Qualtrics-Umfrage Die Pandemie tut dem Mitarbeiter-Engagement gut

Autor: Heidemarie Schuster

Schon lange wünschen sich viele Angestellte flexiblere Arbeitszeiten und mehr Homeoffice. Wegen der Corona-Pandemie sind diese Wünsche für viele in Erfüllung gegangen – mit positiven Auswirkungen für Arbeitgeber, wie eine Umfrage von Qualtrics zeigt.

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Das Mitarbeiterengagement ist 2020 im Vergleich zum Vorjahr um 13 Prozentpunkte gestiegen. Ein Grund dafür: mehr Homeoffice.
Das Mitarbeiterengagement ist 2020 im Vergleich zum Vorjahr um 13 Prozentpunkte gestiegen. Ein Grund dafür: mehr Homeoffice.
(Bild: nadianb - stock.adobe.com)

Homeoffice geht gar nicht! Das jedenfalls dachten viele Chefs. Die Gründe waren vielseitig: fehlende technische Ausstattung, fehlende Infrastruktur oder kein Vertrauen gegenüber den Angestellten, um nur ein paar Gründe zu nennen. Covid-19 hat nun dazu geführt, dass Homeoffice in vielen Fällen eben doch geht und Arbeitgeber davon profitieren, wie der „2021 Global Employee Experience Trends Report“ von Qualtrics offen legt.

Im Vergleich zum Jahr 2019 stieg 2020 das Engagement bei den deutschen Arbeitnehmern um ganze 20 Prozentpunkte, von 41 auf 61 Prozent. Eine erfreuliche Entwicklung, denn engagierte Mitarbeiter möchten über sich hinauswachsen und erfolgreich sein, sind stolz auf ihre Arbeit und loyal gegenüber ihrem Arbeitgeber. Auch global wird ein Anstieg von 13 Prozent (von 53 % auf 66 %) im Mitarbeiterengagement verzeichnet. Zurückzuführen ist der Trend auf einen stärkeren Fokus der Unternehmen auf das Mitarbeiterwohlbefinden, etwa in Form von flexibleren Arbeitsmodellen und Homeoffice, also das, was sich Mitarbeiter schon lange wünschen.

Arbeitgebertreue

Auch die Arbeitgebertreue, also die Absicht, weiterhin für die Firma zu arbeiten, vergrößerte sich im vergangenen Jahr in Deutschland um 9 Prozentpunkte – von 65 auf 74 Prozent. Weltweit legte der Wert sogar um 17 Prozent zu (von 53 % auf 70 %). Doch für Unternehmen bedeutet das nicht unbedingt ein Grund zum Jubeln: Die hohe Arbeitgebertreue kann auch auf fehlende Jobalternativen und die krisenbedingte Unsicherheit zurückzuführen sein; viele Angestellte schrecken schlichtweg vor einem Stellenwechsel zurück.

Triebfeder des Mitarbeiter-Engagements

Trotz der Krise gilt das Gefühl von Zugehörigkeit immer noch als stärkste Triebfeder des Mitarbeiter-Engagements. So hat in Deutschland für 73 Prozent der Beschäftigten das Zugehörigkeitsgefühl zu ihrem Arbeitgeber die größte Auswirkung darauf, wie engagiert sie sind. Global betrachtet liegt diese Zahl bei satten 91 Prozent. Zudem gehen die Mitarbeiter, die sich zugehörig fühlen, 3,5-mal häufiger motiviert in die Arbeit. Auch das Wohlbefinden hängt direkt mit dem Verbundenheitsgefühl zusammen: Über drei Viertel der Beschäftigten (78 %), die sich mit ihrem Unternehmen identifizieren, fühlen sich wohl. Bei denen, die sich nicht als Teil ihrer Firma sehen, sind es nur magere 28 Prozent. Auch das Engagement liegt dann nur bei 20 Prozent.

Damit ein Gefühl von Zugehörigkeit entsteht, müssen die Arbeitgeber für einen respektvollen Umgang mit ihren Mitarbeitern sorgen, ihnen aktiv zuhören und ihre Leistungen anerkennen – und das nicht nur in Krisenzeiten.

Alleinlebende gehen lieber ins Büro

Weltweit gaben 67 Prozent der Befragten an, dass sie sich an ihrem Arbeitsplatz wohlfühlen. Doch es sieht nicht auf allen Unternehmensebenen gleich aus. Denn der Grad an Wohlbefinden scheint direkt in Zusammenhang mit der Position zu stehen: Führungskräfte fühlen sich um 27 Prozentpunkte besser als Kollegen in niedrigeren Positionen (87 % versus 60 %).

