Bitkom-Studie Digitaler Wandel braucht weibliche Perspektiven

Von Alexander Siegert 3 min Lesedauer

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Frauen in IT-Unternehmen sind in Deutschland nach wie vor stark in der Minderheit. Laut Digitalverband Bitkom muss jedoch schnell gegengesteuert werden, ansonsten drohen Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft.

Weibliche IT-Talente sind für die Digitalisierung unverzichtbar.(Bild:  Midjourney/KI-generiert)
Weibliche IT-Talente sind für die Digitalisierung unverzichtbar.
(Bild: Midjourney/KI-generiert)

Anlässlich des Internationalen Frauentags am 8. März beleuchten zwei aktuelle Umfragen des Digitalverbands Bitkom, dass Deutschland beim Frauenanteil in IT- und Digitalberufen zu den Nachzüglern gehört. Trotz des steigenden Bewusstseins über die Wichtigkeit von Vielfalt für Innovation und Wettbewerbsfähigkeit bleibt der Frauenanteil in diesen Bereichen alarmierend gering. Für Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder muss sich das schnell ändern: „Frauen bringen neue Perspektiven und andere Erfahrungen in Unternehmen ein. Diese Vielfalt stärkt nicht nur technologische Innovation und Wettbewerbsfähigkeit. Mehr Frauen für IT- und Digitalberufe zu gewinnen, ist auch eine Frage der Teilhabe und gleichberechtigten Mitgestaltung der Digitalisierung“, so Rohleder.

Der Status Quo

Die Bitkom-Studie zeigt, dass in 94 Prozent der deutschen Unternehmen weniger als die Hälfte der IT- und Digitalpositionen mit Frauen besetzt sind. Eine überwältigende Mehrheit der Unternehmen (64 %) ist sich einig, dass ohne Frauen in diesen Schlüsselberufen die Zukunft der deutschen Wirtschaft gefährdet ist. Auch im internationalen Vergleich hinkt Deutschland für 59 Prozent der Unternehmen beim Frauenanteil in IT und Digitalisierung hinterher. Laut Bundesagentur für Arbeit sind aktuell nur 18 Prozent der IT-Fachkräfte in Deutschland weiblich. Für Nicole Bade, Geschäftsführerin bei Synaxon, ist diese Zahl weniger von Bedeutung: „In meinen Augen ist nicht die Quote entscheidend, sondern dass Frauen sich auf Grundlage eines realistischen Bildes für oder gegen die IT entscheiden. Wir können es uns nicht leisten, Menschen mit Begeisterung für Technologie durch veraltete Klischees abzuschrecken“, fordert die Geschäftsführerin des Systemhaus-Verbunds.

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Nicole Bade,  iTeam-Geschäftsführerin, Synaxon(Bild:  Synaxon)
Nicole Bade, iTeam-Geschäftsführerin, Synaxon
(Bild: Synaxon)

Ein Problem, viele Ursachen

Der geringe Frauenanteil in IT- und Digitalberufen hat viele Ursachen. Zu finden sind sie oft auch in den Unternehmen selbst: Beim Zugang zu IT- und Digitalberufen kämpfen Frauen gegen viele Hindernissen. Dazu gehören laut Bitkom-Umfragen Hürden beim Wiedereinstieg (59 %) und traditionelle Rollenbilder (53 %). Außerdem fehlen oft Netzwerke, die Frauen unterstützen (52 %). Zudem bleibt eine männlich dominierte Unternehmenskultur ein abschreckendes Element für viele weibliche Talente (50 %). Interessanterweise geben zwar 69 Prozent der Unternehmen an, dass sie die Attraktivität von IT-Berufen für Frauen erhöhen möchten. Doch paradoxerweise sind 39 Prozent der Meinung, Männer seien von Natur aus besser für diese Berufe geeignet.

Shirin Arnold, Industry Solutions Lead for Construction bei Dropbox(Bild:  Dropbox)
Shirin Arnold, Industry Solutions Lead for Construction bei Dropbox
(Bild: Dropbox)

Eine Zahl, die auch Shirin Arnold, Industry Solutions Lead for Construction bei Dropbox verwundern dürfte. Denn „um in diesen Bereichen erfolgreich zu sein, ist oft eine Mischung aus Problemlösungsfähigkeiten, Anpassungsfähigkeit und Kommunikationsfähigkeit erforderlich − Bereiche, in denen Frauen in der Regel stark sind.“

Weitere Barrieren liegen laut Bitkom in unzureichender Qualifizierung (50 %), schlechterer Selbstvermarktung (46 %) und fehlender Betreuungsinfrastruktur (55 %). „Oft sind es die eigenen Annahmen über die eigenen Fähigkeiten, die uns genauso oder sogar noch mehr an der beruflichen Weiterentwicklung hindern als äußere Hindernisse oder fehlende Möglichkeiten“, beschreibt Melissa Puls, CMO, SVP Customer Success and Renewals bei Ivanti, die schwierige Situation.

Hohe Ziele und mehr Sichtbarkeit

Gemäß der Bitkom-Umfragen wollen viele Unternehmen den Frauenanteil in IT- und Digitalberufen erhöhen. Doch nur wenige haben konkrete Zeitpläne. Während 60 Prozent gezielte Recruiting-Maßnahmen nutzen – etwa Kooperationen mit Hochschulen (24 %), Trainee-Programme (19 %) oder frauenspezifische Karriereevents (16 %) – sehen 38 % das Thema nicht als Priorität. Hauptgründe sind der Mangel an qualifizierten Bewerberinnen (68 %). Bitkom-Geschäftsführer Rohleder hob bei der Vorstellung der Studie hervor, wie wichtig es sei, Frauen gezielt anzusprechen und sichtbarer zu machen, um sie für Berufe in der IT zu begeistern.

Der Verband arbeitet deshalb eng mit Initiativen wie #SheTransformsIT zusammen. Ziel dieser Initiative ist es, die Rolle von Mädchen und Frauen in der digitalen Welt zu stärken. Susanne Dehmel, eine der Verantwortlichen von #SheTransformsIT und der Bitkom-Geschäftsleitung, bringt die Forderungen an Politik und Unternehmen so auf den Punkt: „Es braucht erstens einen verpflichtenden und gendersensiblen Informatik-Unterricht an den Schulen. Zweitens sollten Praxisnähe und Interdisziplinarität in Ausbildung und Studium gestärkt, sowie Aus- und Weiterbildungsprogramme für Frauen in IT-Berufen gefördert werden. Drittens gilt es, die Betreuungsinfrastruktur auszubauen.“

#SheTransformsIT

#SheTransformsIT ist eine Initiative, die seit 2020 Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft vereint, um mehr Frauen für die Digitalisierung zu gewinnen und ihre Rolle in der Digitalen Transformation zu stärken. Der Fokus liegt auf drei zentralen Bereichen:

  • Transformation, indem Bildung, Weiterbildung und die digitale Arbeitswelt verändert sowie gesellschaftliche Rollenbilder hinterfragt werden
  • Vernetzung, indem als zusammengebracht werden, um den Austausch zu fördern
  • Awareness & Sichtbarkeit, indem Frauen in der Digitalisierung durch Rolemodels, Kampagnen und Veranstaltungen sichtbarer gemacht werden.
Ziel ist es, sektorübergreifend Lösungen zu entwickeln, um einen nachhaltigen Wandel hin zu mehr Frauen in der Digitalisierung voranzutreiben.

zur Initiative

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