Immerhin haben der Studie zufolge 83 Prozent der Menschen in Deutschland ab 16 Jahren ein Smartphone und nahezu alle Nutzer (96 %) sehen das das Gerät als eine große Erleichterung im Alltag. Ferner können sich 90 Prozent ein Leben ohne Smartphone nicht mehr vorstellen. Dabei ist fast die Hälfte der Nutzer auf Achtsamkeit bedacht. So haben 45 Prozent feste Orte oder Zeiten festgelegt, an denen sie ihr Smartphone bewusst nicht benutzen. 15 Prozent kontrollieren sogar die Bildschirmzeiten.

Und die Relevanz des Smartphones wird sich auch in Zukunft nicht ändern. Bei der Frage, wie wichtig das Smartphone 2030 noch sein wird, erwarten 91 Prozent der Befragten einen Zuwachs an Bedeutung. 77 Prozent glauben, dass das Smartphone zusätzliche Funktionen übernehmen wird. Ersatz durch Datenbrillen (31 %) und Smartwatches (28 %) sehen nur die wenigsten. Des Weiteren können sich 13 Prozent vorstellen, dass intelligente Sprachassistenten Smartphones ablösen. Lediglich 3 Prozent gehen davon aus, dass Smartphones durch Chips ersetzt werden, die in den Körper implantiert sind.

Kaufverhalten und Preise

Doch worauf kommt es Deutschen beim Kauf eines Smartphones an? Allgemein achten gemäß der Studie 95 Prozent auf die Verarbeitungsqualität. Des Weiteren sind für Kauf das Display, lange Akkulaufzeit, die Kamera sowie die langfristige Versorgung mit Updates entscheidend. Beim Display geht es 96 Prozent der Befragten um Robustheit, gefolgt von der Darstellungsqualität (90 %) sowie der Größe (80 %). Beim Akku sind Laufzeit (92 %) und drahtloses Laden (78 %) bedeutende Kaufkriterien.

Außerdem ist für 76 Prozent die Kameraqualität sowie für 70 Prozent die Anzahl der Kameralinsen wichtig. Auf eine langfristige Versorgung mit Software-Updates achten 86 Prozent der Befragten. Zudem ist 60 Prozent die Marke von Bedeutung. Immerhin bleiben 76 Prozent der Befragten beim Kauf eines neuen Smartphones ihrer bisherigen Marke treu.

Obwohl fast jeder der Studienteilnehmer (83 %) ab 16 Jahren ein Smartphone besitzt, wird dieses im Schnitt nach einem Jahr ausgetauscht. 60 Prozent der Befragten haben innerhalb der vergangenen zwölf Monate ein neues Mobiltelefon gekauft. 22 Prozent haben Geräte im Alter von 13 bis 24 Monaten im Einsatz. 8 Prozent nutzen Smartphones, die schon zwei bis drei Jahre alt sind und weitere 8 Prozent haben ältere Geräte.

Paradoxerweise ist fast allen der Befragten (96 %) Nachhaltigkeit bei Smartphones wichtig.

Datenvolumen und Netze

Mit der zunehmenden Anzahl an Mobilfunkgeräten steigt auch der Bedarf beim Datenvolumen. 56 Prozent Nutzer reicht ihr monatliches Inklusiv-Volumen nicht aus. Demgegenüber sagen nur 3 Prozent, dass ihr Vertrag mehr Volumen beinhaltet als benötigt. Die meisten haben einen Vertrag mit 1 bis 3 Gigabyte (23 %) oder 3 bis 5 Gigabyte (21 %) Inklusivvolumen. 19 Prozent hat mehr als 5 Gigabyte zur Verfügung und 12 Prozent surfen unbegrenzt im Mobilfunknetz.

Dementsprechend sind die Anforderungen der Nutzer an die Netze hoch. So wünschen sich 98 Prozent eine möglichst hohe Netzabdeckung und einen möglichst guten mobilen Empfang am Wohnort. Für 91 Prozent ist schnelles Surfen wichtig. Gleichzeitig wollen Nutzer dafür nicht tief in die Tasche greifen. 93 Prozent wollen trotz hoher Ansprüche möglichst wenig bezahlen. 69 Prozent achten auf ein attraktives Angebot mit Smartphone inklusive. Auf Kombiangebote, etwa mit Festnetz- beziehungsweise Fernsehanschluss, legen 54 Prozent der Befragten wert und 69 Prozent achten auf den Standort des Netzbetreibers. Weitere 67 Prozent bevorzugen einen Unternehmenssitz in Deutschland und 66 Prozent ist soziales Engagement wichtig. Des Weiteren spielen Kundenservice (651 %), Klimaneutralität (60 %) und Umweltengagement (591 %) eine Rolle bei der Anbieterauswahl.

Über die Studie

Die Marktprognosen basieren auf Daten des Marktforschungsinstituts IDC und Berechnungen von Bitkom. Grundlage der Angaben zur Nutzung von Smartphone und Mobilfunk ist eine Befragung unter 1.002 Deutschen ab 16 Jahren von Januar bis Februar 2022.

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