Die Herausforderungen im Gesundheitssektor sind groß, gerade wenn man Richtung IT-Sicherheit blickt. Die Branche ist von Fachkräftemangel und veralteten Geräten geprägt. Doch Partnerschaften & gezielte Unterstützung ermöglichen eine effektive Schutzstrategie.
Das Gesundheitswesen baut sich Stein um Stein eine sichere Basis auf. Ganz vorne als Stütze: MSSP, die kleinere Einrichtungen mit notwendigen Ressourcen versorgen.
(Bild: Midjourney / KI-generiert)
Das Gesundheitswesen digitalisiert sich Schritt für Schritt: Die elektronische Patientenakte ist da, Sprechstunden finden online statt und Termine werden längst über Apps koordiniert. Was für Patienten mehr Komfort bedeutet, stellt die IT in Krankenhäusern, Arztpraxen und Kliniken vor enorme Herausforderungen. Während die Prozesse digitaler und vernetzter werden, bleibt die IT-Sicherheit vielerorts auf der Strecke – und öffnet damit Tür und Tor für Angriffe.
Gesundheitssektor ist ein beliebtes Angriffsziel
Die Mehrheit der Befragten sehen die Digitalisierung im Gesundheitswesen als Chance.
(Bild: Bitkom)
Cyberangriffe auf Krankenhäuser und Arztpraxen häufen sich, der Sektor zählt weiterhin zu den bevorzugten Zielen von Cyberkriminellen. Im Vergleich mit anderen, teils kritischen, Bereichen wie Finanzen oder Energie, hängt der Gesundheitssektor in Bezug auf die Digitalisierung hinterher. Laut einer aktuellen Bitkom-Studie sehen mittlerweile aber 84 Prozent der Befragten die Digitalisierung im Gesundheitswesen eher als Chance denn als Risiko – ein deutlicher Anstieg gegenüber 74 Prozent im Vorjahr. Die Bereitschaft, etwas ändern zu wollen, scheint da zu sein. Woran liegt es also, dass gerade der Gesundheitssektor als besonders riskant und träge gilt, wenn es um Cybersecurity geht?
Digital Health
Untersuchungsdesign
Die Studie „Digital Health“ wurde am 16. Juli 2024 von Bitkom veröffentlicht. Zwischen Mai und Juni 2024 wurden 1.140 Personen ab 16 Jahren in Deutschland im Rahmen einer computergestützten telefonischen Befragung (CATI) zur Digitalisierung im Gesundheitswesen befragt. Die Ergebnisse zeigen unter anderem, dass 71 Prozent der Teilnehmenden den digitalen Fortschritt im Gesundheitswesen als zu langsam einschätzen. Zudem wurde deutlich, dass künftig auch die digitalen Kompetenzen der Patientinnen und Patienten gezielt gestärkt werden sollen.
Skalierbare Angebote für kleine Strukturen
Thierry Aubry, Head of Sales DACH & Nordics, Ontinue
(Bild: Ontinue)
Fehlende Fachkräfte, kleine Budgets, Regulatorik und veraltete Systeme spielen große Rollen und erschweren eine effektive IT-Sicherheit maßgeblich. Hinzu kommt ein weiterer Faktor: Der große Wert medizinischer Daten. Thierry Aubry, Head of Sales DACH & Nordics bei Ontinue, sieht hier einen zentralen Risikotreiber. „Gleichzeitig sind die Daten im medizinischen Bereich besonders wertvoll, stark personalisiert und für Einrichtungen des Gesundheitswesens von kritischer Bedeutung. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Einrichtungen bereit sind, Lösegelder zu zahlen oder gestohlene Daten zurückzukaufen“, erklärt er. Gerade kleinere Praxen und Einrichtungen stehen damit unter besonderem Druck: Sie haben oft weder die Ressourcen noch das Knowhow, um umfassende Schutzmaßnahmen selbst umzusetzen. Von einem eigenen Security Operations Center (SOC) können viele nur träumen. Was es braucht, sind flexible, skalierbare Angebote, die IT-Sicherheit auch in kleineren Strukturen realisierbar machen. „Kleinere Organisationen benötigen skalierbare Security. Hersteller bieten inzwischen MSSP-Modelle, vorkonfigurierte Appliances und nutzungsbasierte Lizenzierung. So wird auch in kleinen Praxen Zero Trust & Co. erschwinglich“, sagt Stefan Ostermeyer, Director Networking & Security bei Arrow ECS Deutschland.
Medizinische Einrichtungen müssen Notfallpläne mit ihrem IT-Sicherheitspartner ausarbeiten und regelmäßige Übungen für den Ernstfall durchführen.
