Der VeR fördert als Verband seit mehr als einem Jahrzehnt die Verbreitung der E-Rechnung. Man versteht sich als Bindeglied zwischen Wirtschaft, Politik und Technologie. Dem Übertragungsweg sollte man laut dem Verbandschef ein besonderes Augenmerk widmen.
E-Rechnungen entfalten auf dem E-Mail-Postweg nicht ihr Potenzial.
(Bild: Midjourney / KI-generiert)
Der Übertragungsweg ist ein oft unterschätzter Aspekt beim Thema E-Rechnung, heißt es aus dem Verband elektronische Rechnung e.V. (VeR). „Die Nutzung eines einfachen E-Mail-Postfachs wird langfristig nicht ausreichen, um den Anforderungen der digitalen Rechnungsverarbeitung gerecht zu werden“, sagt Ivo Moszynski, Vorstandsvorsitzender des VeR. „Sicherere und effizientere Übertragungswege wie PEPPOL oder spezialisierte Plattformen bieten nicht nur höhere Sicherheit, sondern ermöglichen auch eine vollständige Automatisierung der Prozesse“, so der Verbandschef. Unternehmen, die weiterhin auf E-Mail setzen, würden, den Anschluss an die digitale Transformation verlieren, sagt Moszynski.
Automatisierungsgrad erhöhen
Wird die E-Rechnungsverarbeitung hingegen in fortschrittlichen Lösungen vollzogen, geht dies mit einer vollständigen Automatisierung einher. Das heißt, dass Mithilfe von KI Rechnungsdaten validiert, mit Stammdaten abgeglichen und direkt in ERP-Systeme integriert werden. „Dies spart Zeit, reduziert Fehler und schafft Raum für strategische Aufgaben“, so der E-Rechnungsspezialist.
Verbandsempfehlung: XRechnung und ZUGFeRD
Ivo Moszynski, Vorstandsvorsitzender beim Verband elektronische Rechnung e.V. (VeR)
(Bild: Verband elektronische Rechnung (VeR))
Der VeR empfiehlt vor allem die Formate XRechnung und ZUGFeRD, da sie speziell auf die Anforderungen der deutschen Wirtschaft und Verwaltung zugeschnitten sind und gleichzeitig die europäischen Anforderungen erfüllt werden. XRechnung ist durch seine reine XML-Struktur besonders für Anwender interessant, die bereits mit strukturierten Daten umgehen können, während ZUGFeRD durch seine Hybridstruktur sowohl strukturierte Daten als auch ein lesbares PDF vereint (siehe Kasten). Das sei ideal für KMU, die erstmals auf digitale Rechnungsprozesse umstellen. Diese Formate stehen für Effizienz und Compliance und ermöglichen fehlerfreie, automatisierte Prozesse.
Hintergrund
XRechnung, ZUGFeRD, XML
Gerangel um Formate
ZUGFeRD und XRechnung sind XML-basierte Formate, die laut EN16931 eine E-Rechnung darstellen. Beide Formate liefern eine maschinenlesbare XML-Datei und sind damit geeignet für die automatisierte Verarbeitung von Rechnungen. Dabei hält ZUGFeRD im Vergleich zu XRechnungen insofern einen Vorteil für den menschlichen Nutzer als, dass hier softwareseitig eine visualisierbare Bilddatei integriert ist.
Das Problem bei mehreren Formaten: Etliche Unternehmen wollen in der Praxis nur ZUGFeRD-Dateien empfangen, um den optischen Teil zu nutzen. Das ist aber nicht sinnvoll bei gegebener Formatvielfalt im Rahmen der EU-Norm.
Mitunter wird auf Länder wie Italien oder Polen verwiesen, die eine andere Regelung getroffen haben, nämlich dahingehend dass eine konforme XML-Datei zum alleinigen Rechnungsformat erklärt wurde.
Hierzulande hat sich XRechnung für die Rechnungsstellung im öffentlichen Sektor etabliert. Dieses ist für die automatisierte Verarbeitung konzipiert, kann aber ohne spezielle Software nicht gelesen werden.
ZUGFeRD ist hingegen ist als hybrides Format zu betrachten, welches ein lesbares PDF mit eingebetteten XML-Daten kombiniert und damit vielseitig einsetzbar ist.
IT-Systeme anpassen und Mitarbeiter schulen
Die größte Herausforderung besteht laut Moszynski in der initialen Umstellung: „Unternehmen müssen ihre IT-Systeme anpassen und Mitarbeiter schulen. Dieser Aufwand zahlt sich jedoch aus, da die E-Rechnung langfristig Kosten senkt, Prozesse beschleunigt und Fehler reduziert.“ Ein weiteres Hindernis sei oft das fehlende Bewusstsein für die Vorteile der E-Rechnung.