Weitere Unterschiede in puncto Wohlbefinden gibt es in Bezug auf die familiäre Situation: So fühlen sich alleinlebende Beschäftigte ohne Kinder am virtuellen Arbeitsplatz weniger wohl als ihre Kollegen mit Familie (58 % versus 72 %).

Auch in Sachen Zugehörigkeit zum Unternehmen gibt es deutliche Abweichungen:

Obwohl das Krisenjahr Eltern vor zusätzliche Herausforderungen stellte, wurde ihr Verbundenheitsgefühl davon weniger beeinträchtigt als das von alleinlebenden Mitarbeitern. Denn viele Singles knüpfen überwiegend an ihrem Arbeitsplatz Freundschaften, woraus sich der Firma gegenüber eine größere Bindung entwickelt. Durch die pandemiebedingte Heimarbeit und Kontaktbeschränkungen fällt dies weg. Unternehmen täten also gut daran, diese Gruppe so bald wie möglich in das Büro zurückkehren zu lassen, um den Gemeinschaftssinn wiederherzustellen.

Leidiges Thema: Mitarbeiter-Feedback

Für Unternehmen in Deutschland war 2020 ein schwieriges Jahr. Sie bemühten sich, in der Pandemie einen reibungslosen Betrieb zu gewährleisten – das Feedback der Belegschaft ging dabei häufig unter. Das zeigt sich in einem deutlichen Rückgang der Anzahl der Beschäftigten, die glauben, dass auf ihre Rückmeldung eine Reaktion erfolgt: Während 62 Prozent der deutschen Befragten angaben, dass regelmäßige Feedback-Möglichkeiten bedeutsam sind, fanden nur 25 Prozent, dass ihre Organisation in dieser Hinsicht gut handelt. Vor der Pandemie waren es noch 40 Prozent. Global betrachtet halten es 92 Prozent der Beschäftigten für wichtig, dass ihr Arbeitgeber Feedback einholt, doch nur 7 Prozent bestätigen, dass dieser es auch gut umsetzt.

Deutschland macht es in dieser Beziehung zwar besser als viele seiner europäischen Nachbarn (in Spanien sind es zum Beispiel nur 17 %), doch das Einholen und Umsetzen von Feedback sollte oberste Priorität haben. Denn wenn die Mitarbeiter das Gefühl haben, dass ihr Unternehmen angemessen auf ihre Rückmeldungen reagiert, zeigen sie ein mehr als doppelt so großes Engagement im Vergleich zu den Kollegen, die keine oder zu wenige Maßnahmen erkennen.

Auch das Wohlbefinden der Belegschaft ist stark davon abhängig: 86 Prozent der Angestellten, auf deren Rückmeldung gut reagiert wird, fühlen sich wohl. Ist dies nicht der Fall, sinkt die Zufriedenheit auf 53 Prozent.

Wohlbefinden der Mitarbeiter sollte an erster Stelle stehen

„2020 wird als eine Zeit in Erinnerung bleiben, in der sich die Erwartungen an die Employee Experience und die Rolle der Arbeitgeber unumkehrbar veränderten“, erklärt Jay Choi, EVP und GM von EmployeeXM bei Qualtrics. „Die Hauptantriebskräfte der Angestellten verschoben sich in diesem Jahr stärker als in den letzten Jahren zusammen. Die Tendenz, mehr Engagement zu zeigen und länger für die Firma arbeiten zu wollen, überraschte die Unternehmen in dieser herausfordernden Zeit.“

Führungskräfte müssen verstehen, wie diese Trends den Arbeitsplatz verändern werden. Wer sein Hauptaugenmerk auf Zugehörigkeit, Wohlbefinden und Umsetzen von Feedback legt, wird im Jahr 2021 die größten Gewinne verzeichnen, verspricht Qualtrics.

Allgemein gelte: Ob es darum geht, mehr Flexibilität zu schaffen, Unterstützung bei familiären Notfällen zu leisten oder zuzuhören – das Mitarbeiterwohlbefinden, und somit die Qualität der Employee Experience, muss an erster Stelle stehen.

Über die Studie

In den Monaten Oktober und November 2020 wurden durch Qualirics mehr als 11.800 Vollzeitbeschäftigte (darunter 800 aus Deutschland) aus diversen Branchen in 20 verschiedenen Ländern befragt.

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