Thierry Aubry, Head of Sales DACH & Nordics, Ontinue
Zero-Trust-Architekturen,Patch-Management, Awareness-Schulungen, Backup & Recovery, Notfallpläne – die Liste an notwendigen Bausteinen ist lang. Doch ein sicherer IT-Betrieb basiert nicht auf einzelnen Tools oder Projekten, sondern auf einer nachhaltigen Gesamtkonstruktion. „Medizinische Einrichtungen müssen Notfallpläne mit ihrem IT-Sicherheitspartner ausarbeiten und regelmäßige Übungen für den Ernstfall durchführen“, sagt Aubry. „Das erhöht die Reaktionsfähigkeit bei Vorfällen.“ Eine Wiederherstellung sei sonst langwierig und vor allem teuer. Und was für andere Branchen eine Downtime bedeutet, Verluste in Produktion und Umsatz, kann im Gesundheitswesen unmittelbare Auswirkungen auf die Patientenversorgung haben – etwa, wenn Diagnosegeräte ausfallen, OP-Systeme nicht zugänglich sind oder ein ganzes Krankenhaus vom Netz getrennt ist. Gleichzeitig zeigen sich laut Aubry aber auch erste Fortschritte: „Die Lücke zu besser aufgestellten Sektoren wie Finance oder der Tech-Branche beginnt sich durch Klinikverbunde zu schließen.“ Aber: Viele kleine medizinische Organisationen seien weiterhin stark gefährdet.
Stefan Ostermeyer, Director Networking & Security, Arrow ESC
(Bild: Arrow ESC)
Die Herausforderung, viele kleine Einzelmaßnahmen zu einer funktionierenden Struktur aufzubauen, bleibt also erst einmal bestehen – und genau hier kann der Channel eingreifen: Systemhäuser, Service Provider und Distributoren agieren als strategische Partner, die Beratung, Integration, Betrieb und Support aus einer Hand bieten. „Ohne sie ist Security im Gesundheitssektor kaum realisierbar“, betont Ostermeyer. Partner helfen dabei, vorhandene Sicherheitsbausteine zusammenzuführen, gesetzliche Vorgaben umzusetzen und eine stabile Infrastruktur aufzubauen – von der Endpoint Security bis zur sicheren Identitätsverwaltung. Zudem erweitert die zunehmende Verbreitung von Telemedizin und hybrider Patientenkommunikation die Angriffsflächen nochmal. Der Schutz von Endpunkten, Kommunikationswegen und Identitäten steht deswegen bei vielen Projekten im Fokus. Die Nachfrage nach Lösungen wie MFA, verschlüsselter Kommunikation, SASE oder MXDR ist laut Ostermeyer spürbar gestiegen.
Telemedizin bringt neue Anforderungen. So sind die Absicherung von Endpunkten, Kommunikationswegen und Identitäten zentral.
Stefan Ostermeyer, Director Networking & Security, Arrow ECS Deutschland
Auch Aubry sieht vor allem in MXDR und SOC-as-a-Service-Lösungen eine große Chance für kleinere Organisationen, Security auch ohne ein eigenes Expertenteam professionell zu betreiben und schnell reagieren zu können. Ein „mehrschichtiger Ansatz mit 24/7-Bedrohungserkennung“ durch einen MXDR-Anbieter sei für viele Einrichtungen im Healthcare-Sektor unerlässlich. Außerdem betont Aubry: „Angesichts wachsender Lieferkettenrisiken ist auch das Third-Party-Management zentral – MXDR-Partner bieten hier zusätzliche Transparenz und Schutz im gesamten digitalen Ökosystem.“
Stand: 08.12.2025
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Damit Cybersecurity langfristig und nachhaltig im Gesundheitswesen verankert wird, braucht es nach Ansicht beider Experten vor allem drei Dinge:
Gezielte Fördergelder, die insbesondere medizinische und kleinere Einrichtungen unterstützen.
Ein offizielles Cybersecurity-Framework mit klaren gesetzlichen Mindeststandards.
Mehr Security-Kompetenz auf Entscheiderebene, ergänzt durch verpflichtende Schulungen für Mitarbeitende, um Maßnahmen auch effektiv umzusetzen.
Diese Herausforderungen gehen nicht nur die IT-Abteilungen etwas an. Stattdessen geht es um die betriebliche Resilienz und direkte Patientenversorgung. Channel-Partner können dabei mehr als nur Technologielieferanten sein: Sie bauen eine neue und nachhaltige Sicherheitsstruktur auf und legen so, Baustein für Baustein, das Fundament für ein digitales Gesundheitswesen mit Zukunft.
Healthcare Digital
Die Sonderausgabe zur Digitalisierung im Gesundheitswesen.
Technische Schwierigkeiten und inkompatible Systeme, steigende Kosten und Regulierungsdruck: Die Digitalisierung des Gesundheitswesens, die eigentlich Herausforderungen wie Arbeitsbelastung, Fachkräftemangel oder auch Ineffizienz mitigieren soll, bringt selbst einen Haufen Probleme mit sich. Doch es gibt Lichtblicke, angefangen bei der Einführung des E-Rezepts bis hin zum Ausbau der Telematikinfrastruktur.
Im Sonderheft „Healthcare Digital“ nehmen die Redaktionen von eGovernment und IT-BUSINESS eine Bestandsaufnahme vor. Was läuft gut und wo besteht konkreter Handlungsbedarf? Welche Strategien und Lösungen haben sich bereits bewährt und wo wird weiterhin geforscht und implementiert? All das und mehr erfahren Sie im kostenlosen ePaper „Healthcare Digital“, das im Print-Format als Beilage der IT-BUSINESS und der eGovernment erscheint.