Auch die Integration der E-Rechnung in bestehende Systeme wie ERP, DMS oder FiBu sei mitunter eine Herausforderung. „Die Integration in ERP-, DMS- oder FiBu-Systeme erfordert die nahtlose Verbindung verschiedener Datenformate und Schnittstellen. Das ist häufig komplex und ressourcenintensiv. Hier spielen spezialisierte Dienstleister und Plattformen eine entscheidende Rolle, da sie standardisierte, skalierbare Lösungen anbieten, die Unternehmen dabei helfen, ihre Systeme effizient anzupassen“, so der E-Rechnungsprofi.
Hintergrund
E-Rechnungspflicht im B2B-Segment
Eckdaten, Fristen und Begriffe
2025: Seit Jahreswechsel müssen alle Unternehmen in Deutschland in der Lage sein, elektronische B2B-Rechnungen zu empfangen und dürfen zudem den Empfang der digitalen Rechnungen nicht mehr ablehnen.
Ausnahme: Keine Regel ohne Ausnahme: Es ist zwar weiterhin möglich, Rechnungen im PDF-Format zu versenden, aber nur unter der Voraussetzung, dass das empfangene Unternehmen dieser Praxis zustimmt. Die gleiche Regelung gilt auch für das EDIFACT-Format.
2027: Zwei Jahre später – 2027 – wird Stufe 2 zünden. Dann müssen Unternehmen mit mehr als 800.000 Euro Umsatz B2B-Rechnungen elektronisch ausstellen.
2028: Die Papierrechnung wird im B2B-Bereich ab 2028 endgültig Geschichte. Ab dann müssen alle in Deutschland agierenden Unternehmen elektronische B2B-Rechnungen im EN-16931-Standard versenden.
Zur Begriffsklärung: Die EN 16931 ist eine europäische Norm hinter Formaten wie XRechnung und ZUGFeRD. Hinter der Namensgebung des Formats ZUGFeRD steht das Akronym für „Zentraler User Guide des Forums elektronische Rechnung Deutschland“.
Pflicht lässt Nachfrage steigen
Wenig verwunderlich: Die E-Rechnungspflicht hat als Treiber der Digitalisierung in Deutschland maßgeblich zur steigenden Nachfrage nach E-Rechnungs-Dienstleistungen beigetragen. „Unsere Mitglieder berichten seit Mitte 2024 von einer stark wachsenden Zahl an Projekten, insbesondere im Bereich der Plattformanbindung und Prozessautomatisierung“, verrät der Verbandschef.
Der Markt biete aber weiterhin enormes Potenzial, denn die verpflichtende Einführung der E-Rechnung ab 2025 sowie die EU-weite ViDA-Initiative ab 2030 eröffnen weitere Chancen. Besonders kleine und mittelständische Unternehmen stehen laut Moszynski oft noch am Anfang ihrer digitalen Transformation. Auch die internationale Expansion der E-Rechnung würde spannende Perspektiven bergen.
Zur Person
Ivo Moszynski
In Personalunion ist Ivo Moszynski Mitinitiator des Providernetzwerks Traffiqx, Vorstandsvorsitzender beim Verband elektronische Rechnung e.V. (VeR) sowie beim Forum elektronische Rechnung Deutschland (FeRD). Er ist zudem Vertreter Deutschlands im European Multi-Stakeholder Forum on Electronic Invoicing (EMSFEI). Der Diplom-Informatiker verantwortet bei der DATEV eG die übergreifende Strategie zum Thema E-Rechnung und E-Procurement. In seiner Vergangenheit war er unter anderem bei der Bundesdruckerei in Berlin und dort für neue Lösungen im eID Markt zuständig.
Die Vorteile der E-Rechnung
Ebenso ist wenig verwunderlich, dass Verbandsvorsitzender Moszynski vom Konzept an sich überzeugt ist: „Die E-Rechnung ist ein zentraler Baustein für die Zukunftsfähigkeit der Wirtschaft.“ Sie reduziert demnach Papierverbrauch, senkt Kosten und beschleunigt Abläufe – ein klarer Vorteil für Umwelt, Unternehmen und Verbraucher.
Holprige Einführung
Der Schuh drückt dennoch: Viele Unternehmen sehen die Vorteile, kämpfen jedoch mit Herausforderungen wie veralteter IT-Infrastruktur oder unklaren rechtlichen Rahmenbedingungen. Zudem fehle häufig das Bewusstsein für kommende Entwicklungen wie das digitale Meldesystem für Umsatzsteuerdaten. Hier will man als Verband helfen: „Wir leisten hier durch Aufklärung, Best Practices und die Vermittlung zwischen Unternehmen und Dienstleistern wichtige Unterstützung.“
Stand: 08.12.2025
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