Digitalisierung in Deutschland Deutsche Schulen müssen digital werden

Autor: Ann-Marie Struck

Obwohl die Digitalisierung zu unserem Lebens- und Arbeitsalltag gehört, ist sie in deutschen Schulen leider noch nicht so richtig angekommen. Dabei sollte vor allem die Schule als ein Ort der Erziehung und Bildung digital sein, wie Eltern nun vermehrt fordern.

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Die richtige technische Ausstattung der Klassenräume ist eine Grundlage, um die Digitalisierung an Schulen voranzubringen.
Die richtige technische Ausstattung der Klassenräume ist eine Grundlage, um die Digitalisierung an Schulen voranzubringen.
(Bild: Gorodenkoff - stock.adobe.com)

Die Qualifikationsfunktion ist eine der vier gesellschaftlichen Funktionen der Schule nach Fend. Demnach sollen in der Schule Kompetenzen für die spätere ökonomische Teilhaben an der Gesellschaft vermittelt werden. Dazu gehört in der heutigen Gesellschaft eindeutig eine Digital- und Medienkompetenz. Das fordern nun auch verstärkt Eltern von der deutschen Politik. Einer Studie des Digitalverbands Bitkom zufolge befürworten sie eine beschleunigte Digitalisierung der Bildung.

Für die Befragung wurden 1.000 Eltern mit mindestens einem Kind im Alter von sechs bis 18 Jahren im eigenen Haushalt befragt. 77 Prozent der befragten Eltern geht die Digitalisierung der Schulen zu langsam, weitere 40 Prozent bewerten sie sogar als „viel zu langsam“. Der Digitalisierung selbst stehen die Befragten positiv gegenüber. 85 Prozent beurteilen sie als Chance für die Schulen. Demgegenüber sehen nur 10 Prozent darin ein Risiko.

Ausstattung der Schulen

Die Grundlage für eine digitale Bildung ist die entsprechende Technik, die in vielen Schulen jedoch fehlt. In Schulnoten bewerten die Eltern den aktuellen Stand der Schulen in Durchschnitt mit „befriedigend“ (3). In Einzelnoten erhält der Internetzugang gerade noch ein „mittelmäßig“ (3,2) und der WLAN-Zugang in Klassenräumen ist „ausreichend“ (4.). Der Zustand der vorhandenen Technik bekommt ein „befriedigend“ (3,5) und die Hilfe bei IT-Problemen wird mit einer 3,6 bewertet. Das größte Hindernis für digitale Schulen sehen 78 Prozent der Eltern im Föderalismus. 69 Prozent befürworten, dass der Bund mehr Entscheidungskompetenzen in der Bildungspolitik haben sollte.

Digitales Elternhaus?

Dabei ist nicht nur die Technik in der Schule, sondern auch die Ausstattung zuhause für digitales Lernen entscheidend. Der Umfrage zufolge benutzen in acht von zehn Elternhäusern Kinder bereits täglich ein digitales Endgerät im Zusammenhang mit dem Lernen oder der Vorbereitung für die Schule. Bei weiteren 16 Prozent wird zwar grundsätzlich auch digital gelernt, aber nicht täglich. Nur vier Prozent der Kinder lernen zuhause ohne digitale Endgerät.

Dementsprechend lange sitzen die Kinder auch vor einem Device zum Lernen: Im Durchschnitt sind es täglich 4 Stunden und 20 Minuten. Allerdings ist die Bandbreite zwischen intensiver und geringer Nutzung groß: In jedem vierten Elternhaus (26 %) mit Kindern, die ein digitales Endgerät für die Schule nutzen, beträgt die tägliche Nutzungszeit sechs Stunden und mehr pro Kind, bei drei von zehn (29 %) sind es fünf bis weniger als sechs Stunden und bei 9 Prozent vier bis weniger als fünf Stunden. Bei 34 Prozent sind es eine bis weniger als vier Stunden und bei 3 Prozent weniger als eine Stunde.

Status Quo: Heimunterricht

Aktuell findet der Unterricht jedoch zur Eindämmung des Coronavirus überwiegend digital statt. So berichten 91 Prozent der Elternhäusern über digitale Unterrichtsangebote. An erster Stelle stehen dabei Videokonferenzen (83 %), gefolgt von Online-Präsenzunterricht (77 %) und Lernplattformen (65 %). Zudem gab es bei fast der Hälfte (48 %) telefonische Absprachen mit der Lehrkraft. Jedoch berichteten auch 33 Prozent davon, dass Aufgaben oder Dokumente aus der Schule abgeholt werden mussten. Bei 8 Prozent wurden Unterrichtsmaterialien per Post zugesandt.

Spezielle Apps zum mobilen und individuellen Lernen sind jedoch noch kein Standard im Unterricht, kommen aber in 44 Prozent der Elternhäuser zum Einsatz. Nur 4 Prozent der Eltern sagen, dass Lehrkräfte solche Apps an allen Unterrichtstagen einsetzen. Bei 28 Prozent ist es regelmäßig, aber nicht an allen Unterrichtstagen. Bei 30 Prozent werden Lern-Apps nur in Ausnahmefällen und bei 29 Prozent nie eingesetzt.

Hürden im Homeschooling

Leider lief der Unterricht von zuhause nicht immer reibungslos ab und technische Hürden standen zum Teil an der Tagesordnung. 71 Prozent hatten den Fall, dass die Lernplattform nicht erreichbar war, und bei 42 Prozent streikte die eigene WLAN-Verbindung. Zudem klagen 28 Prozent der Befragten über eine unzureichende Bandbreite des heimischen Internetanschlusses. Insgesamt berichten 31 Prozent von Problemen mit Software oder Apps, die nicht funktionierten. In 12 Prozent der Haushalten fehlt es an Geräten, damit jedes Kind flexibel lernen kann, und bei 11 Prozent wollte das Kind nicht am Online-Unterricht teilnehmen. Nur 7 Prozent der Eltern hatten beim Homeschooling keines dieser Probleme.

Demnach ist es nicht verwunderlich, dass die Eltern nun die Digitalisierung der Schulen weiter vorantreiben wollen. 96 Prozent finden, dass der Einsatz digitaler Technologien und Medien an allen Schulen Standard sein sollte, und 88 Prozent sind überzeugt, dass jeder Schule eine Lernplattform zur Verfügung stehen sollte. Zudem wollen 80 Prozent der Eltern Heimunterricht bis zu den Sommerferien als Standard haben. Als neuen Normalzustand nach der Pandemie befürworten das nur 28 Prozent der Eltern. Wohingegen über ein Fünftel (22 %) möchte, dass auch nach der Pandemie der Unterricht zumindest teilweise per Homeschooling stattfindet.

Unterricht der Zukunft

Auch bei den Unterrichtsinhalten sollten nach Ansicht der meisten Eltern mehr digitale Akzente gesetzt werden. Auf der Wunschliste ganz oben stehen verpflichtende regelmäßige Fortbildungen zu digitalem Unterricht für Lehrkräfte (95 %). 92 Prozent fordern, dass digitale Kompetenzen im Schulunterricht einen höheren Stellenwert genießen sollten. Außerdem steht die Vermittlung von Medienkompetenz bei 83 Prozent der Eltern weit oben auf der Agenda. Weitere 79 Prozent plädieren für Informatik als Pflichtfach ab der 5. Klasse.

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