Die E-Rechnung kommt und sie ist mehr als nur ein PDF. Eine EU-Norm, verschiedene Formate und XML geben den Ton an. Für den Implementierungsaufwand winken Effizienzgewinne, beispielsweise für die Steuererklärung. Die Weichen für ein Echtzeit-Steuerreporting sind bereits gestellt.
Geschwindigkeit: Die E-Rechnung spart sich den Postweg.
(Bild: Midjourney / KI-generiert)
Der Forscher und Physiker Georg Christoph Lichtenberg sagte irgendwann im 18. Jahrhundert: „Es gibt Leute, die gut zahlen, die schlecht zahlen, Leute, die prompt zahlen, die nie zahlen, Leute, die schleppend zahlen, die bar zahlen, abzahlen, draufzahlen, heimzahlen – nur Leute, die gern zahlen, die gibt es nicht.“ Inzwischen sind Leute hinzugekommen, die elektronisch zahlen und neuerdings dafür sogar elektronische Rechnung ausstellen und nutzen. Kein Wunder, denn seit Jahreswechsel müssen Unternehmen in Deutschland in der Lage sein, elektronische B2B-Rechnungen zu empfangen und dürfen den Empfang der digitalen Rechnungen nicht mehr ablehnen.
Hintergrund
E-Rechnungspflicht im B2B-Segment
Neue Vorschriften zur elektronischen Rechnungsstellung gelten für alle Unternehmen, die an B2B-Transaktionen mit einem deutschen Lieferanten beteiligt sind. Voraussetzung ist, dass die gehandelten Waren oder Dienstleistungen in Deutschland steuerpflichtig sind. Es gelten Übergangsfristen, bis sich 2028 die Papier- oder PDF-Rechnung im B2B-Umfeld endgültig verabschiedet.
Keine Regel ohne Ausnahme
E-Rechnungen zu erstellen, ist keine Raketenwissenschaft.
(Bild: Midjourney / KI-generiert)
Es ist zwar weiterhin möglich, Rechnungen im PDF-Format zu versenden, aber nur unter der Voraussetzung, dass das empfangene Unternehmen dieser Praxis zustimmt. Die gleiche Regelung gilt auch für das EDIFACT-Format. Zwei Jahre später – 2027 – wird Stufe 2 zünden. Dann müssen Unternehmen mit mehr als 800.000 Euro Umsatz B2B-Rechnungen elektronisch ausstellen. Und 2028 ist die Papierrechnung im B2B-Bereich dann endgültig Geschichte. Ab dann müssen alle in Deutschland agierenden Unternehmen elektronische B2B-Rechnungen im EN-16931-Standard versenden. Zur Begriffsklärung: Die EN 16931 ist eine europäische Norm hinter Formaten wie XRechnung und ZUGFeRD (Zentraler User Guide des Forums elektronische Rechnung Deutschland).
ZUGFeRD und XRechnung – schon lange im Geschäft
Seit rund 10 Jahren ist JobRouter im E-Rechnungs-Umfeld tätig – nach den Maßstäben der IT-Branche also eine halbe Ewigkeit. Stefan Weimann, Produktmanager bei dem Unternehmen, blickt zurück: „Wir bieten bereits seit 2015 eine Lösung für ZUGFeRD-Rechnungen und sonstige digitale Rechnungen an. Dieses Angebot haben wir 2021 auf XRechnungen ausgeweitet. Eine Visualisierung für XRechnungen haben wir 2024 ergänzt.“ Diese beiden genannten Formate sind in der Praxis tonangebend. Weimann erklärt „Wir konzentrieren uns auf diejenigen XML-basierten Formate, die laut EN16931 eine E-Rechnung darstellen. Das sind heute ZUGFeRD und XRechnung.“ Beide Formate liefern eine maschinenlesbare XML-Datei und sind daher geeignet für die automatisierte Verarbeitung von Rechnungen. Dabei hält ZUGFeRD im Vergleich zu XRechnungen noch einen Vorteil für den menschlichen Nutzer bereit, nämlich den, dass hier bereits eine softwareseitig visualisierbare Bilddatei integriert ist.
