Interview mit Bernd Wagner, Geschäftsführer Fujitsu Technology Solutions (FTS)

Ehemalige FSC übernimmt zentrale Aufgaben im Fujitsu-Konzern

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Wie FTS in den Fujitsu-Konzern passt

Fujitsu Siemens Computers wurde zum 1. April eine 100-prozentige Tochtergesellschaft der Fujitsu Limited. Grundsätzlich unterscheidet man im Fujitsu-Konzern organisatorisch zwischen Japan-Geschäft und Geschäft außerhalb Japans.

Die Struktur von Fujitsu für den EMEA-Raum ist in drei Regionen gegliedert: Großbritannien, Skandinavien und Kontinentaleuropa. Die Region »Continental Europe« umfasst dabei den größten Teil des Gebiets von Fujitsu Technology Solutions und wird von Kai Flore geleitet, der zugleich President & CEO der FTS bleibt.

Die juristische Unternehmensstruktur bleibt unverändert. Das Unternehmen firmiert lediglich künftig unter dem Namen Fujitsu Technology Solutions (Holding) B.V. Der rechtliche Hauptsitz befindet sich wie bislang auch in Maarsen in den Niederlanden. Sozusagen der physische Hauptsitz im Sinne einer Hauptniederlassung befindet sich in München.

Die Integration von Fujitsu Technology Solutions ist für die Fujitsu-Gruppe ein wichtiger strategischer Schritt in der Ausweitung ihres Geschäfts außerhalb von Japan. Der Fokus liegt dabei auf der Weiterentwicklung globaler IT-Services, ist aus dem Unternehmen zu hören.

Eine wichtige Rolle bei dem Deal spielt die enge Zusammenarbeit mit der weiteren Konzerntochter Fujitsu Services, bei Kunden mit mehr als 500 Mitarbeitern (also den Kunden, die nicht unbedingt von Channel-Partnern angegangen werden). In diese Kerbe schlägt nämlich »Infrastructure-as-a-Service« (IaaS), eines der neuen Kernprodukte von FTS.

IT-Plattformprodukte und -Services machten bereits vor der Komplettübernahme 57 Prozent des konsolidierten Umsatzes und 68 Prozent des Gewinns von Fujitsu aus. Das IaaS-Portfolio von FTS soll diesen Umsatzanteil ausbauen, und weil dieser Bereich so lukrativ ist, natürlich auch dem Unternehmensgewinn zugute kommen. Zunächst aber stehen Restrukturierungskosten und Investitionen an.

Fujitsu auf einen Blick

  • Konzernsitz: Tokio, Japan
  • Präsident: Kuniaki Nozoe
  • Gegründet: 1935
  • Nettoumsatz: 53,3 Mrd. US-Dollar (vorläufige Angabe für das Geschäftsjahr 2008)
  • Nettogewinn: 481 Mio. US-Dollar (vorläufige Angabe für das Geschäftsjahr 2008)
  • Mitarbeiter weltweit: 167.000

Kommentar des Autors: Heilung von Portfolio- und Geburtsfehler

Die alte FSC hatte zwei grundlegende Probleme: Ein zu großer Umsatzanteil wurde in Segmenten gemacht, in denen der harte Wettbewerb die Gewinnmarge aufgefressen hat – dem reinen Hardwaregeschäft. Zudem gab es noch einen vertrieblichen Faktor, den böse Zungen als »Geburtsfehler« bezeichnet haben: Das Unternehmen FSC durfte nämlich nur im Raum EMEA verkaufen. Im Rest der Welt vermarktete Fujitsu, der Joint-Venture-Partner von Siemens. Das schnitt die Münchner von wichtigen Märkten ab und verhinderte mögliche Skaleneffekte, die bei größerem Output für günstigere Einkaufskonditionen gesorgt hätten. Die Hardware-Schwerpunkte IA-Server (Intel-Architektur) und Storage (EMC, Netapp und Eigenmarke Eternus) vertreibt FTS nun weltweit, was Branchenexperten und Analysten begrüßen. Das Unternehmen hat sich nicht nur auf lukrative Segmente besonnen, sondern auch Märkte dazu gewonnen.

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