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ITB: Eine Teilursache sind in diesem Zusammenhang die so genannten Backend-Boni, die Hersteller nach dem Erreichen vorgegebener Umsatzziele an einzelne Reseller ausschütten. Ich kenne Online-Händler, die diese Boni gleich bei der Endverkaufspreis-Kalkulation einpreisen. Hat das noch etwas mit kaufmännischer Vorsicht zu tun?
von Wedemeyer: Das ist ein sehr problematischer Punkt, den Sie da ansprechen, und um das klar zu sagen: Bei uns werden Backend-Boni nicht eingepreist und ich bin generell kein Freund von Backend-Bonis. Werden welche ausgeschüttet – und bei unserem Wachstum in den letzten Jahren war das oft der Fall – nehmen wir sie gerne mit. Aber preislich gleich einkalkuliert werden sie nicht. Händler, die das machen, wetten im Grunde auf künftige Verkaufserfolge und das fällt unter Spekulation. Können sie dann im Quartal nicht genügend Stück absetzen, gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder den Preis nach unten schrauben – Stichwort „Schweinepreise“ – oder sie nehmen Lagerleichen in Kauf. Beides ist aus kaufmännischer Sicht keine gute Lösung.
ITB: Kommt Notebooksbilliger nicht auch in die Situation, Lagerleichen in Kauf nehmen zu müssen, wenn Quartalsziele knapp verfehlt werden?

von Wedemeyer: Wir sind sehr straff organisiert, beobachten Kennzahlen wie Lagerumschlagsgeschwindigkeit einzelner Positionen sehr genau und achten darauf, mit einzelnen Produkten nicht in diese Bredouille zu kommen. Werden vom Hersteller Vorgaben gemacht, die nicht erreicht werden können, dann liegt das häufig daran, dass nicht wettbewerbsfähige Preise kalkuliert werden müssten. Hier gilt es möglichst früh einzugreifen. Aber auch bei Notebooksbilliger gibt es Produkte, die länger im Lager sind, und welche, die weniger lang im Lager verweilen.
ITB: Wie wird sich das Verhältnis zwischen Retailern und E-Tailern in den nächsten Jahren aus Ihrer Sicht entwickeln?
von Wedemeyer: Schwer zu sagen. Es wird auf jeden Fall spannend bleiben. Wenn die großen Retailer im Service Fortschritte machen, kann es hier durchaus zu einer Renaissance kommen. Ansonsten – und davon gehe ich aus – wird der Online-Handel noch weiter wachsen.
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