Der Teufel steckt im Detail
Die E-Rechnung ist keine Hexerei.
(Bild: Midjourney / KI-generiert)
Allerdings liegt der Teufel wie so oft im Detail weiß Carsten Brunke, Geschäftsführer bei Inmedias. Der Informatiker ahnt bereits, dass da noch etwas auf die Nutzergemeinde zukommt: „Eigentlich wäre ZUGFeRD nah an der Quadratur des Kreises – wenn da nicht das BMF wäre. Laut BMF-Schreiben hält man bei einer Differenz zwischen PDF-Zahlen und enthaltener XRechnung zwei getrennt zu betrachtende Rechnungen in Händen. Diese Interpretation wird in der Praxis noch viel ‚Spaß‘ bereiten“, ahnt Brunke. Den Boom im E-Rechnungs-Segment kann man begrüßen – immerhin vollzieht sich hier ein Schritt hin zu volldigitalisierten Prozessen ohne Medienbruch und damit geht Effizienzgewinn einher. Auf der anderen Seite gibt es kritische Stimmen, denn es ist naturgemäß immer holprig, wenn der Gesetzgeber in die Wirtschaft mit neuen Vorschriften eingreift. Viele „zwangsbeglückte“ Nutzer sind „not amused“, wie die E-Rechnungsgeschichte summa summarum so läuft.
Zahl der Projekte steigt
Ivo Moszynski, Vorstandsvorsitzender beim Verband elektronische Rechnung e.V. (VeR)
(Bild: Verband elektronische Rechnung (VeR))
Wie man es dreht und wendet – die Mitglieder des VeR (Verband elektronische Rechnung e.V.) können sich über eine steigende Nachfrage nach E-Rechnungs-Dienstleistungen freuen. Seit Mitte 2024 wächst die Zahl der Projekte stark an, „insbesondere im Bereich der Plattformanbindung und Prozessautomatisierung“, verrät der Vorstandsvorsitzende Ivo Moszynski. So viel ist klar: Die E-Rechnung ist mehr als nur eine Art PDF und die Umsatzperspektiven sind nach wie vor hervorragend, denn besonders kleine und mittelständische Unternehmen stehen laut Mosynski „oft noch am Anfang ihrer Digitalen Transformation“.
Wir empfehlen vor allem die Formate XRechnung und ZUGFeRD.
Ivo Moszynski, Vorstandsvorsitzender beim Verband elektronische Rechnung e.V.
Der Blick durch die SAP-Brille
Stephan Hüttmann, Fachvorstand Financials, DSAG
(Bild: DSAG)
Dass diese Transformation ein steiniger Weg sein kann, verdeutlicht Stephan Hüttmann, Fachvorstand Financials beim DSAG (Deutschsprachige SAP-Anwendergruppe e.V.). Aus der Perspektive durch seine SAP-Brille lässt sich durchaus allgemeingültige Kritik an der Causa E-Rechnung ableiten: „Es gibt einfach zu viele Unklarheiten. Konstellationen wie das Gutschriftsverfahren oder Dauerrechnungen [im SAP-Umfeld] sind nicht ausreichend geregelt“. Die Formatfreiheit verursache zudem erheblichen Mehraufwand bei Implementierungen. Hüttman kritisiert: „Die erhofften Effizienzgewinne stellen sich mit hybriden Formaten und einer Formatfreiheit nur langsam ein.“ Viele Unternehmen würden in der Praxis beispielsweise nur ZUGFeRD-Dateien empfangen wollen, „um den optischen Teil zu nutzen“. Das sei aber nicht der Sinn einer E-Rechnung. „Für die Zukunft sollte die XML-Datei, wie in Italien oder Polen, zum alleinigen Rechnungsformat erklärt werden“, fordert der SAP-Profi, denn nur so lasse sich echte Digitalisierung erreichen. Das Gerangel um Formate bleibt ein Dauerthema.
