Systemfehler im IT-Handel

Der Notebooksbilliger-Chef spricht über Backend-Boni, Lagerleichen, Schweinepreise

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ITB: Apropos Rabatte: Online-Händler wie Notebooksbilliger, Amazon oder Home-of-Hardware werden vom stationären Fachhändel mitunter sehr kritisch beäugt. E-Tailer werden wegen ihrer Billigangebote gerne in Sippenhaft genommen, für den allgemeinen Preis- und Margenverfall in der Branche. Was sagen Sie zu diesen Anschuldigungen?

von Wedemeyer: Aus meiner Sicht kann man uns den allgemeinen Preisverfall in der IT-Branche nicht ankreiden. Schauen Sie sich doch mal auf den Preis-Suchmaschinen um. Die günstigsten Anbieter dort sind doch sehr kleine Händler, die die Ware in der Regel nicht physisch da haben und die nicht den Service erbringen, den größere E-Tailer leisten. Ich will damit sagen, dass es das Erfolgsgeheimnis der seriösen Online-Händler ist, für Vertrauen, Sicherheit und Online-Content zu sorgen. Das kostet Geld und erfordert schon eine gewisse Marge beim Verkauf. Die Preise drücken eher die Billigheimer und nicht die großen Player. Ich denke auch nicht, dass die Preise der kritische Faktor sind. Selbst wenn ein stationärer Fachhändler, sagen wir, zehn Prozent teurer ist, dann macht das bei den heutigen Notebook-Preisen gerade mal 40 bis 50 Euro aus. Und auch in Hinblick auf die Erfahrungen mit dem Laden in München kann ich sagen: Das ist nicht kaufentscheidend. Gefragt wird vielmehr Kundenservice. Wir haben für unseren Laden bereits eine Liste mit Preisen für Standard-Dienstleistungen erstellt, wie beispielsweise Ersteinrichtung für 39,95 Euro oder diskrete Datenmigration für 99 Euro, und – was soll ich sagen – das läuft sehr gut. Wir sind ständig dabei, die Service-Liste zu erweitern.

ITB: Ich vermute dennoch, dass im IT-Channel die Spezialisierung in Volumenspezialisten und in Service-Spezialisten noch weiter voran schreiten wird. Was denken Sie?

von Wedemeyer: Grundsätzlich denke ich das auch. Vielleicht wird das mal so sein wie im Handwerk. Wenn Sie zuhause ein Bad neu fliesen lassen, ist es dem Handwerker in der Regel auch egal, ob Sie ihre Fliesen bei ihm kaufen oder im Baumarkt. Mitunter würde auch Ihr Fliesenleger im selben Baumarkt einkaufen. Bei standardisierten Produkten – und das sind PCs und Notebooks – wird es auch in gewisser Weise auf einen Handel mit großen Absatzvolumen und auf Serviceleistende hinauslaufen, denke ich.

ITB: Ein Grund für den harten preislichen Wettbewerb ist sicherlich die hohe Preistransparenz im Netz. Über Preisvergleichsportale ermitteln Kunden den günstigsten Anbieter und bestellen dann bei ihm. Dreht sich die Preisspirale dadurch immer weiter nach unten?

von Wedemeyer: Ich habe ja bereits angesprochen, dass Online-Händler aus meiner Sicht nicht auf Teufel komm raus der günstigste sein müssen. Zwar darf der Abstand zu den günstigsten Wettbewerbern auch nicht übermäßig groß werden, aber wenn Sie auf Qualität und Service setzen, wird das vom Kunden honoriert. Letztlich ist die Schweinepreis-Problematik auch ein Punkt, bei dem die Distributions- und Vertriebspolitik der Hersteller eine wichtige Einflussgröße darstellen.

Lesen Sie auf der nächsten Seite eine kritische Auseinandersetzung mit den Backend-Boni-Regelungen der Hersteller und den Folgen.

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