Digitale Bildung und Verwaltung Deutsche sind unzufrieden mit Digitalpolitik

Autor: Ann-Marie Struck

„Deutschland hinkt in Sachen Digitalisierung hinterher“: Eine Aussage, die aufgrund der Coronakrise noch deutlicher wurde. Die Bevölkerung kreidet die versäumte Digitalisierung an. 71 Prozent der Deutschen sind laut einer Umfrage derzeit unzufrieden mit der Digitalpolitik.

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In Behörden und Schulen werden immer noch manuelle Akten geführt.
In Behörden und Schulen werden immer noch manuelle Akten geführt.
(Bild: roxcon - stock.adobe.com)

Sei es der Breitbandausbau, die Einführung der digitalen Patientenakte oder die Ausstattung von Schulen mit passender Infrastruktur: In Deutschland ging die Digitalisierung in den letzten Jahren eher schleppend voran. Dann kam die Coronakrise, und all die versäumten Entscheidungen kommen nun ans Tageslicht und münden in Unmut der Bevölkerung. So das Ergebnis einer Umfrage im Januar 2021 des Meinungsforschungsunternehmen Civey im Auftrag des Eco-Verbands unter 2.500 Personen.

Demzufolge sind 70 Prozent der Befragten unzufrieden mit den Angeboten für digitale Bildung, in der digitalen Verwaltung und den digitalen Gesundheitsdienstleistungen. Entsprechend sehen fast 78 Prozent der Umfrageteilnehmer einen deutlichen Handlungsbedarf der Bundesregierung, den Fokus verstärkt auf die Digitalpolitik zu legen, insbesondere in Anbetracht der Coronakrise und den damit verbundenen Kontaktbeschränkungen und Distanzgeboten.

Damit ist der Anteil an Menschen, die sich mehr Engagement vom Bund in Sachen Digitalisierung wünschen, im Vergleich zum Sommer um 13 Prozent gestiegen. Im August 2020 waren „nur“ 65 Prozent dieser Ansicht.

Bedeutung der Digitalisierung wächst

Corona hat in vielen Bereichen zu einem Digitalisierungsschub geführt. Gleichzeitig bekommen wir alle aber auch tagtäglich zu spüren, wo es eben noch nicht läuft, wo digitale Technologien zwar helfen könnten, aber aufgrund politischer Versäumnisse nicht zum Einsatz kommen oder nicht zufriedenstellend funktionieren. Besonders schmerzlich sehen wir dies aktuell beim Thema digitale Schule“, sagt Oliver Süme, Vorstandsvorsitzender des Eco-Verbands.

Doch nicht nur im Bildungsbereich ist die Digitalisierung versäumt worden, auch im Gesundheitswesen, in der Justiz und im Finanzsektor. Bei der Frage, welche politischen Maßnahmen im Digitalbereich in der Zeit der Coronakrise besonders wichtig sind, steht mit 77 Prozent der Ausbau digitaler Infrastruktur bei den Befragten auf Platz eins. Den zweiten Platz belegt mit 66 Prozent der Ausbau der digitalen Bildung, gefolgt von IT-Sicherheit und Datenschutz mit 41 Prozent. Ein Recht auf Homeoffice sehen nur knapp 29 Prozent als besonders wichtig an und nur 27 Prozent eine Digitale Transformation der Wirtschaft. 25 Prozent der Umfrageteilnehmer halten eine Weiterentwicklung der Corona-App für relevant.

Aufgrund der mangelhaften Digialisierung in Deutschland fordert der Verband der Internetwirtschaft einen Digitalisierungsgipfel, bei dem sich Bund und Länder auf eine unbürokratische und länderübergreifende Strategie zur Verbesserung der digitalen Situation in Deutschland verständigen.

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 Ann-Marie Struck

Ann-Marie Struck

Redakteurin, Vogel IT-Medien