Stand: 08.12.2025
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So wie sie jetzt gestaltet ist, führt die E-Rechnung zu erheblichem Mehraufwand.
Stephan Hüttmann, Fachvorstand Financials, DSAG
ZUGFeRD: die hybride Lösung
Alisa Ehrk, Managing Director, Dierck Group
(Bild: Dierck Group)
So umfasst das ZUGFeRD-Format eine XML-Datei sowie zusätzlich eine Bilddatei der jeweiligen Rechnung, ordnet Alisa Ehrk, Managing Director bei der Dierck Group, ein, die Warenwirtschaftssysteme sowie Dokumentenmanagement aus der Cloud anbietet. „Gerade in der Umstellungsphase auf die E-Rechnung sehen wir dieses hybride Format sowohl intern in unserer Gruppe als auch bei unseren Kunden als vorteilhaft an“, zieht die Managerin Bilanz.
Für uns fängt das E-Rechnungsgeschäft gerade erst richtig an.
Alisa Ehrk, Managing Director, Dierck Group
XRechnung: im öffentlichen Sektor präsent
So viel ist sicher: E-Rechnungen brauchen weniger Platz für ihre Archivierung.
(Bild: Midjourney / KI-generiert)
Der CEO von Finom, Andrey Petrov, arbeitet die zentralen Vorteile und Unterschiede der beiden gängigsten Formate heraus: XRechnung sei für die Rechnungsstellung im öffentlichen Sektor vorgeschrieben. „Es ist für die automatisierte Verarbeitung konzipiert, kann aber ohne spezielle Software nicht gelesen werden“, erläutert der Manager. ZUGFeRD ist hingegen ein hybrides Format, welches ein lesbares PDF mit eingebetteten XML-Daten kombiniert und damit sowohl für Unternehmen als auch für Behörden vielseitig einsetzbar ist. Hybride Formate und modulare Lösungen sind gefragt, denn die E-Rechnungs-Story ist nicht auf ein Kippschalter-Prinzip ausgelegt, sondern folgt einem Sowohl-als-Auch-Paradigma. So gelten auch ab 2028 die harten Pflichtvorgaben nur im B2B-Umfeld und nicht gegenüber Privatkunden.
Modulare Ansätze – mehr als eine Notlösung
Ingo Wittrock, Regional Director Marketing bei Ricoh, plädiert für einen modularen Ansatz in Form einer Lösung, „die flexibel einsetz- und integrierbar ist sowie grenzüberschreitende Standards und Formate beherrscht“. Laut Wittrock geht die Integration stets mit hohem Aufwand und hohen Kosten einher, die technischer sowie organisatorischer Natur seien. „Die E-Rechnungspflicht betrifft 3,5 Millionen Unternehmen in Deutschland und dies multipliziert mit dem zeitlichen Aufwand einer Integration bedeutet schlichtweg, dass integrierte Lösungen nicht für alle Unternehmen bis zum Ablauf der jeweiligen Frist, die der Gesetzgeber vorgibt, erreicht werden können“, so der Manager. Eine modulare Lösung zu implementieren, spare daher letztlich Zeit und Geld.
Ausblick
Das Ziel ist ein Echtzeit-Steuerreporting
Dass hierzulande die E-Rechnungspflicht im B2B eingeführt wird, findet Dina Haack, Senior Lead Marketing bei der xSuite Group, gut und bezieht sich auf Automatisierungsvorteile für Unternehmen. Dass Daten aus E-Rechnungen direkt in die Anwendermasken bei Datev eingetragen werden können, zeigt ein Beispiel von Klaus Kaiser, dem Group CEO bei der Teccle Group. So sind Effizienzgewinne auf betrieblicher Seite und zwar bezogen auf das steuerzahlende Unternehmen sowie auf den Steuerberater möglich. Mit dem zuständigen Finanzamt ist hier noch eine dritte Partei beteiligt. Haack thematisiert die Effizienzgewinne dort in der Finanzverwaltung: „In zahlreichen europäischen Ländern ist die elektronische Rechnungsstellung obligatorisch oder wird gefördert. Ziel ist es, Steuervorschriften besser durchzusetzen und Betrug zu minimieren, sodass Unternehmen die gesetzlichen Bestimmungen einhalten.“ Diese Finanzverwaltung, so Haack, rechnet mit einem weiteren Effekt, für den die E-Rechnung nur Mittel zum Zweck sei: Mittelfristig soll es ein Echtzeit-Steuerreporting auf Basis der E-Rechnung geben. „Da sind wir mal gespannt, wie viel zusätzliche Steuereinnahmen dadurch sprudeln werden. Das Beispiel Italien zeigt, dass es schnell um Milliarden Euro im Jahr gehen kann“, führt die Managerin aus.
Schon lange ein Thema
Dabei wird schon seit über 25 Jahren über die digitale Verarbeitung von Rechnungen gesprochen und mit der Entwicklung der E-Rechnungsformate gibt es schon seit Jahren die passenden Standards, blickt Volker Elmshäuser, Consultant Sales & Marketing bei Netgo zurück. Mit der Frist zum Januar 2025 gewann das Thema dann deutlich an Dynamik. „Wir merken zwar, dass die Nachfrage spürbar wächst, aber gleichzeitig sehen wir auch, dass viele Unternehmen noch nicht ausreichend vorbereitet oder informiert sind. Manche haben sogar noch gar keine Lösung eingeführt“, berichtet der Manager.
Fehlerhafte E-Rechnungen im Umlauf
E-Rechnungen anzunehmen, ist Pflicht. Daher kommt man an einem entsprechend ausgestalteten System nicht mehr vorbei.
(Bild: Midjourney / KI-generiert)
So ist Nico Bäumer, Vorstand und CTO bei D.velop, bereits aufgefallen, dass aktuell noch viele fehlerhafte E-Rechnungen verschickt werden. „Diese führen auf der Eingangsseite momentan oftmals zu Mehraufwand, da geprüft werden muss, ob eine neue, korrigierte Version angefordert werden muss“, so der Manager. Es liegt auf der Hand, dass viele Unternehmen aktuell noch in der Prozessumstellung und Findungsphase stecken. Bei D.velop sieht man sich nach eigenem Bekunden als Softwarehersteller sozusagen in der Bringschuld Organisationen durch Aufklärung potenzielle Ängste zu nehmen und sie von den Vorteilen der E-Rechnung zu überzeugen. „Denn so kompliziert, zumindest aus Anwendersicht ist das Ganze am Ende gar nicht“, sagt Bäumer.
Der Lohn für den Umstellungsaufwand
Aus dem Markt ist laut Fin Glowick, Chief Revenue Officer bei „WISO MeinBüro“, häufig zunächst zu hören, dass die Umstellung auf E-Rechnungen als komplex und zeitintensiv empfunden wird, insbesondere von kleinen Unternehmen und Selbstständigen. Der Manager schätzt, dass die Skepsis tendenziell vorherrscht, „weil der Mensch ein Gewohnheitstier ist und keine Lust hat, sich jetzt noch mit dieser Umstellung zu beschäftigen, wenn doch vorher alles lief.“ Der Noch-nicht-Nutzer sieht hierbei nur den Umstellungsaufwand, aber nicht die Chancen, die sich daraus ergeben. Dabei seien diese enorm: Kleinere Unternehmen und Selbstständige, die sich bisher mit Word-, Excel oder Papierdokumenten weitergeholfen haben, können in diesem Zuge die Rechnungsstellung digitalisieren.
Upload der E-Rechnungsdaten in die Datev-Cloud
Klaus Kaiser, Group CEO der Teccle Group, weiß aus Projekten, welche Effizienzgewinne herausgeholt werden und quasi als Lohn für den Digitalisierungsaufwand am Ende dauerhaft eingefahren werden können. Kaiser verdeutlicht am Beispiel von „Datev Unternehmen online“ den Mehrwert der E-Rechnung: „Hier werden die E-Rechnungsdaten mittels smarter Upload-Wege direkt in die Anwendermasken eingetragen“. Aus diesen Daten könne man im Handumdrehen Zahlungsvorschläge erstellen und diese bezahlen, wobei eine manuelle Erfassung dieser Werte dank des mitgelieferten Datensatzes einer E-Rechnung nicht mehr nötig sei. Auch die Zusammenarbeit mit dem Steuerberater profitiere davon: „Die E-Rechnungsdaten im Original können direkt durch die Kanzlei zur Erstellung der Buchführung und des Jahresabschlusses genutzt werden. Bei einer späteren Betriebsprüfung stehen die Daten Dank zentraler Speicherung in der Datev-Cloud zur Verfügung“, so Kaiser.
Hintergrund
Schummelpotenzial bei Rechnungsstellung sinkt
Die E-Rechnung bietet Unternehmen Vorteile gegenüber der Papierrechnung. Sie spart Zeit und Kosten, da Druck-, Versand- und Archivierungskosten entfallen. Zudem beschleunigt sie den Zahlungsprozess, da Rechnungen direkt elektronisch übermittelt und verarbeitet werden können. Zudem sind enorme Effizienzgewinne in Sachen Buchhaltung und bei der Abgabe der Steuererklärung zu erwarten.
Die Digitalisierungsinitiative im Hintergrund
Frank Zelenka, Teamlead EDI, All for One Group
(Bild: All for One Group)
Einen Blick über den zeitlichen Tellerrand wagt Frank Zelenka, Teamlead EDI bei der All for One Group: „Die E-Rechnung ist nur der Auftakt einer umfassenden Digitalisierungsoffensive“, so der Manager. Der bisherige papierbasierte Austausch von Dokumenten werde sukzessive in die digitale Welt überführt und Unternehmen befinden sich daher auf einem Lern- und Entwicklungspfad, der weit über die E-Rechnung hinausgehe. „Die geplante E-Transportpflicht und digitale Meldung von Bestellungen sind nur erste Beispiele für diese fortschreitende Entwicklung.“ Ohne einheitliche Standards und Regularien ließe sich das allerdings nicht umsetzen. Diese werden die komplexen Prozesse des elektronischen Datenaustauschs vereinfachen. Das sei ein großer Schritt in Richtung einer digitalen Zukunft, die den gesamten Business-Alltag effizienter macht.
Bei Ausgangsrechnungen sehen wir großes Potenzial, da die E-Rechnungspflicht hierfür erst stufenweise ab 2026 greift.
Frank Zelenka, Teamlead EDI, All for One Group
Von der gelebte Praxis zur abstrusen Vorstellung
Es ist davon auszugehen, dass das papierlose Büro eine Idealvorstellung bleibt. Aber die Vorstellung von ausgedrucktem, per Post verschickten und einzeln händisch verarbeiteten und nachträglich digitalisierten Rechnungen, wird sich mit ziemlicher Sicherheit irgendwann nur noch abstrus anhören (siehe Kommentar).
Kommentar
Wenn Opi Geschichten vom Save-Icon erzählt
„Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit“, wird Friedrich Schiller zitiert. Um diesen Leitsatz völlig überzustrapazieren, könnte man ergänzen, dass die E-Rechnung mit der Zeit geht und deswegen die Rechnung mit der Zeit geht. Ausgedruckte und abgeheftete Rechnungen auf Papier werden in einigen Jahren mit dem Charme eines Wählscheibentelefons daher kommen – im B2B-Umfeld sowieso, aber zunehmend auch im Privaten. Dann wird sich der Vorgang Rechnungen auf Papier auszudrucken, um sie per Briefpost physisch zu verschicken für junge Ohren so anachronistisch anhören, wie sich jetzt schon die Hintergrundgeschichte des Save-Icons anhört: „Ihr habt damals Daten auf – wie heißt das – auf Disketten gespeichert und dann in Boxen abgelegt?“ Kaum zu glauben!